Weinheim

Weinheim hebt ab beim Sommerfest des Luftsportvereins

Humpty-Bumps, Loopings, Kubanische Acht und Co.: Warum die Flugshows in diesem Jahr so spektakulär waren und wie der Regen das Fest beeinflusste.

Bertram Brecht zeigte in seiner Yak 52 spektakulären Motorkunstflug. Foto: Philipp Reimer Fotografie
Bertram Brecht zeigte in seiner Yak 52 spektakulären Motorkunstflug.

Da stockt den Zuschauern der Atem: Als sich Uwe Schreyer mit seiner Pitts in den Himmel schraubt, der rote Doppeldecker kurz wie schwerelos in der Luft steht, um dann umso rasanter in die Tiefe zu trudeln, sind alle Augen nach oben gerichtet. Wie ein Pfeil saust er vorbei, kopfüber in nur 100 Metern Höhe. Dem Schweif eines Kometen gleich zieht sich der Nebel des Paraffinöls – zum Showeffekt ausgeschüttet. Jubel brandet bei der Landung auf für diese Leistung, die an diesem Wochenende nicht die einzige atemberaubende bleiben wird.

WNOZ WhatsApp-Kanal

Die Weinheimer Nachrichten und Odenwälder Zeitung auf WhatsApp! Aktuelle Nachrichten aus deiner Region. Die Top-Themen jeden Mittag frisch auf dem WhatsApp-Kanal.

Impressum

Foto: Philipp Reimer Fotografie
Foto: Philipp Reimer Fotografie
Foto: Philipp Reimer Fotografie
Foto: Philipp Reimer Fotografie
Foto: Philipp Reimer Fotografie
Foto: Philipp Reimer Fotografie
Foto: Philipp Reimer Fotografie
Foto: Philipp Reimer Fotografie
Foto: Philipp Reimer Fotografie
Foto: Philipp Reimer Fotografie
Foto: Philipp Reimer Fotografie
Foto: Philipp Reimer Fotografie
Foto: Philipp Reimer Fotografie
Foto: Philipp Reimer Fotografie
Foto: Philipp Reimer Fotografie
Foto: Philipp Reimer Fotografie
Foto: Philipp Reimer Fotografie
Foto: Philipp Reimer Fotografie
Foto: Philipp Reimer Fotografie
Foto: Philipp Reimer Fotografie
Foto: Philipp Reimer Fotografie
Foto: Philipp Reimer Fotografie
Foto: Philipp Reimer Fotografie
Foto: Philipp Reimer Fotografie
Foto: Philipp Reimer Fotografie
Foto: Philipp Reimer Fotografie
Foto: Philipp Reimer Fotografie
Foto: Philipp Reimer Fotografie

Denn schon eine Stunde später geht es für Nicole Allendorf-Ostwald hoch hinaus. Der traditionelle Dämmerflug der Kunstflug-Spezialistin aus Weinheim ist als spektakulär bekannt und einer der Höhepunkte des zweitägigen Sommerfestes beim Weinheimer Luftsportverein. Mit ihrem Segelflugzeug Pilatus B4, liebevoll „Blechbixx“ genannt, zeichnet sie ein Bild aus Funken und Feuer an den Abendhimmel. Beim „Humpty-Bump“ schießt die Pilatus mit Schwung senkrecht in die Höhe, bis sie vorübergehend fast zum Stehen kommt. Bei der Kubanischen Acht dreht sie einen Dreiviertellooping, um dann auf dem Rücken weiterzufliegen. Rollen, Trudeln, Turns – das erfordert höchste Konzentration und perfekte Koordination. „Ich bin jedes Mal wieder nervös“, verrät Nicole Allendorf-Ostwald. Und froh, dass alles wie geplant klappt. So auch das anschließende Feuerwerk. Es fällt zwar aufgrund der Schweinepest etwas leiser, aber deshalb nicht weniger stimmungsvoll aus.

Eine „Musterveranstaltung“

Sicherheit ist ohnehin oberstes Gebot beim Sommerfest. „Tollkühn“ und „waghalsig“, das sind Begriffe, mit denen die versierte Segelfliegerin nichts anfangen kann. „Bei uns starten nur sehr erfahrene Piloten, die den hohen Anforderungen gewachsen sind“, sagt sie. Nur deshalb könne sich das Sommerfest jedes Jahr als „Musterveranstaltung“ beweisen. Dafür gibt es sogar eine Sondergenehmigung, die Kunstflüge bis auf 100 Meter über dem Boden erlaubt.

Unterdessen ist Robert „Robby“ Richter ein gefragter Mann an der Huey. Der Hubschrauber vom Typ „Bell-UH1 D“ ist zum ersten Mal auf der Altau gelandet. Warum er den Spitznamen „Teppichklopfer“ trägt, wird deutlich, hört man den Sound seiner Rotorblätter – auch bekannt aus dem Antikriegsfilm „Apocalypse Now“ aus dem Jahre 1979. Bis vor drei Jahren ist der Hubschrauber noch für die Bundeswehr geflogen, wurde dann aber von „Robby“ und zwölf anderen Flugbegeisterten ersteigert. Eine Rarität und ein Anziehungspunkt für die Besucher, die nicht nur einen Blick ins Cockpit werfen, sondern sich auch darin fotografieren dürfen. Gern mit Robert Richter, der durch die DMAX-Serie „Steel Buddies“ selbst eine gewisse Bekanntheit erlangt hat. „Die Huey ist Kult“, weiß er. Und das nicht nur als Kriegs-, sondern vor allem als Rettungshubschrauber.

Erschwingliches Vergnügen

Mitfliegen darf man in der historischen Maschine am Wochenende nicht, dafür aber in neueren Hubschraubern, Propellermaschinen, in offenen Doppeldeckern sowie Segelfliegern. Ein Vergnügen, das der Luftsportverein erschwinglich gehalten hat. Ab 50 Euro kostet ein Rundflug über Weinheim. Wer Glück hat, sieht sein Haus dabei von oben. Das ist der flugbegeisterten Irina zwar nicht vergönnt, die Birkenauerin nimmt die Gelegenheit dennoch fast jedes Jahr wahr, in Weinheim abzuheben. „Immer wieder ein tolles Erlebnis“, schwärmt sie.

Während Irina im abgesperrten Sitzbereich auf ihren Flug wartet, greifen die Mitglieder des Modellflugsportvereins Weinheim zu ihren Fernbedienungen und lassen ihre Flieger mit atemberaubender Geschwindigkeit durch die Luft sausen. „Unfassbar“, kommentiert Moderator Martin Pfeffer, der sonst bei Rock FM am Mikro sitzt, die Flugshow. Die fachliche Seite deckt Berufspilot Daniel Müller ab. Pfeffer und Müller haben hoch oben auf dem Turm am Rollfeld einen guten Überblick über das bunte Treiben.

Wer nur zum Schauen gekommen ist, für den sind die historischen Propellermaschinen in Gelb, Rot und Türkis zum Greifen nah. Die Besitzer sind eigens mit ihren Maschinen eingeflogen und freuen sich über das Interesse an ihrem Sport. „Wir wollen zeigen, wie faszinierend und facettenreich der Flugsport ist“, erklärt Nicole Allendorf-Ostwald, auch wenn der Weinheimer Luftsportverein selbst auf den Segelflug spezialisiert ist. Ein Ausbildungsstand informiert über den Weg vom Fußgänger zum Segelflugpiloten.

500 Liter Erbsensuppe

Das Fest ist ein Kraftakt für den Verein – und das bei freiem Eintritt und ohne Parkgebühren. Rund 250 freiwillige Helfer sind das gesamte Wochenende unermüdlich im Einsatz, um den Besuchern den Aufenthalt am Flugplatz zu einem unvergesslichen Erlebnis werden zu lassen. 500 Liter der traditionellen Erbsensuppe brodeln in den Töpfen.

Fast im Minutentakt starten und landen die Flugzeuge. Während am ersten Tag die Sonne brennt, sorgt am Sonntag der Regen für eine kurze Flugpause. Im zurückliegenden Jahr verzeichnete der Weinheimer Luftsportverein fast 700 Starts, in diesem Jahr sind es trotz des Regens ebenso viele.