So schön war das Sommerfest der Weinheimer Flieger
Tausende Besucher kamen an den beiden Tagen zum Sommerfest des Luftsportvereins (LSV) Weinheim auf die Altau. Auch die Modellflug-Piloten begeisterten.
Zu Beginn der Abendsession vernebelt Uwe Schreyer am Samstagabend mit Kunstnebel aus seinem knallroten Doppeldecker beim Start die tief stehende Sonne. Selbst wenn man seine Flugshow schon einmal gesehen hat, stockt einem beim Zuschauen der Atem, sobald er seine Pitts S-2B bei einem Humpty-Bump erst senkrecht in den Himmel schraubt, ehe er sie am Scheitelpunkt in die Tiefe zieht. Beim Sommerfest des Luftsportvereins (LSV) Weinheim ziehen mutige Piloten mit ihren Flugkünsten am strahlendblauen Spätsommerhimmel das Bodenpersonal in ihren Bann, und nach Sonnenuntergang setzt Nicole Allendorf-Ostwald sogar noch einen drauf.
Zauber und Eleganz
Die Kunstflug-Spezialistin hebt pünktlich um 20.12 Uhr in ihrer Pilatus B4 ab. Fast eine Viertelstunde lang wird sie vom Motorsegler hochgezogen, ehe sie auf 1400 Metern Höhe nur noch als kleines, fliegendes Kreuz am dunkelblauen Abendhimmel zu erkennen ist. Dann klinkt sie das Schleppseil aus, die Moderatoren Daniel Müller und Martin Pfeffer lassen vom Sprecherturm aus das Lied „Star Sky“ von „Two Steps from Hell“ anlaufen. Die Musik begleitet den ansonsten lautlosen, spektakulären Dämmerungskunstflug, der die Pilotin Figur für Figur der Erde wieder näherbringt. Unterwegs löst sich immer wieder Feuerwerk von den Tragflächen des in LED-Licht getauchten Gleiters. Zauber und Eleganz vermischen sich bis zur sicheren Landung.
Der Applaus, der Nicole Allendorf-Ostwald empfängt, als sie ihrer Pilatus B4 am Boden wieder entsteigt, wurde am Samstag und Sonntag auch Hardy Klingenmeier und Volker Fischer nach ihren Flugshows zuteil. Fischer schlug mit dem Sternmotor seiner knapp 400 PS starken YAK 52 der Schwerkraft ein Schnippchen. Klingenmeier ließ seine zweieinhalb Tonnen schwere, 600 PS starke T6 tief röhren und hoch droben Kunstfiguren in den Himmel zaubern.
Piloten am Boden
Zwischen den Kunstflug-Darbietungen starten und landen immer wieder verschiedene Propellermaschinen, in denen Besucher des Sommerfestes bei Rundflügen die Bergstraße und den Odenwald von oben genießen. Bei Start- und Landepausen schlägt am Samstagabend auch die große Stunde der Piloten am Boden.
Der LSV bereichert sein Abendprogramm seit einigen Jahren auch durch Vorführungen von Mitgliedern des Modellflugsportvereins (MFSV) Weinheim, der auf dem Nachbargelände ebenfalls Flugspektakel bietet. Besonders spektakulär ist der Auftritt des Rimbachers Marco Dölp und seines Viper Jets, dessen Strahltriebwerke mit 20 Kilo Schubkraft das Flugzeug zu einem Rennwagen der Lüfte werden lassen. Der Modellflugpilot beweist großes Können, wenn er den rasanten, 250 Stundenkilometer schnellen Jet sicher steuert, ihn Kunstflugelemente vollführen lässt und dabei sicher im Zaum hält. Die Moderatoren fragen sich auf dem Turm, ob man dazu nicht einen Flugschein braucht.
Im Gespräch mit den Weinheimer Nachrichten verrät Dölp später, dass er eine Drohnenlizenz braucht. Das Gelände des MFSV ist für den Viper Jet zwar zu klein, aber beim Sommerfest der Modellflieger zeigen rund 30 Piloten Flüge verschiedenster Kategorien und beweisen Reaktionsschnelligkeit und Gefühl an ihren Steuerungsgeräten. Philipp Winkenbach ist seit zehn Jahren Vorsitzender des 105 Mitglieder starken Vereins, der mit Christoph Sartorius sogar einen Deutschen Meister im Hubschrauber-Modellflug stellt. Genau wie der große LSV in unmittelbarer Nachbarschaft ist man auch beim MFSV stolz auf eine gute Jugendarbeit.
Stolz auf Jugendarbeit
„Ein Teil der Einnahmen aus dem Sommerfest fließt in die Nachwuchsarbeit. Wir sind sehr stolz auf unsere Jugendabteilung, die für die Zukunft unseres Vereins so wichtig ist und Heranwachsenden auch persönliche Ziele vermittelt, die sie konsequent verfolgen“, sagt Nicole Allendorf-Ostwald. Generell ist der LSV für die Vereinsarbeit auf die Einnahmen des zweitägigen Festes angewiesen, das seit 1973 Tausende von Besuchern am ersten Septemberwochenende in die Altau zieht, um das Flug- und Unterhaltungsprogramm ohne Eintritt zu genießen. Der zweitägige intensive Flugbetrieb stieß in der Öffentlichkeit zuletzt wegen des Treibstoffverbrauchs auch auf Kritik. Der Kerosinverbrauch an beiden Tagen entspreche in etwa einem Urlaubsflug nach Mallorca und zurück, heißt es seitens der Segelflieger, auf deren Fluggelände es nach dem Sommerfest wieder für ein Jahr ruhiger wird.