Verkehr

Verkehrsminister Al-Wazir kündigt 35 neue Radwegeprojekte an

Hessen will nach den Worten seines Verkehrsministers «kontinuierlich mehr sichere Radwege bauen». Die Lobby der Radfahrer begrüßt zwar die aktuellen Pläne - fordert aber «mehrere Schippen» draufzulegen.

Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/Die Grünen). Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/Die Grünen).

Wiesbaden (dpa/lhe) - In den kommenden beiden Jahren will Hessen 35 weitere Radwege entlang Landes- und Bundesstraßen in seine Planungen aufnehmen. Diese neuen Verbindungen hätten eine Länge von insgesamt 116 Kilometern, teilte Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) am Donnerstag in Wiesbaden mit. Derzeit werde in Hessen an rund 210 Radwegeprojekten an Landes- und Bundesstraßen gearbeitet.

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Die 35 zusätzlichen Strecken seien mit Hilfe einer landesweiten Dringlichkeitsbewertung ausgewählt worden. Neu in die Planung kommen unter anderem ein rund 22 Kilometer langer Abschnitt entlang der Bundesstraße 252 zwischen Lahn und Eder, gut 3 Kilometer im nordhessischen Wolfhagen und mehr als 5 Kilometer nahe Hirschhorn an der Bergstraße.

«Wir müssen kontinuierlich mehr sichere Radwege bauen», bekräftigte Al-Wazir. Von den neuen Radwegeprojekten liegen dem Ministerium zufolge 15 an Bundesstraßen, 20 weitere an Landesstraßen. Bei 15 Projekten gebe es zunächst eine Machbarkeitsstudie, da es sich um dringliche, aber auch komplexe Vorhaben handele. Neben dem Radwegebau des Landes gäbe es viele Projekte in hessischen Kommunen, die das Land ebenfalls mit Geld und Beratung unterstütze, ergänzte der Minister.

Im Jahr 2014 habe der Landesbetrieb Hessen Mobil an 20 Radwegeplanungen an Landes- und Bundesstraßen gearbeitet, inzwischen seien es zehn Mal so viele, sagte Al-Wazir. Im selben Zeitraum hätten sich die jährlichen Investitionen in den Radwegebau an Landesstraßen von 1,7 Millionen Euro (2014) auf inzwischen 17 Millionen Euro (2024) erhöht.

«Diese Steigerung ist absolut notwendig», erklärte Al-Wazir. Ein besser ausgebautes Radnetz sei die Grundlage dafür, dass alle Menschen sicher und bequem auf dem Rad unterwegs sein können - und zwar nicht nur innerorts. Zusätzlich zu den 35 neuen Projekten werde immer dann ein Radweg mit vorgesehen, wenn eine Straße neu- oder in relevanter Weise ausgebaut werde und der Abschnitt bislang für Radfahrende nicht sicher sei.

Der Verkehrsminister verwies darauf, dass sich bei Hessen Mobil inzwischen rund 100 Mitarbeitende ganz oder überwiegend mit der Planung und dem Bau von Radwegen an Bundes- und Landesstraßen befassen. Darüber hinaus gebe es Unterstützung für Kommunen, die sich für ihre Radwegeprojekte um Fördermittel von Bund und Land bemühen.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Hessen begrüßte die Pläne der Landesregierung - forderte aber gleichzeitig mehr Ressourcen und schnellere Planungsverfahren. «Bleibt es beim gegenwärtigen Tempo, würde es noch 300 Jahre dauern, bis auch nur die Hälfte der 7200 Kilometer Landesstraßen in Hessen mit einem Radweg ausgestattet wären», teilte Landesgeschäftsführer Sofrony Riedmann mit.

Über 88 Prozent der Landesstraßen und 85 Prozent der Bundesstraßen seien nicht mit einem Radweg ausgestattet. Hessen gehöre mit diesen Quoten zu den Schlusslichtern unter den Bundesländern, so der ADFC. «Hessens Rückstand ist so groß, dass die künftige Landesregierung hier noch mehrere Schippen drauflegen muss», forderte Riedmann.

Die Realisierung von Radwegen dauere im Durchschnitt fünf bis acht Jahre. «Dies ist deutlich zu lang», gab der ADFC zu bedenken. Im Koalitionsvertrag einer neuen Landesregierung sollte daher die Novellierung des Hessischen Straßengesetzes vereinbart werden - mit der Priorität, die Radwegeplanung deutlich zu beschleunigen.

Minister Al-Wazir verwies darauf, dass es rechtlich bereits jetzt möglich sei, in bestimmten Fällen bei Radwegen an Landesstraßen auf eine Umweltverträglichkeitsprüfung zu verzichten. Er begrüße es auch sehr, dass der Bund im Entwurf des Planungsbeschleunigungsgesetzes ebenfalls Erleichterungen für Radwege an Bundesstraßen plane, ergänzte er. Im Gesetzentwurf sei vorgesehen, dass nur bei Radwegen an Bundesstraßen, die durch ein Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH-Gebiet) führen oder länger als zehn Kilometer sind, eine Umweltverträglichkeitsprüfung benötigt wird.