Gesundheit

Für Protesttag bleiben vielerorts Apotheken geschlossen

Schnell ein Medikament holen, ein Rezept einlösen? Das war am Mittwoch schwierig, viele Apotheken beteiligten sich an bundesweiten Protesten und hatten zu. Patienten zeigten für das Anliegen der Apotheker Verständnis.

Wiesbaden/Frankfurt (dpa/lhe) - Vor einer Apotheke im Frankfurter Hauptbahnhof herrscht Verwirrung: Mehrere Passanten diskutieren vor der geschlossenen Tür. Rentner Klaus Freitag hat Schwierigkeiten herauszufinden, welche Apotheke Notdienst hat. «Wie komm' ich dahin? Ich bin doch Fußgänger, aber ich kann nicht ohne Medikamente bleiben. Die sind für meine Frau», sagt der 79-Jährige. Wie in Frankfurt hatten am Mittwoch vielerorts in Hessen die Apotheken wegen eines bundesweiten Protesttages geschlossen. Die Branche will unter anderem ihrer Forderung nach mehr Honorar Nachdruck verleihen.

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Rentner Klaus Freitag zeigt Verständnis für das Anliegen der Apotheken. Dem pflichtet auch der 37-jährige Passant Wladimir Huwa bei. Es müsse vor allem die Verfügbarkeit der Medikamente besser werden, sagt er. Er sei von den Lieferengpässen betroffen. Der 80 Jahre alte Veljko Krneta erzählt: «Ich bin seit 53 Jahren in Frankfurt und sowas habe ich noch nie erlebt. Ich brauche zehn verschiedene Medikamente.» Er will am Donnerstag wiederkommen, sagt er. Zum Glück habe er noch eine «goldene Reserve» zuhause.

In Wiesbaden kamen mehrere hundert Apothekenbeschäftigte zu einer Kundgebung vor der Staatskanzlei zusammen. Teilnehmer hielten Schilder in die Höhe, auf denen unter anderem zu lesen war: «Stoppt das Apothekensterben», «Sind wir 0% wert?» oder «APOkalypse». Die Apotheken dürften nicht weiter kaputtgespart werden, forderte der Vorsitzende des Hessischen Apothekerverbandes, Holger Seyfarth, unter dem Beifall der Demonstranten.

Die Apothekerverbände hatten einen Zehn-Punkte-Forderungskatalog aufgestellt und verlangen unter anderem eine Anhebung der Honorare für verschreibungspflichtige Arzneimittel von 8,35 Euro auf 12 Euro pro Packung.

Seyfarth kritisierte, die Bundesregierung schaffe es nicht, für stabile Lieferketten etwa bei Fiebersäften zu sorgen. «So geht es nicht weiter», sagte er. Die Apotheken hätten in der Corona-Pandemie über Nacht flächendeckend die Versorgung mit Atemmasken sichergestellt. «Wir haben der Politik den Arsch gerettet», sagte Seyfarth und kündigte weitere Proteste an. «Das heute hier wird nicht eine einmalige Aktion bleiben.»

Die Apotheken bräuchten mehr Personal, wenn sie die Herausforderungen der immer älter werdenden Bevölkerung meistern wollten, argumentierte der Verbandsvorsitzende. Bei einer Erhöhung der Honorare werde ein großer Teil des Geldes in die Bezahlung der Mitarbeiter fließen.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte die Schließungen. Lobbyisten gäben immer wieder vor, für die Patienten zu handeln, sagte Vorstand Eugen Brysch. Dabei sei letztendlich Eigeninteresse die Motivation für solche Aktionen auf Kosten der Patienten. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte Forderungen nach mehr Geld für Apotheken bereits eine Absage erteilt. Mangels zusätzlicher Haushaltsmittel und steigender Beiträge für die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) gebe es die Spielräume dafür im Moment leider nicht.

Die Präsidentin der hessischen Landesapothekerkammer, Ursula Funke, sagte, die Apotheken hätten das einzige funktionierende flächendeckende Notfallsystem im Land. «Wir lieben unseren Beruf», betonte sie. «Aber dafür brauchen wir die wirtschaftliche Basis. Sonst trocknet die Liebe ein.» Die Apotheken täten alles, um ihre Patienten trotz Lieferengpässen mit Medikamenten zu versorgen, sagte Funke. Dies bedeute seit Wochen regelmäßige Überstunden.

Die Warnung der Apotheken vor Lieferengpässen seien von der Politik nicht ernst genommen worden, kritisierte sie. «Wir lösen die Probleme, die wir nicht geschaffen haben.» Das gehe nicht zum Nulltarif.