Audio-Walk zu «NSU 2.0»-Schreiben
Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Monatelang hatten die sogenannten NSU 2.0 Drohschreiben seit August 2018 nicht nur die Adressatinnen und Adressaten beunruhigt, sondern auch die Öffentlichkeit. Denn der Fall warf auch Fragen zur hessischen Polizei auf, nachdem bekannt wurde, dass persönliche Daten der Bedrohten von Polizeirechnern abgerufen worden waren.
Mit dem Audio Walk «Un-sicher» schicken die Regisseurin und Autorin Marie Schwesinger und ihr Co-Autor Jan Deck ihre Zuhörer auf die Spuren eines Skandals. Nachdem die für Donnerstag geplante Premiere wegen des Unwetters abgesagt werden musste, konnten sich Besucher des Kunstprojektes seit Freitagabend auf die etwa zweistündige Tour aufmachen. Weitere Termine sind bis Anfang Juli geplant.
In dem Audio-Walk gehe es auch um die «vielen offenen Fragen, die mich am Ende des Prozesses umgetrieben haben», sagte Schwesinger der Deutschen Presse-Agentur. Der Verfasser von mehr als 80 Drohschreiben mit der Unterschrift «NSU 2.0» war im November vergangenen Jahres zu fast sechs Jahren Haft verurteilt worden.
Im Prozess vor dem Frankfurter Landgericht konnte nicht abschließend geklärt werden, wie der verurteilte Mann an die persönlichen und teils öffentlich nicht zugänglichen Daten der Menschen gelangte, die er häufig rassistisch und frauenverachtend beleidigte und mit dem Tod bedrohte. Zudem stießen die Ermittler bei ihren Untersuchungen der Datenabrufe auf eine Chatgruppe mit rechtsextremen Inhalten im 1. Revier in Frankfurt.
In Interviews kommen während des Audio-Walks auch Betroffene zu Wort, etwa die Frankfurter Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz, die erste Empfängerin der Drohschreiben und die Linken-Vorsitzende Janine Wissler. Den Künstlern geht es mit dem Projekt auch um Fragen wie: Sind Phänomene wie der «NSU 2.0» oder rechtsradikale Chatgruppen nur ein Randphänomen oder sind sie eine Gefährdung der Demokratie? Wie hat sich die Institution Polizei entwickelt - und wie kann sie anders gedacht werden?
Schwesinger befasst sich nicht zum ersten Mal mit Rechtsextremismus und Prozessen, in denen es um rechten Terror geht: Im vergangenen Jahr brachte sie in Frankfurt ihr Stück «Werwolfkommando» auf die Bühne, in dem es um die Prozesse gegen den Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke sowie gegen den wegen Terrorplänen verurteilten Bundeswehroffizier Franco A. ging.