Bandenbetrug

Millionenbetrug: Prozess gegen Bandenmitmitglieder begonnen

Sechs Millionen Euro soll eine Bande ergaunert haben – doch das ist laut Staatsanwaltschaft nur die Spitze des Eisbergs.

Eine Bande soll innerhalb von drei Jahren über sechs Millionen Euro mit Anlagenbetrug erbeutet haben. (Symbolbild) Foto: Monika Skolimowska/dpa
Eine Bande soll innerhalb von drei Jahren über sechs Millionen Euro mit Anlagenbetrug erbeutet haben. (Symbolbild)

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Anlagebetrüger sollen von investitionswilligen Menschen innerhalb von drei Jahren rund sechs Millionen Euro erbeutet haben - nun hat im Frankfurter Landgericht der Prozess gegen fünf mutmaßliche Mitglieder der international agierenden Bande begonnen. Es handle sich bei dem Prozess nur um die «Spitze des Eisbergs», sagte der Staatsanwalt am Rande der Verhandlung. 

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Zudem soll die Bande Verbindungen zur Rockerszene gehabt und mit Drogen sowie Kriegswaffen gehandelt haben. Weitere Ermittlungen laufen, bislang sind nicht alle Mitglieder identifiziert.

Strenge Hierarchie

Die Bande soll streng hierarchisch organisiert gewesen sein. Zu den Rädelsführern gehörten die vier Männer und die Frau im Alter zwischen 29 und 43 Jahren, die nun auf der Anklagebank im Frankfurter Landgericht sitzen, nicht. Sie waren im vergangenen Jahr festgenommen worden und sitzen seitdem in Haft. Konkret wirft ihnen die Staatsanwaltschaft vor, in wechselnder Besetzung 31 Fälle des Anlagenbetrugs mit einem Gesamtschaden von rund 171.000 Euro sowie Drogengeschäfte unter anderem mit Koks und Amphetaminen vorgenommen zu haben. 

Die Masche der Anlagenbetrüger laut Anklage: Zunächst bieten sie auf von Hintermännern in der Türkei erstellten Internetseiten zum Schein Geldanlagen an. Etliche Interessenten melden sich und fordern unverbindliche Informationen an. Daraufhin melden sich angebliche Anlagenberater telefonisch im akzentfreien Deutsch und werben für Investitionen.

Anrufe aus der Türkei

Was die Interessenten nicht wissen: Die Geldanlagen gibt es wohl nicht. Und sie sprechen nicht mit deutschen Anlageberatern, sondern mutmaßlich mit Kriminellen, die in von der Bande betriebenen Callcentern in der Türkei sitzen. Zu den Anrufern aus den Callcentern sollen auch einige der Angeklagten gehört haben. 

Meist überweisen die Anleger nach Vertragsunterzeichnung Beträge im niedrigen fünfstelligen Bereich auf die angegebenen Konten in den Niederlanden, manche von ihnen lassen sich von den mutmaßlichen Betrügern mehrfach von den scheinbaren Geldanlagen überzeugen. 

Kontaktabbruch

Die Betrogenen hätten keine Chance gehabt, ihr Geld jemals zurückzuerhalten, liest der Staatsanwalt aus der Anklage vor. Lediglich zwecks Vertrauensaufbau seien vereinzelt kleinere Beträge seitens der Betrüger zurückgezahlt worden. Ansonsten hätten die Bandenmitglieder bei Zahlungsaufforderungen zunächst mit Ausflüchten reagiert und dann den Kontakt abgebrochen. 

Ein Urteil wird nach derzeitiger Planung im April erwartet.