Schädlinge

Borkenkäferentwicklung in Hessen aktuell noch überschaubar

Experten warnen vor einer neuen Borkenkäferplage in deutschen Wäldern. In Hessen ist die Lage laut Hessen Forst bislang überschaubar. Die Schädlinge haben dem Fichtenbestand bereits so stark zugesetzt, dass keine neue Welle befürchtet wird.

Kassel (dpa/lhe) - In einigen Waldgebieten Deutschlands richtet der Borkenkäfer wieder massive Schäden an. In Hessen ist die Lage laut dem Landesbetrieb Hessen Forst aktuell noch überschaubar. «Die kühle Witterung zu Beginn des Jahres hat die Borkenkäferentwicklung in Hessen verzögert, seit Ende Juni steigen die Befallszahlen wieder», sagte Sprecherin Michelle Sundermann der Deutschen Presse-Agentur in Kassel. «Eine landesweite Welle erwarten wir allein schon aufgrund der zurückgegangenen Fläche an Fichtenbeständen nicht», erläuterte sie. In den verbleibenden Fichten-Gebieten, beispielsweise im Spessart oder Odenwald, bestehe allerdings immer das Risiko einer Massenvermehrung.

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Im hessischen Staatswald sind laut Sundermann in den vergangenen Jahren etwa 39.000 Hektar Schadflächen entstanden - der größte Teil davon waren Fichtenbestände. «Die Ursachen dafür waren die Klimakrise mit Borkenkäfer und Dürre.» Die trockenen und immer wärmeren Sommer begünstigten die Ausbreitung der Schädlinge. Aber auch Extremwettereignisse wie Sturm oder Hagel könnten zu mehr Borkenkäfern führen, da mehr Brutmaterial beispielsweise durch geschädigte Bäume oder liegendes frisches Holz entstehe.

Dem Fichtenbestand setzen zwei Arten zu: Buchdrucker und Kupferstecher. Sie gehören zu den rindenbrütenden Borkenkäfern. Die Tiere bohren sich in die Bäume und legen ihre Eier unter der Rinde ab. Nach dem Schlüpfen ernähren sich die Larven von der Bastschicht des Baums. Diese dünne Schicht unter der Rinde ist aber das lebenswichtige Adersystem des Baums. Darin werden Wasser und Nährstoffe transportiert. Wenn die Schicht zerstört wird, stirbt der Baum.

Bei der Bekämpfung des Borkenkäfers drängt die Zeit. «Akuter Befall wird von uns schnellstmöglich gefällt, aufgearbeitet und aus dem Wald gebracht, gehackt oder geschält», erklärte Sundermann. Um die Wälder langfristig zu schützen, sei es wichtig, dass sie den Klimabedingungen der Zukunft standhielten und durch veränderte Wasserverfügbarkeit und Temperaturen nicht geschwächt würden. «Dazu brauchen wir vor allem standortgerechte Baumarten, die wir in vorhandenen Wälder oder auch auf die Freiflächen pflanzen, und einen an die zukünftigen Bedingungen angepassten Waldbau.»

In Hessen gibt es dem Statistischen Bundesamt zufolge 841 562 Hektar Waldfläche. Das entspricht einem Anteil von 39,9 Prozent an der gesamten Bodenfläche des Bundeslandes.