Eine Woche nach dem Unwetter wird in Hessen aufgeräumt
Das schwere Unwetter in Hessen hat besonders den Norden des Landes und Teile des Main-Taunus-Kreises getroffen. Dort wird auch eine Woche später noch aufgeräumt. Der Bauernverband berichtet von Schäden an Mais, Getreide und Raps.
Kassel/Hattersheim (dpa/lhe) - Nach dem jüngsten Unwetter in Hessen laufen die Aufräumarbeiten weiter auf Hochtouren. Vor allem in Nordhessen und in Teilen des Main-Taunus-Kreises hatten Sturm, Starkregen und Hagel Schäden verursacht. «Das starke Unwetter in der vergangenen Woche hat eine Spur der Verwüstung durch das Kasseler Stadtgebiet gezogen» erklärte etwa ein Sprecher der Stadt Kassel.
Die städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien weiterhin dabei, die Schäden im öffentlichen Raum und an Gebäuden zu dokumentieren und möglichst schnell zu beseitigen, berichtete er. Dennoch werde vereinzelt weiterhin mit Einschränkungen zu rechnen sein, etwa in Kitas, Schulen, Sporthallen und -anlagen sowie auf Spielplätzen.
«Im Bereich der Straßen haben die Mitarbeiter des Bauhofs viele kleinere, aber auch größere Schäden festgestellt, deren Behebung unterschiedlich lange Zeit beansprucht», erläuterte der Sprecher. Die Reinigung der Straßenabläufe von eingespülten Blättern, Kies und Schlamm werde noch die nächsten Monate in Anspruch nehmen. «Die Stadt Kassel verfügt über rund 23.000 Straßenabläufe. Nahezu jeder Ablauf war in der Unwetternacht betroffen.»
Daten des städtischen Eigenbetriebs Kasselwasser zufolge sind am Donnerstag vergangener Woche in 30 Minuten bis zu 50 Millimeter Regen gefallen. «Das sogenannte 100-jährige Ereignis ist definiert mit 45 Millimetern in der Stunde», ordnete der Sprecher ein. «Absolute Spitzenwerte von 20 Millimetern in fünf Minuten konnten abgelesen werden.» In den überfluteten Straßen kamen vielen Autofahrern auch ihre Kennzeichen abhanden. Aktuell warteten noch 23 Stück im Kasseler Fundbüro auf ihre Halter, so der Sprecher.
Auch in Hattersheim am Main im südhessischen Main-Taunus-Kreis hatte das Unwetter gewütet. Besonders betroffen war der Stadtteil Okriftel. «Wir sind derzeit noch am Sammeln der Schäden. Über 50 markante, alte Bäume wurden entwurzelt beziehungsweise große Äste abgerissen. Wir schätzen derzeit, dass über 200 Bäume beschädigt wurden, mindestens 50 wurden gefällt», erläuterte Bürgermeister Klaus Schindling den Stand der Aufräumarbeiten.
Aktuell gebt es noch mehrere gesperrte Bereiche, unter anderem das Okrifteler Wäldchen. «Ich bin sehr erleichtert, dass es keine Personenschäden zu beklagen gibt. Allerdings entstanden vielfältige Sachschäden an Gebäuden, Fahrzeugen, Wegen», so der Rathauschef. Die Aufräumarbeiten würden sich mindestens noch über die nächste Woche erstrecken. Angaben zur Schadenshöhe könnten aktuell noch nicht gemacht werden.
Auch viele Bauern hat das Unwetter hart getroffen. Rund 350 landwirtschaftliche Betriebe in Hessen haben bislang Schäden auf insgesamt 15.000 Hektar gemeldet, wie die Bezirksdirektion Gießen der Versicherung «Vereinigte Hagel» am Mittwoch mitteilte. Das entspricht etwa 21.000 Fußballfelder. Betroffen seien mit 310 Betrieben vor allem Landwirte in Nordhessen, sagte der für Hessen und Thüringen zuständige Bezirksdirektor Jürgen Schuldig-Fritsch. Ein so schweres Schadenereignis habe es in der Region in den vergangenen Jahrzehnten nicht gegeben. «Sehr große Maisbestände haben einen Totalschaden erlitten.»
Der Hessische Bauernverband berichtet ebenfalls von regional starken Hagelschäden im Norden des Landes. «Im Mais wurden die Pflanzen teilweise direkt durch den Hagel zerschlagen», erläuterte eine Sprecherin. Es sei noch nicht klar, inwieweit sich die Bestände erholen könnten. «Mit Sicherheit sind jedoch einige Flächen auch zu stark zerstört, wodurch ein totaler Ertragsausfall folgt.»
In Getreidebeständen sei es ebenfalls zu Hagelschäden gekommen. «Regional wurden zum Teil Körner durch den Hagel aus den Ähren ausgeschlagen. Hier ist auch mit erheblichen Ertragsschäden zu rechnen, wenn vielleicht auch in manchen Beständen nicht vollständig», so die Sprecherin. Beim Raps sei ebenfalls mit Ertragsausfällen zu rechnen. «Zumindest dort, wo Hagel stark vorkam. Es wurden Schoten durch den Hagel abgeschlagen, wodurch sie für die Ernte verloren sind.»
Regional könnten Betriebe dem Verband zufolge teilweise mit 100 Prozent ihrer Ackerfläche betroffen sein. Es seien aber auch Betriebe nur mit einem Teil der Fläche betroffen. Die Versicherung «Vereinigte Hagel» geht aktuell von 6000 beschädigten Äckern landesweit aus, davon allein 5000 in Nordhessen. Insgesamt rechnet die Versicherung laut Schuldig-Fritsch mit einem Schaden in Höhe von fünf bis sechs Millionen Euro.