Rhein-Main

«Masterplan Mobilität» fordert weniger Autoverkehr

Der Ausbau von Radwegen auf Kosten des motorisierten Verkehrs sorgt in Frankfurt für Streit. Einzelhändler fürchten um Umsätze. Das Verkehrsdezernat sieht sich nun von einer großangelegten Bürgerbefragung bestätigt.

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Mehr Förderung für den Rad- und Fußverkehr sowie von Bus und Bahn: Ein neuer «Masterplan» sieht für die Stadt Frankfurt einen weiteren Ausbau umweltfreundlicher Mobilität vor. Die rund 200 Seiten umfassende Leitlinie für die künftige Verkehrspolitik wurde am Mittwoch vorgestellt. Eingeflossen sind die Ergebnisse einer Bürgerbeteiligung. Die Meinung von rund 3000 Menschen wurde eingeholt, die Hälfte davon Kinder und Jugendliche.

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Eines der in dem Plan formulierten Ziele ist, den Anteil der Wege, die zu Fuß, mit dem Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden, bis zum Jahr 2035 auf 80 Prozent zu erhöhen. Den zuletzt verfügbaren Zahlen aus dem Jahr 2018 zufolge waren es damals 67 Prozent. Auch zunehmend längere Wege sowie Wege zur Kita oder Schule sollen mit umweltfreundlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden. In dem Plan enthalten sind zahlreiche weitere Ziele unter anderem zur Barrierefreiheit, Gesundheit, Verkehrssicherheit und Logistik.

Aufgezählt werden elf Schlüsselmaßnahmen, deren Umsetzung als grundlegend bezeichnet wird. Neben dem Ausbau von Hauptachsen für den Radverkehr sowie stadtverträglicher Lieferkonzepte befinden sich darunter die Erhöhung von Parkgebühren, die Ausweisung autoarmer Zonen sowie die Prüfung einer Citymaut. Park-und-Ride-Flächen seien wesentlich für die Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs.

Der Masterplan solle nun im Magistrat beraten und anschließend ins Stadtparlament eingebracht werden, um Verbindlichkeit zu erreichen, sagte Mobilitätsdezernent Stefan Majer (Grüne). Das Dezernat sehe sich in seinem bisherigen Vorgehen bestätigt. Derzeit sorgt der fahrradfreundliche Umbau mehrerer Straßen in der Frankfurter Innenstadt für Kritik bei anliegenden Gewerbetreibenden, die um Umsätze fürchten. Majer verwies unter anderem auf das Ziel der Klimaneutralität bis 2035, auf die sich die Koalition in Frankfurt geeinigt habe. Die Mobilitätswende sei dazu ein notwendiger Schritt.

Sein designierter Nachfolger Wolfgang Siefert (Grüne), der das Dezernat im Juli übernehmen soll, verwies auf Maßnahmen, die die Stadt wegen Zuständigkeit des Bundes nicht allein beschließen könne. Dies gelte auch für eine Citymaut, die die wirksamste Maßnahme zur Steuerung des Verkehrs wäre.

Bei der Erstellung des Plans, die Anfang vergangenen Jahres begann, wurden auch Wirtschafts- und Verkehrsverbände, Wissenschaftler sowie die Verkehrswirtschaft einbezogen. Die Leitlinien sollen den zuletzt im Jahr 2005 erstellten Gesamtverkehrsplan ablösen.