Freispruch in Prozess um Vernachlässigung von Kindern
In einem vermüllten Hotelzimmer werden zwei vernachlässigte Mädchen gefunden. Zumindest der Mutter ist deshalb aber kein strafrechtlicher Vorwurf zu machen, heißt es vor dem Amtsgericht Frankfurt.
Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Mit einem Freispruch für die Mutter ist am Freitag vor dem Amtsgericht Frankfurt der Prozess um die Vernachlässigung zweier Mädchen zu Ende gegangen. Der 23-Jährigen könne es rechtlich nicht angelastet werden, dass ihre drei und fünf Jahre alten Töchter im Januar 2022 aus einem vermüllten Hotelzimmer im Frankfurter Bahnhofsviertel geholt und in Obhut des Jugendamtes gegeben werden mussten. Das Gebiss des älteren Mädchens wies starke Schäden durch Karies auf. Im Zimmer und in den Haaren der Kinder wurden Rückstände von Rauschgift und Amphetaminen festgestellt.
Vor Gericht stellte sich heraus, dass die Kinder längere Zeit von ihrem Großvater in dem Hotel untergebracht worden waren. Die Mutter habe von den Zuständen dort laut Urteil keine Kenntnis gehabt. Sie habe die Kinder in diesem Zeitraum nur ein Mal kurz gesehen, sagte der Großvater, der am Freitag als Zeuge vor Gericht auftrat. Eine ärztliche Sachverständige bestätigte zudem die Aussage der Angeklagten, wonach in ihrer Heimat Milchzähne kleiner Kinder grundsätzlich keiner zahnärztlichen Behandlung unterzogen werden.
Ursprünglich war auch der 28 Jahre alte Vater der Kinder mitangeklagt - das Verfahren musste jedoch abgetrennt werden, weil der Mann laut Gericht derzeit offenbar unauffindbar ist. Das Urteil ist bereits rechtskräftig. Auch die Staatsanwaltschaft hatte einen Freispruch beantragt.