«Dads do Hair» in Frankfurt

Haarige Angelegenheit – Papas flechten Zöpfe beim Bier

Haargummis, Zöpfe und Stammtisch-Atmosphäre: Papas verlassen in Frankfurt ihre Komfortzone, um ihre Töchter mit neuen Frisuren zu überraschen. Und sind dabei besser als die Münchner Väter.

Der Frankfurter Workshop ist bereits der Siebte, den Anita Erdmann austrägt. Foto: Jennifer Brückner/dpa
Der Frankfurter Workshop ist bereits der Siebte, den Anita Erdmann austrägt.

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Auf dem Tisch liegen Bürsten, Stielkamm, Clips, Haargummis – und Biergläser. Dazwischen sitzen Väter und versuchen, einer Frisierpuppe einen Pferdeschwanz zu verpassen. «Dads do hair» heißt der Kurs von Anita Erdmann, in dem Papas lernen, die Haare ihrer Kinder zu bändigen. Die gelernte Friseurin versucht an diesen Abenden aufzubrechen, was in vielen Familien noch Alltag sein dürfte – dass Frauen sich um die Frisuren ihrer Kinder kümmern.

15 Männer haben sich in einem Frankfurter Restaurant den blonden und brünetten Frisierpuppen gestellt. Der Frankfurter Workshop ist bereits der Siebte, den Erdmann austrägt. Angefangen habe alles in ihrer Heimatstadt München. Inzwischen bekomme sie Anfragen aus ganz Deutschland. «Es sind wirklich hauptsächlich die Papas, die sich melden», sagt die gelernte Friseurin. Und die nehmen die Sache offenbar ziemlich ernst. Zunächst habe Erdmann vermutet, viele kämen vor allem wegen eines entspannten Abends mit Kumpels, Bier und Stammtischatmosphäre. Doch dann sei sie überrascht gewesen: «Die nehmen das todernst. Das ist echt krass.»

Nicht nur Väter flechten Haare

Viele Teilnehmer wurden von ihren Frauen für den Kurs angemeldet. Ali, 42, hat eine fünfjährige Tochter. Seine Frau habe ihm vorgeschlagen: «Wär doch was Cooles, wenn du das machst.» Also macht er es. Einen Kollegen hat er gleich mitgebracht. Marius, 36, aus Frankfurt, ist über eine online Vätergruppe auf den Kurs gestoßen. Seine zweieinhalbjährige Tochter hat bereits «sehr viel Haar». Sein Ziel ist entsprechend praktisch: «Keine Frisur, die nach zehn Stunden Tragen einen Knoten macht und nicht mehr rausgeht.»

Newsletter

Holen Sie sich den WNOZ-Newsletter und verpassen Sie keine Nachrichten aus Ihrer Region und aller Welt.

Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

Chris, 46, ist extra aus Aschaffenburg angereist. Er hat zwei Söhne – besucht den Kurs allerdings nicht für seine Kinder. Gemeinsam mit seiner Frau gehe er oft auf Festivals. Sie würde dort gerne geflochtene Zöpfe tragen, erzählt Chris. «Jedes Mal findet sie da niemanden, der die Zöpfe macht.» Er habe es schon ein paar Mal versucht. «Aber das klappt nur so halbwegs.» Deshalb wolle er das jetzt richtig lernen.

Vom Pferdeschwanz zum Endgegner

Der Schwierigkeitsgrad steigt im Laufe des Abends. Erdmann startet mit dem Bürsten. Dann folgt der Pferdeschwanz mit bunten Haargummis. Danach wird es anspruchsvoller. Space Buns, also zwei Dutts hoch am Kopf, oder spezielle Bubble Braids und verschiedene Flechtfrisuren stehen auf dem Programm. «Jeder, der rausgeht, muss flechten können. Das ist absolute Pflicht», sagt Erdmann. Damit die Männer nicht den Überblick verlieren, spricht Erdmann schon mal in ihrer Sprache: «Beim Abteilen da starten, wo die Geheimratsecken wären.»

Space Buns, also zwei Dutts hoch am Kopf, spezielle Bubble Braids und verschiedene Flechtfrisuren stehen auf dem Programm. Foto: Jennifer Brückner/dpa
Space Buns, also zwei Dutts hoch am Kopf, spezielle Bubble Braids und verschiedene Flechtfrisuren stehen auf dem Programm.

Eine besondere Herausforderung ist eine Frisur aus dem Netflix-Animationsfilm «KPop Demon Hunters» von 2025. Für Erdmann ist der Look der «Endgegner» ihres Kurses – bei Kindern sei sie dagegen gerade besonders angesagt. Deshalb stehe sie nun auch bei den Vätern auf dem Übungsplan.

Mehr als nur Haare

Das «Dads do hair»-Konzept entdeckte Erdmann auf Instagram von Leuten aus Großbritannien. «Mein Gott, das ist so eine schöne Idee», dachte sie. «Man findet nichts Negatives dran.» Kurz darauf beschloss sie, das Angebot auch in München zu starten. Für Erdmann geht es dabei um mehr als Pferdeschwänze und Zöpfe: Die Väter lernen eine praktische Fähigkeit, kommen miteinander ins Gespräch und entlasten zugleich die Mütter.

Wenn sie gerade nicht für den nächsten Vaterkurs gebraucht werden, landen die Puppen im Keller eines Restaurants. Foto: Jennifer Brückner/dpa
Wenn sie gerade nicht für den nächsten Vaterkurs gebraucht werden, landen die Puppen im Keller eines Restaurants.

Die Nachfrage nach weiteren Veranstaltungen ist groß. 17 weitere Kurse bis Oktober hat die Hair- und Make-up-Artistin inzwischen geplant – in München, Darmstadt und vielleicht bald in vielen weiteren Städten. Dafür reisen auch die Frisierpuppen mit. Erdmann schleppt sie in schwarzen Säcken durch die Bundesrepublik. Wenn sie gerade nicht für den nächsten Vaterkurs gebraucht werden, landen die Puppen im Keller eines Restaurants. Dort gibt es für sie eine dunkle Kammer, «und dort sperre ich sie wieder ein», sagt Erdmann.

Und wie schlägt sich Frankfurt im Vergleich zu München? Erdmann hat eine klare Meinung: «Abteilen könnt ihr besser als die Münchner.» Ob die Männer in Frankfurt tatsächlich verstanden haben, was genau sie damit besser gemacht haben?