Deutscher Tischtennis-Star

«Hass ist keine Meinung»: Kaufmann fordert Internet-Regeln

Immer mehr Sportlerinnen und Sportler klagen über Hass-Botschaften im Internet. Tischtennis-Star Annett Kaufmann erhielt dort sogar schon Morddrohungen. Jetzt reicht es ihr.

Der deutsche Tischtennis-Star Annett Kaufmann spielt zurzeit stark auf. (Archivbild) Foto: Liu Xu/XinHua/dpa
Der deutsche Tischtennis-Star Annett Kaufmann spielt zurzeit stark auf. (Archivbild)

Frankfurt/Main (dpa) - Annett Kaufmann in der realen Welt: Dieses Phänomen ist in dieser Woche wieder in Frankfurt am Main zu beobachten. Dort läuft gerade das einzige internationale Top-Tischtennis-Turnier in Deutschland. Und die 20 Jahre Vize-Europameisterin ist eine der Hauptgründe, warum die Zuschauer in die Halle kommen.

Das Publikum feuert sie an. Die Autogrammjäger bilden eine Schlange nach dem Spiel. Und selbst, dass ein chinesischer Fan sie mit einigem Gehampel und Gebrüll aus dem Konzept zu bringen versucht, geht mit etwas Wohlwollen noch als Zeichen des Respekts durch. Denn niemand wird in China und Japan als größere sportliche Bedrohung wahrgenommen als die erste Junioren-Weltmeisterin Europas. Und niemand verschafft dem deutschen Tischtennis zurzeit mehr Aufmerksamkeit als sie.

Annett Kaufmann in der digitalen Welt: Das gibt es aber auch noch. Und da berichtet sie wie immer mehr Sportlerinnen und Sportler von einer Verrohung, die sich in Kommentarspalten und Direktnachrichten zwischen den vielen Zuspruch mischt.

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«Wörter haben eine Macht»

Hassbotschaften. Sexistische Kommentare. Im März machte Kaufmann öffentlich, dass sie sogar schon Morddrohungen in den sozialen Medien erhalten habe. Beim WTT Champions in Frankfurt fordert sie deshalb vor ihrem Achtelfinale am Freitag, Internet-Plattformen stärker zu regulieren.

«Ich finde: Hass ist keine Meinung», sagt Kaufmann. «Wenn ich Kommentare über andere Spielerinnen und Sportler lese, dann habe ich manchmal Angst. Weil das viel zu sehr normalisiert worden ist.» Und weil auch «Wörter eine Macht haben. Das bleibt im Kopf stecken wie ein Samen, den man eingepflanzt hat.»

Ihr dringender Appell: «Dass es bei Social Media strengere Richtlinien gibt. Dass man das verschärft. Es kann nicht sein, dass ich einen Account erstellen und einfach jemandem Morddrohungen schicken kann.»

Beispiele Lys und Duda

Die Tennisspielerin Eva Lys sieht das genauso. «Der Hass kommt nach jedem Match. Bei jeder. Jede kann dazu Bücher schreiben», sagte die 24-Jährige der «Süddeutschen Zeitung».

Auch Kaufmanns Tischtennis-Kollege Benedikt Duda berichtete schon über Bedrohungen bei Instagram («Ich töte deine Familie»). Die kamen primär von Nutzern, die vorher Geld auf seine Spiele gewettet hatten. Seitdem beschäftigt der 32-Jährige eine Social-Media-Managerin, die seinen Account überprüft.

Kaufmann löst das anders. Die 20-Jährige ist schlagfertig, offensiv, direkt. Was einer der Hauptgründe für ihre Popularität ist, leitet sie auch im Umgang mit Internet-Kommentaren. Hass prangert sie an. Kritik prallt an ihr ab.

Kaufmanns Rat: «Guck halt Schach»

Ein Beispiel ist ihre Emotionalität: der laute Aufschrei nach fast jedem Punktgewinn, «das Feuer innendrin» (Kaufmann). «Unter jedem YouTube-Video finde ich mindestens einen Kommentar dazu», sagt sie. «Im Tischtennis wird man dafür oft kritisiert. Aber zum Beispiel im Volleyball schreien sie die ganze Halle zusammen», erzählt Kaufmann. «Denen, die das stört, sage ich immer: "Guck halt Schach." Dieses Emotionale: Das bin ich. Das sind Papas Gene.»

Ihr Vater Andrej Kaufmann war Eishockey-Profi. Ihr Freund Fabian Anton spielt in der Volleyball-Bundesliga für die Barock Volleys MTV Ludwigsburg.

Gerade im Social-Media-Zeitalter ist Kaufmanns offene Art für ihren Sport auch ein Geschenk. In Frankfurt beginnt ein Video-Interview des Turnier-Veranstalters WTT mit einem Lachanfall. Und den kurzen Aufsager, der Fans zum Kauf von Tickets animieren soll, beherrscht sie auch perfekt. Erst liefert Kaufmann eine klassische Version. Gleich hinterher bietet sie im Scherz noch eine Botschaft an das junge Publikum an («Ey Digga, komm Halle!»).

«Sie ist, wie sie ist», sagt Wolfgang Dörner, der Vorstandsvorsitzende des deutschen Tischtennis-Verbands DTTB. «Davon profitieren wir als Sportart sehr.»