Hausverwalter muss wegen Untreue in Haft
Mit gefälschten Kontoauszügen und erfundenen Rechnungsnummern trickste der Hausverwalter mehr als 50 Eigentümer jahrelang aus. Bis das Betrugssystem ans Licht kam.
Neu-Anspach/Frankfurt (dpa/lhe) - Ein ehemaliger Hausverwalter ist vom Frankfurter Landgericht wegen Untreue zu einer Haftstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt worden. Der 46-Jährige habe mit hoher kriminellen Energie gehandelt, sagte der Vorsitzende Richter der Großen Wirtschaftsstrafkammer. Bei der Vertuschung seiner Taten sei er «durchaus kreativ» gewesen. Innerhalb von fünf Jahren hatte der Mann mindestens 730.000 Euro unter anderem von den Inhabern von Eigentumswohnungen veruntreut. Er hatte im Gericht die Taten gestanden und als Motiv «Gier» angegeben.
Mit dem Urteil folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Rechtsanwalt hatte für eine Haftdauer unter vier Jahren plädiert. Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht, der Angeklagte kann Revision einlegen.
Erfundene Rechnungsnummern
Mit seinem in Neu-Anspach im Hochtaunuskreis ansässigen Unternehmen hatte er über 50 Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) und Einzel-Grundbesitzer betreut, vor allem in Frankfurt und im Hochtaunuskreis. Mit erfundenen Rechnungsnummern überwies er spätestens ab dem Jahr 2021 von den Verwalterkonten der WEG insgesamt knapp 400 Mal immer wieder Beträge auf sein Privatkonto.
Der Mann gab im Gericht zudem zu, auf den Konten seiner Kunden «immer wieder Löcher gestopft» zu haben, die durch seine illegalen Überweisungen an sich selbst entstanden seien. Wenn etwa für eine WEG eine Handwerkerrechnung in Höhe von 2.000 Euro fällig gewesen sei, habe er das Geld von dem Konto einer anderen WEG überwiesen. Für die jährlichen Kassenprüfungen habe er Kontoauszüge «bearbeitet» und für die Eigentümerversammlungen «Unterlagen aufgearbeitet». Zudem habe er Prüfungstermine mit seinen Kunden mit Ausreden immer wieder verschoben.
Festnahme im Frühjahr
Ende 2025 erstattete der erste Inhaber einer Eigentumswohnung Strafanzeige gegen ihn, weitere folgten. Im Frühjahr 2026 wurde der Mann festgenommen, seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Sein Vermögen wurde eingefroren, es könnte laut Richter bei einem rechtskräftigen Urteil an die Betroffenen ausgezahlt werden.