Erleichterung und Tränen: Sonderflug aus Israel gelandet
Tränen, Erleichterung, Umarmungen: Die ersten mit Sonderflügen aus Israel evakuierten deutschen Staatsangehörigen sind am Donnerstagabend in Frankfurt gelandet. Bei aller Erleichterung sind viele in Gedanken bei Freunden in Israel.
Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Eigentlich will Ariana nicht weinen. Doch als sie dann ihrem Freund Arthur gegenübersteht, wird die junge Frau von Gefühlen überwältigt, streicht ihm immer wieder über das Gesicht und die lockigen Haare, schluchzt erleichtert. Hinter ihr und Arthurs Mutter Andrea Maassen liegen Tage voller Angst und des Gefühls von Ohnmacht und Hilflosigkeit.
«Es ist schön, wieder hier zu sein, auch wenn nur Männer mit deutscher Passnummer die Hotline bekommen», sagt der junge Mann, der erst vor fünf Wochen sein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Pflegeheim in Jerusalem begonnen hatte. Viereinhalb Stunden in der Warteschleife seien nötig gewesen, um das Flugticket zu bekommen. Von den Auswirkungen des Konflikts habe er nicht viel zu spüren bekommen. «Einmal ist eine Rakete auf dem Weg zum Bunker explodiert. Dann waren da die Kampfjets, die auf dem Weg nach Gaza über uns geflogen sind - aber das war's auch schon.»
Mit einem lauten Aufschrei «Papa, Papa!» umklammert die kleine Tochter von Marco Rocco die Beine ihres Vaters. Die ganze Familie ist gekommen, um ihn und seinen Bruder von einer Pilgerreise ins Heilige Land abzuholen, die ganz anders endete als gedacht.
«Eine Frau in der Reihe vor mir fragte, sind wir jetzt außer Raketenreichweite», erzählt er über den Rückflug. Er sei «total erleichtert», wieder in Deutschland zu sein. «Ich hoffe, die Sirenen höre ich lange nicht mehr.» Er habe keine Angst um sein Leben gehabt, «aber es waren 70, 80 Angriffe, das zehrt schon an den Nerven».
Ein älteres Paar ist mit einem Teddy zum Flughafen gekommen, um seine Enkeltochter abzuholen. «Ich zittere noch innerlich», sagt die Frau, mehr will sie nicht erzählen. «Es ist alles zu viel für uns, wir können einfach nicht reden.»
Ein deutscher Student ist erleichtert, in Sicherheit zu sein, wirkte aber bedrückt beim Gedanken an seine beiden israelischen Mitbewohnerinnen in Tel Aviv. Er sei in Sicherheit aufgrund des Privilegs eines deutschen Passes, meint er nachdenklich. Eine seiner besten Freundinnen sei zum Militär eingezogen worden und irgendwo im Süden Israels. «Ich weiß, ich werde in den nächsten Tagen immer wieder die Listen mit den Namen der Gefallenen im Internet durchsuchen», sagt er über die Angst um israelische Freunde.
Viele Rückkehrer wollen nicht reden. Vor allem diejenigen, die Familienangehörige oder Partner ohne deutschen Pass in Israel zurücklassen mussten, sind bedrückt. Auch diejenigen, die sie in Empfang nehmen, sind bei aller Erleichterung weiterhin voller Sorge um die Lage im Nahen Osten. «Ich kann meinen Sohn in die Arme schließen», schildert eine Frau den Zwiespalt der Gefühle. «Aber der Krieg dauert an.»