Bildung

Für mehr Qualität in Kitas: Land bekommt 470 Millionen

Zu wenig Plätze, zu wenig Fachkräfte, zu viele Kinder, die nicht richtig Deutsch sprechen: Kitas stehen seit Jahren unter Druck. Mit Geldern vom Bund will das Land nun die Leitungen entlasten und für mehr Sprachförderung sorgen. Das reicht nicht, sagen Kritiker.

Eine Erzieherin geht mit zwei Kindern über den Flur einer Kita. Foto: Jan-Philipp Strobel/dpa/Symbolbild
Eine Erzieherin geht mit zwei Kindern über den Flur einer Kita.

Stuttgart (dpa/lsw) - Geldsegen aus Berlin: Das Land bekommt in diesem und im kommenden Jahr knapp 500 Millionen Euro vom Bund für die Verbesserung der Qualität in Kindertageseinrichtungen. Einen entsprechenden Vertrag zur Umsetzung des Kita-Qualitätsgesetzes unterzeichneten Ekin Deligöz (Grüne), Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium, und Volker Schebesta (CDU), Staatssekretär im Kultusministerium, am Freitag in einer Kita in Stuttgart.

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Das Geld soll vor allem dafür eingesetzt werden, Kitaleitungen mehr Zeit für ihre Leitungsaufgaben zu ermöglichen. Gut zwei Drittel der Summe seien dafür vorgesehen, sagte Schebesta. Man schaffe damit in jeder Einrichtung mindestens sechs Stunden pädagogische Leitungszeit pro Woche. «Wir sind davon überzeugt, dass die Leitungen und ihr Team die Stellschraube für die Weiterentwicklung der Qualität sind.»

Zudem will das Land in die Sprachförderung von Kindern investieren. So sollen mit den Bundesmitteln die Sprachkitas in Baden-Württemberg weiter finanziert werden, in denen zusätzliche Fachkräfte die sprachliche Entwicklung der Kinder fördern. Außerdem soll es ein neues Sprachscreening in den Kitas geben, sagte Schebesta. Damit wolle man schon vor dem Eintritt in die Schule das Sprachniveau feststellen - und den Kindern und Eltern bei Bedarf entsprechende Förderangebote unterbreiten.

Die Investitionen in die Qualität der Kitas sei auch mit Blick auf den massiven Fachkräftemangel eine sinnvolle Entscheidung, sagte Stuttgarts Bildungsbürgermeisterin Isabel Fezer (FDP). «Die Erzieherinnen und Erzieher sind daran interessiert, ihren Job so gut wie möglich zu machen. Bessere Rahmenbedingungen halten die Fachkräfte in den Kitas», so Fezer.

Kritik kam von der Opposition und von Verbänden. Die SPD forderte mehr finanzielles Engagement des Landes, es reiche nicht immer nur auf Berlin zu zeigen und die Hand aufzuhalten, sagte Daniel Born, Sprecher für frühkindliche Bildung der Landtagsfraktion. «Bildung ist Ländersache und für die frühkindliche Bildung müssen endlich ausreichend finanzielle Mittel bereitgestellt werden.»

Der Verband Unternehmer Baden-Württemberg betonte die Notwendigkeit weiterer Investitionen in die Kinderbetreuung. «Ob die Fachkräftesicherung in Zeiten des demografischen Wandels gelingt, wird unter anderem von einer leistungsfähigen Infrastruktur zur Kinderbetreuung und einer funktionierenden Frühförderung abhängen», sagte der Geschäftsführer für Politik, Bildung und Arbeitsmarkt, Stefan Küpper. Die Einschränkung von Betreuungszeiten sei heute schon eine große Herausforderung. «Eltern wird oftmals die Option auf eine vollzeitnahe Beschäftigung genommen und die Anwerbung qualifizierter ausländischer Fachkräfte mit Kindern wird dadurch deutlich erschwert», so Küpper.

Die Bildungsgewerkschaft GEW lobte die Investitionen, forderte aber Landesregierung und Kita-Träger zu einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen auf. «Wir brauchen deutlich mehr junge Menschen, die sich für pädagogische Berufe entscheiden», sagte die Landesvorsitzende Monika Stein. Die Arbeitgeber sollten aus Sicht der Gewerkschaft die Gruppen verkleinern statt vergrößern und mehr Vor- und Nachbereitungszeit anbieten.