Messeunternehmen verteidigt Hallen-Vermietung
Die Ausschreitungen rund um das Eritrea-Festival hatten auch für Kritik an der Messe Gießen als Vermieterin der Veranstaltungshallen gesorgt. Deren Geschäftsführer verteidigt das Vorgehen. Man müsse «diskriminierungsfrei» vermieten.
Gießen (dpa/lhe) - Nach den gewaltsamen Ausschreitungen am Rande des umstrittenen Eritrea-Festivals hat die Gießener Messegesellschaft die Vermietung der Hessenhallen an den Veranstalter verteidigt. Die Polizei habe bereits «vor wenigen Monaten» mitgeteilt, dass gegen das Festival gerichtete Gewaltaufrufe im Netz kursierten, erklärte Geschäftsführer Roland Zwerenz am Freitag in einer als Interview verfassten Stellungnahme. «Wir waren alle gewarnt.» Dennoch habe der Veranstalter das Festival durchführen wollen und «frühzeitig mit der Stadt, den Sicherheitsbehörden und auf Wunsch der Stadt unter unserer Mitwirkung die zu erbringenden Sicherheitsmaßnahmen auf dem Messegelände» abgestimmt.
Bereits viele Tage vor dem Festival sei die Polizei mit den Vorbereitungen beschäftigt gewesen. «Dann kam das überraschende Verbot der Veranstaltung durch die Stadt, in den Vorgesprächen hatte sie diese Möglichkeit mit keinem Wort angedeutet», so Zwerenz.
Zuvor hatte Gießens Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher (SPD) erklärt, er habe Zwerenz gegenüber die Erwartung geäußert, dass die Hallen nicht für das Festival zur Verfügung gestellt werden sollten. Es habe dazu Telefonate und persönliche Gespräche gegeben, das letzte im Mai dieses Jahres, so Becher vor einigen Tagen.
Zwerenz erklärte, die Besucher des Festivals seien «überwiegend bereits seit inzwischen weit über 30 Jahren in Deutschland lebende Eritreer, die vor dem Bürgerkrieg in Äthiopien geflohen sind». Das Regime in Eritrea sei «keinesfalls unterstützenswert». Bei Mietanfragen forsche man nicht im Einzelnen nach. «Das ist Aufgabe der Behörden, die von uns über die geplanten Veranstaltungen informiert werden. Falls etwas vorliegt, melden die sich bei uns, und wir arbeiten zusammen», so Zwerenz. Man müsse «diskriminierungsfrei» vermieten und führe «keine moralische Beurteilung» durch.
Gegner des umstrittenen Festivals hatten am Samstag Beamte mit Steinen und Flaschen beworfen, Rauchbomben gezündet und Absperrungen durchbrochen bei dem Versuch, auf das Festivalgelände zu gelangen. Bei den Ausschreitungen wurden 26 Polizistinnen und Polizisten verletzt.
Veranstalter war der Zentralrat der Eritreer in Deutschland, der wegen seiner Nähe zu dem Regime des Landes am Horn von Afrika als umstritten gilt. Menschenrechtsorganisationen werfen der eritreischen Regierung die Verletzung von Grundrechten vor. Die Störer waren den Regimegegnern zugerechnet worden. Die Stadt Gießen hatte das Festival zunächst wegen Sicherheitsbedenken verboten, dies wurde vom Gießener Verwaltungsgericht gekippt. Danach bestätigte der Hessische Verwaltungsgerichtshof die erstinstanzliche Entscheidung.