Hessen setzt auf Erfahrungen von Betroffenen
Flächendeckende Schutzkonzepte, Kinder-Online-Wache, Betroffenenrat: Ein reformierter Aktionsplan bietet viele Empfehlungen, wie Kinder in Hessen künftig besser vor sexueller Gewalt bewahrt werden können. Minister Klose stellte am Dienstag in Wiesbaden das Papier vor.
Wiesbaden (dpa/lhe) - Die Erfahrungen von Opfern sexuellen Missbrauchs sollen beim hessischen Kinderschutz künftig stärker berücksichtigt werden. Ein überarbeiteter Landesaktionsplan empfehle die Gründung eines Landesbetroffenenrates, sagte Sozialminister Kai Klose (Grüne) am Dienstag in Wiesbaden. Betroffene könnten beispielsweise Täterstrategien beschreiben und somit auf mögliche Lücken bei Schutzkonzepten aufmerksam machen. Ihre Erfahrungen mit Opferentschädigungen seien zudem wichtig, um nachzubessern, wenn die Wege zu kompliziert seien, sagte Klose.
Der Landesaktionsplan zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt aus dem Jahr 2012 war in den zurückliegenden Monaten neu aufgesetzt worden. Mitgewirkt haben dabei neben Betroffenen knapp 130 Expertinnen und Experten, die im Kinderschutz tätig sind, wie der Minister erläuterte. Im Ergebnis umfasse der Plan 38 Handlungsvorschläge und Maßnahmenempfehlungen. Er sei die «politische Richtschnur» für einen besseren Kinderschutz in Hessen, betonte Klose.
Empfohlen würden unter anderem Schutzkonzepte für alle Institutionen, bei denen Erwachsene mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Dabei gehe es unter anderem darum, dass sich die Einrichtungen mit der Möglichkeit eines Missbrauchs auseinandersetzten. Ein Schutzkonzept umfasst etwa einen Verhaltenskodex, Fortbildungen und Notfallmanagement.
Der Minister verwies darauf, dass solche Konzepte für Kitas bereits verpflichtend und seit diesem Jahr mit einer Reform des hessischen Schulgesetzes auch für Grundschulen vorgesehen seien. Mit dem Landesaktionsplan werde nun an alle privatrechtlichen Organisationen appelliert, ebenfalls Schutzkonzepte aufzustellen, sagte Klose. Dazu zählen unter anderem kommerzielle Freizeit- und Nachhilfeangebote, Vereine oder Einrichtungen des Gesundheitswesens.
Der Landesaktionsplan sieht darüber hinaus vor, dass eine Kinder-Online-Wache eingerichtet wird, um sexualisierter Gewalt in digitalen Medien besser entgegentreten zu können. Wie Klose erläuterte, soll es dem Vorschlag zufolge unter anderem niedrigschwellige Meldemöglichkeiten geben, wenn Kinder und Jugendliche in Sozialen Medien oder Onlinespielen von mutmaßlichen Tätern kontaktiert werden. Außerdem könnten Polizeibeamte auf digitalen Streifengängen unterwegs sein.