Mit Pomp und Gloria: Hanau sagt OB Kaminsky Tschüss
Tatütata und ein Großer Zapfenstreich zum Ruhestand. Welche Überraschung es für den Hanauer Rathaus-Chef am letzten Arbeitstag gab - und warum eine kurze Hose dafür unpassend war.
Hanau (dpa/lhe) - Brennende Fackeln, Fanfaren, Grönemeyer-Songs - und am Ende die Nationalhymne: So endete der letzte Arbeitstag von Claus Kaminsky als Hanauer Oberbürgermeister - und damit ganz anders geplant. Statt eines gemütlichen Feierabends in kurzen Hosen gab es für den 66-Jährigen am Mittwochabend eine Überraschung, die er so schnell nicht vergessen dürfte: Mit einem Großen Zapfenstreich besonderer Art verabschiedete sich Hanau von seinem langjährigen Stadtoberhaupt.
Kaminsky wusste von alledem nichts. Als am Abend plötzlich mehrere Feuerwehrfahrzeuge vor seinem Haus standen, um ihn abzuholen, bekam er nach eigenen Worten zunächst «einen Riesenschrecken». Sein erster Gedanke: Irgendwo in der Nachbarschaft brennt es. Dann wurde ihm klar, dass die Feuerwehr nicht wegen eines Einsatzes gekommen war - sondern seinetwegen.
Raus aus den Shorts, rein in den Anzug
Also hieß es: raus aus den bequemen kurzen Hosen und hinein in den Anzug. «Ich hatte gerade zu Hause gesagt: Vor Weihnachten ziehe ich keinen Anzug mehr an.» Für diesen Abend machte Kaminsky dann doch eine Ausnahme.
Mit Blaulicht und lautem Tatütata wurde der Noch-OB zum Marktplatz gebracht. Dort warteten mehrere hundert Menschen in der «Guud Stubb» der Stadt. Ganz geheim war die Sache offenbar nicht geblieben - bei einigen hatte sich herumgesprochen, dass an diesem Abend etwas Besonderes bevorstand.
Als die Dutzenden Feuerwehr- und Spielleute schließlich zu den Klängen des Yorckschen Marsches mit Fackeln auf dem Marktplatz Aufstellung nahmen, wurde aus der Überraschung ein hochemotionaler Abschied. Und weil Kaminsky ein Herbert Grönemeyer-Fan ist, gab es auch ein Medley mit Liedern des Musikers. Dass ihm das gefallen würde, wussten die Köpfe hinter dem Geheimplan - auch ohne Kaminsky nach einem Musikwunsch fragen zu müssen.
«Ich bin im Moment, wie sagt man auf Neudeutsch, geflasht. Sehr ergriffen», sagte Kaminsky danach. «Ein größeres Geschenk hätte man mir nicht machen können.»
Geheimproben im Feuerwehrhaus
Wochenlang hatte die Hanauer Feuerwehr die Zeremonie im Verborgenen vorbereitet. Kapellen aus allen Stadtteilen trafen sich zu geheimen Proben im Feuerwehrhaus. Hinter dem Überraschungsmanöver steckt Stadträtin Isabelle Hemsley (CDU), die im Magistrat auch für die Feuerwehr zuständig ist. Die Idee, Kaminsky auf diese besondere Weise in den selbstgewählten Ruhestand zu verabschieden, habe sie schon seit Monaten beschäftigt. Im April begann gemeinsam mit der Feuerwehr die Umsetzung.
Für Kaminsky endete damit seine 23 Jahre dauernde Amtszeit in der Geburtsstadt der Brüder Grimm. Der 66-Jährige war Hessens dienstältester Oberbürgermeister. Die Kreisfreiheit, der Umbau der Innenstadt, die Konversion ehemaliger Militärflächen und die Folgen des rassistischen Anschlags von 2020 prägten seine Amtszeit.
Nun ist im Hanauer Rathaus eine neue Generation am Zug: Die 36-jährige Bürgermeisterin Isabelle Hemsley bildet gemeinsam mit dem ebenso alten Oberbürgermeister Maximilian Bieri (SPD) das neue Führungsduo der Stadt.
Kaminsky dagegen darf nun tatsächlich Feierabend machen. Und das auch in kurzen Hosen.