Bildungsdebatte

Zukunft des Schulfachs Digitale Welt gerät in die Kritik

Weniger Geld, weniger Stellen: Schwarz-Rot kürzt beim Schulfach Digitale Welt und verlagert das Angebot in den Ganztag. Die Opposition spricht von einem Offenbarungseid in der Bildungspolitik.

Digitales Know-how gilt heute als Schlüsselwissen. Hessens Landtag hat darüber debattiert, ob es Schülern in ausreichendem Maße vermittelt wird. (Symbolbild) Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Digitales Know-how gilt heute als Schlüsselwissen. Hessens Landtag hat darüber debattiert, ob es Schülern in ausreichendem Maße vermittelt wird. (Symbolbild)

Wiesbaden (dpa/lhe) - Ein Pilotprojekt an hessischen Schulen hat die Gemüter im Landtag erhitzt: Die Opposition hat der schwarz-roten Landesregierung einen gefährlichen Sparkurs in der digitalen Schulbildung vorgeworfen. «Die Bildungspolitik von CDU und SPD befindet sich nicht im Stillstand – sie befindet sich im Rückwärtsgang», sagte der Grünen-Abgeordnete Daniel May in Wiesbaden. Das sei «realitätsvergessen und unverantwortlich». 

«Während ganz Deutschland über die Gefahren von digitaler Gewalt und KI-Deep-Fakes diskutiert, wird ein innovatives und zukunftsträchtiges Schulfach zu Digitalisierung, KI und Medienbildung nicht ausgeweitet, sondern eingestampft», kritisierte May unter Bezug auf das Schulfach Digitale Welt. 

Pilotversuch an 80 Schulen

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Gegenwärtig nehmen 80 Schulen in der fünften und sechsten Jahrgangsstufe mit zwei freiwilligen zusätzlichen Schulstunden pro Woche an dem Pilotversuch teil. Digitale Welt ist also kein Pflichtfach – Schülerinnen und Schüler haben sich auch gegen eine Teilnahme entscheiden können.

Die Opposition im hessischen Landtag sieht die digitale Schulbildung in Gefahr. (Symbolbild) Foto: Matthias Balk/dpa/dpa-tmn
Die Opposition im hessischen Landtag sieht die digitale Schulbildung in Gefahr. (Symbolbild)

Nach den Plänen des Kultusministeriums wird dieses freiwillige Angebot im kommenden Schuljahr 2026/2027 in den Ganztag verlagert. Im Mittelpunkt der Kritik der Opposition steht, dass für das Fach dann weniger Geld zur Verfügung steht. Die sogenannte Sonderzuweisung an Lehrerstellen entfällt - also zusätzliche Stellen für Schulen, die das Fach anbieten.

FDP-Abgeordneter: «Das ist ein Offenbarungseid.» 

Ernst gemeinte digitale Bildung brauche einen festen Platz im Unterricht, forderte der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Moritz Promny. «Sie muss verbindlich und verlässlich sein und mit den notwendigen finanziellen Mitteln hinterlegt werden.» Die Verlagerung in den Ganztag sei mehr als eine bildungspolitische Fehlentscheidung. «Das ist ein Offenbarungseid», sagte Promny. Bildung sei keine Variable im Haushalt, die man je nach Kassenlage anpasst.

Minister: «Tolles Modell» wird in die Fläche gebracht

Der AfD-Abgeordnete Lothar Mulch forderte, anstatt das Fach in unverbindliche Nachmittags-Arbeitsgruppen zu verschieben, sollte es durch einen verpflichtenden Informatikunterricht ab der Jahrgangsstufe 5 ersetzt werden. Digitale Welt solle also ein reguläres Schulfach werden, wo «grundlegende digitale Kenntnisse, Software-Beherrschung und insbesondere der Erwerb kritischer Medienkompetenz vermittelt» würden. «Dieses Wissen ist für den Erfolg im zukünftigen Berufsalltag unabdingbar», betonte Mulch. 

Kultusminister Armin Schwarz (CDU) entgegnete, digitale Bildung sei ein wichtiges Thema an den Schulen. Nun werde ein «tolles Modell» weiterentwickelt und in die Fläche gebracht. Vom kommenden Schuljahr 2026/2027 an könne es an mehr als 600 weiterführenden Schulen angeboten werden, wenn sich diese jeweils dafür entschieden. Rund ein Drittel der 80 Schulen aus dem aktuellen Pilotversuch habe Digitale Welt bereits jetzt im Rahmen des Ganztagsangebots integriert. 

Minister: Digitale Bildung ist Thema in allen Schulfächern

Medienbildung und digitale Bildung sind laut Schwarz aber auch «Querschnittthemen» in allen Schulfächern. «Sie prägen die Schulen, sie prägen die Freizeit, sie prägen die Familien und sie prägen später auch Ausbildung und Beruf», ergänzte der Minister, der selbst einst Lehrer gewesen war. Daher müsse dieses Thema ganzheitlich betrachtet werden.