Projekt soll Waldschäden rascher und exakter aufspüren
Stürme und Borkenkäfer können Hessens Wäldern stark zusetzen. Kleinere Schadflächen sind nicht immer schnell zu erkennen. Ein Forschungsteam setzt auf Satellitenbilder und KI. Was soll sich ändern?
Wiesbaden (dpa/lhe) - Waldschäden infolge des Klimawandels nehmen zu: Ein Forschungsteam will Schadflächen rascher und besser mit Satellitenbildern und KI erfassen. Erprobt wird das Verfahren in Hessen, einem der waldreichsten Bundesländer. Später soll es auch bundesweit eingesetzt werden können. Ziel ist es, etwa nach Borkenkäferbefall oder Stürmen Maßnahmen wie Wiederaufforstungen schneller und exakter einleiten zu können. Das teilten der Landesbetrieb HessenForst in Kassel, die Hochschule RheinMain in Wiesbaden und die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt in Göttingen als Projektpartner mit.
Mit einem sogenannten Super-Resolution-Verfahren sollen auch kleine Schadflächen in Wäldern entdeckt werden. «Wir generieren mit Methoden des maschinellen Lernens, insbesondere der KI, aus Satellitendaten des Copernicus-Programms der EU hochaufgelöste, detailreichere Bilder», erklärte der Informatikprofessor Ulrich Schwanecke von der Hochschule RheinMain.
Experte: «Aufwendige manuelle Zuarbeit» nicht mehr nötig
«Darüber hinaus entwickeln wir darauf abgestimmte KI-Modelle, die eine automatisierte und effiziente Erfassung geschädigter Waldflächen mit hoher Genauigkeit und Aktualität ermöglichen», ergänzte der Experte. Die bisherige «aufwendige manuelle Zuarbeit» sei nicht mehr nötig.
Die bei dem Forschungsprojekt entwickelten Softwarekomponenten sollen im Internet als Open-Source-Produkte, also mit öffentlich zugänglichen Quellcodes, Interessenten wie Forstbetrieben und Fachbehörden frei zur Verfügung stehen, wie Florian Franz von der Forstlichen Versuchsanstalt erläuterte.
Viel höhere Bildauflösung
Nach Angaben seines Kollegen Philip Beckschäfer ist die Bildauflösung bei der Erfassung von Waldschäden bei dem Projekt um ein Vielfaches höher als bei bisherigen Methoden. «Wie viele Jungpflanzen braucht man bei einer Wiederaufforstung, wie viele müssen von den Baumschulen produziert werden, wie viel Schadholz gibt es? Bei all diesen Fragen kann das Projekt helfen», erläuterte der promovierte Forscher.
«Viele Forstbetriebe stellen zehnjährige Pläne für ihre Holznutzung auf. Solche Planungen werden aber hinfällig, wenn zum Beispiel ein Sturm eine Waldfläche stark verändert», ergänzte Beckschäfer. Solche neuen Schadenslagen solle das Forschungsprojekt möglichst rasch und präzise erkennen.
Das Projekt mit dem Namen «SENSURE Wald» läuft von 2026 bis 2028. Es wird vom Bundeslandwirtschaftsministerium mit 633.000 Euro gefördert.