Sexualstraftaten

Razzia gegen Kinderpornografie in Hessen

Großrazzia in Hessen: Ermittler durchsuchen 69 Wohnungen und beschlagnahmen mehr als 1.100 Speichermedien. Der Innenminister warnt vor einer zunehmenden Gefahr durch künstliche Intelligenz.

Die Polizei stellte insgesamt rund 1.100 Datenträger sicher. (Symbolbild) Foto: Arne Dedert/dpa
Die Polizei stellte insgesamt rund 1.100 Datenträger sicher. (Symbolbild)

Wiesbaden (dpa/lhe) - Mit einer Durchsuchungsaktion sind Ermittler in Hessen gegen Kinderpornografie und Kindesmissbrauch vorgegangen. Dabei seien 69 Wohnungen von 71 Beschuldigten durchsucht worden, teilten das Landeskriminalamt (LKA) und die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt mit. Bei dem Einsatz in der vergangenen Woche handelte es sich demnach um eine weitere Aktion zur Bekämpfung sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen. 

Nach jetzigem Ermittlungsstand stünden die Beschuldigten untereinander nicht im Austausch. Unter ihnen seien 68 Männer und 3 Frauen im Alter von 14 bis 70 Jahren. Ihnen wird überwiegend Herstellung, Besitz und Verbreitung von Kinder- und Jugendpornografie zur Last gelegt. In acht Fällen steht der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen im Raum. 

Bei den Beschuldigten seien insgesamt 1.146 Gegenstände wie Speichermedien aller Art sichergestellt worden. Diese sollen nun ausgewertet werden. 

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Einheit gegen Sexualstraftaten an Kindern

Die Polizei in Hessen geht immer wieder intensiv gegen Kindesmissbrauch und Kinderpornografie vor. Seit 2020 seien die polizeilichen Maßnahmen gegen Sexualstraftaten an Kindern und Jugendlichen in einer Einheit mit mehr als 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, darunter rund 170 Ermittlerinnen und Ermittler, gebündelt worden

«Der Schutz unserer Kinder vor Missbrauch und Ausbeutung hat für das Land Hessen oberste Priorität. Mit der Einheit FOKUS haben wir eine Erfolgseinheit geschaffen, die gezielt und flächendeckend gegen diese schrecklichen Verbrechen vorgeht», sagt Innenminister Roman Poseck (CDU).

Warnung vor KI-generierten kinderpornografischen Darstellungen

Immer häufiger würden die Strafverfolgungsbehörden dabei durch künstliche Intelligenz generierte kinderpornografische Darstellungen feststellen. «Die zunehmende Verbreitung von KI-generierten sexualisierten Deepfakes ist eine besorgniserregende Entwicklung. Es ist eine neue Form digitaler Gewalt, die Persönlichkeitsrechte verletzt, Betroffene entwürdigt und Kinder zusätzlich gefährdet», so Poseck. 

Mittels sogenannter Prompts könnten etwa neue Darstellungen des sexuellen Missbrauchs von Kindern erzeugt oder mit Hilfe spezieller Apps bereits vorhandene unverfängliche Dateien geändert werden, um daraus sexuell eindeutige Darstellungen zu machen, erklären LKA und Staatsanwaltschaft. Kinder- und jugendpornografische Inhalte seien aber - unabhängig davon, ob sie KI-generiert oder real sind - strafbar. 

Poseck appelliert daher auch an alle Eltern, sensibel mit der Privatsphäre ihrer Kinder umzugehen und auf öffentliche Posts bestenfalls zu verzichten, um diese Möglichkeiten des Missbrauchs von vorneherein zu unterbinden. Denn jedes veröffentlichte Bild könne für Täter zur Grundlage für neue Verbrechen werden.