Liga-Start gegen Hoffenheim

Runter von der «Kuhweide»: VfB-Fußballerinnen planen groß

Mit namhaften Neuzugängen und jungen Talenten will der VfB Stuttgart in der Bundesliga für frischen Wind sorgen. Trotzdem soll der Weg in die Spitze des deutschen Fußballs der Frauen nachhaltig sein.

Neue Stuttgarter Nummer 1: Italiens Nationaltorhüterin Laura Giuliani. (Archivbild) Foto: Nick Potts/PA Wire/dpa
Neue Stuttgarter Nummer 1: Italiens Nationaltorhüterin Laura Giuliani. (Archivbild)

Stuttgart (dpa/lsw) - Die neue VfB-Kapitänin Maximiliane Rall sagte bei einer Presserunde, was aus ihrer Sicht nicht fehlen durfte: «Letzte Saison mussten wir oftmals auf einer Kuhweide spielen. Deswegen: Ich nehme alle schönen Plätze jetzt in der Bundesliga mit, wo man einfach wieder ordentlich Fußball spielen kann.» Dazu zählt etwa der Liga-Auftakt der Schwäbinnen am Sonntag (14.00 Uhr, DAZN/MagentaSport) in der großen Arena der TSG Hoffenheim. Im Landesduell wollen Stuttgarts Aufsteigerinnen den Anfang eines neuen VfB-Kapitels schreiben.

Zum Prolog zählen drei Aufstiege in Serie, durch die das Frauenteam erstmals in der Beletage angekommen ist - vor allem, um langfristig zu bleiben. Das unterstreicht allein schon der im Mai bis 2031 verlängerte Vertrag von Sascha Glass, dem General Manager Frauenfußball, wie das Amt offiziell heißt. «Logischerweise ist der VfB auch ehrgeizig und will sich nach oben entwickeln, so dass wir da mit Sicherheit auch 2030/31 ins obere Tabellendrittel vorstoßen wollen», sagte Glass im dpa-Gespräch.

Über 100 Länderspiele: Giuliani neue Nummer 1 beim VfB

Mit der Wucht eines Traditionsvereins, dem Umzug zu dieser Saison ins Stadion der Kickers auf der Waldau und Neuzugängen wie Italiens über 100-maliger Nationaltorhüterin Laura Giuliani, die von der AC Mailand kam, traut die Konkurrenz dem VfB schon jetzt eine starke Runde zu. «Sie haben ein richtig gutes Team zusammen», lobte Hoffenheims Mittelfeldspielerin Franziska Harsch vor dem direkten Duell.

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Für die Qualität im Kader von Trainer Nico Schneck sorgen neben Giuliani und der Ex-Münchnerin Rall auch die frühere Bundesliga-Torschützenkönigin Nicole Billa, die 13-malige Nationalspielerin Chantal Hagel oder Adriana Achcinska. Die polnische Auswahlspielerin sei «zweikampfstark» und «temperamentvoll», meinte Rall, «da ist auch mal richtig Feuer auf dem Platz, und genau das brauchen wir auch».

Verteidigte zu Bayern-Zeiten auch schon gegen Alexandra Popp: die neue VfB-Kapitänin Maximiliane Rall (l). (Archivbild) Foto: Michael Matthey/Deutsche Presse-Agentur GmbH/dpa
Verteidigte zu Bayern-Zeiten auch schon gegen Alexandra Popp: die neue VfB-Kapitänin Maximiliane Rall (l). (Archivbild)

Was für Glass «schon eine Sensation» wäre

Für Sportboss Glass wäre trotz der individuellen Klasse ein Top-5-Platz aber «schon eine Sensation». Die Spitzenteams könnten schließlich mehr investieren, bei den Budgets liege der VfB im Liga-Vergleich weiter unten. «Wir haben keinen Cent Ablöse in die Hand genommen. Es waren alles auslaufende Verträge», betont Glass.

Fußballerisch gehen es die Schwäbinnen selbstbewusst an: «Wir wollen auch in die Bundesliga weiterhin mutig auftreten», sagte Glass. Das soll auch den Fans gefallen, von denen sich der Sportboss im Schnitt 2.000 bis 3.000 bei Heimspielen wünscht.

«Wenn dann so Gegner wie Bayern München kommen, dann werden wir höchstwahrscheinlich jetzt keine 50 Prozent Ballbesitz haben oder 60 Prozent», sagt er zwar. Aber es solle zumindest so sein, dass die Leute sagen: «Da gehe ich gerne hin, da wird attraktiver Fußball geboten.»

Glass: «Das wird weiter ein Steckenpferd sein»

Entscheidend sei natürlich, in der Liga zu bleiben, sich in den folgenden zwei Jahren dort zu etablieren - «und dann können wir die nächsten Schritte gehen». Die Richtung gibt Glass vor, der auf viele junge Wilden aus der eigenen Region setzt, sie mit langfristigen Verträgen an den VfB binden will. «Das wird weiter ein Steckenpferd sein.»

Als ein Beispiel nennt er etwa Svenja Hecke, Kapitänin der U16-Nationalmannschaft: Die 16 Jahre junge Abwehrspielerin, seit Juli mit einem Profivertrag bis 2029 ausgestattet, sei nicht nur ein «spannendes Talent», sondern habe in einigen Testspielen «richtig überzeugt bei uns», meinte Glass. Er sei überzeugt, dass Hecke als jüngste Spielerin der Bundesliga den Sprung schaffen könne. 

Ähnliches gilt für den VfB, der zusammen mit Mainz 05 nun das jüngste Liga-Mitglied ist. Die ganz großen Sprünge sind vorerst vielleicht nicht möglich. Aber auf die Kuhweide will im Club sicher niemand zurück.