Benzindiebstahl

Sprit ist teuer wie selten – häuft sich der Benzinklau?

Betrüger an der Zapfsäule, Benzinklau auf Baustellen oder Parkplätzen: Gehen Spritdiebe wegen der steigenden Kraftstoffpreise jetzt besonders dreist vor? Wie man sich schützen kann.

Spritdiebe sind auch auf Beutezug an Tankstellen. (Symbolbild) Foto: Christoph Reichwein/dpa
Spritdiebe sind auch auf Beutezug an Tankstellen. (Symbolbild)

Karlsruhe (dpa) - Hohe Preise an der Zapfsäule ärgern aktuell viele Autofahrer – ist das ein extra Ansporn für Benzindiebe, sich den kostbaren Sprit illegal zu besorgen?

Was für Fälle gab es bisher im Land?

Ganz schön viele in den letzten Wochen – allein im März gab es zig Kraftstoffdiebstähle im Südwesten. So klauten unbekannte Diebe rund 200 Liter Diesel aus einem geparkten Lastwagen in Heilbronn. In Niefern-Öschelbronn im Enzkreis zapften Spritdiebe rund 500 Liter Diesel aus einem auf einem Rastplatz abgestellten Lastwagen; ähnliche Beute machten Diebe, die in Titisee-Neustadt rund 500 Liter aus einem geparkten Sattelzug stahlen. 

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In Ravensburg stahlen Unbekannte sogar mehrere tausend Liter Diesel, indem sie bei rund einem Dutzend Fahrzeugen im Gewerbegebiet die Tanks aufbrachen, den Kraftstoff mit einem Schlauch absaugten und die Beute mit einem größeren Fahrzeug oder Anhänger abtransportierten. In Hoßkirch im Landkreis Ravensburg ließen Unbekannte den kompletten Kraftstoff aus den Tanks von zwei Baggern ab. In Ulm verschwanden rund 1.000 Liter Kraftstoff aus einem Tank auf einem Firmengelände – den Tankdeckel brachen die Übeltäter auf.

Benzindiebe schlagen auch auf Parkplätzen zu (Symbolbild) Foto: Sebastian Kahnert/dpa
Benzindiebe schlagen auch auf Parkplätzen zu (Symbolbild)

In Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall) klauten Diebe auf einem Parkplatz mehrere hundert Liter Kraftstoff, in derselben Nacht wurde auf demselben Parkplatz ein weiterer Lkw um mehrere hundert Liter Sprit erleichtert. Ebenfalls in Crailsheim wurde ein Baggertank angebohrt und rund 200 Liter Diesel waren futsch. In Salach (Kreis Göppingen) wurden auf einem Baugelände rund 1.200 Liter Diesel aus vier Baumaschinen abgezapft. 

Auch vor miesen Tricks scheinen manche nicht zurückzuschrecken: Im bayrischen Memmingen war eine Betrügerin unterwegs, die an einer Tankstelle Probleme beim Bezahlen mit ihrer C-Karte vortäuschte, um nicht selbst für den Sprit aufkommen zu müssen. Stattdessen bezahlte eine arglose Kundin.

Gibt es repräsentative Zahlen zu solchen Diebstählen?

Die Polizeipräsidien im Land haben nach Angaben des Innenministeriums noch keine valide Aussage dazu, ob sich solche Vorfälle in den letzten Wochen mehren. Dafür sei es noch zu früh. Laut Landeskriminalamt sinken die Zahlen seit 2024 sogar – sowohl was Tankbetrug an Tankstellen als auch Abzapfen von Kraftstoff betrifft. Das könnte sich aber ändern: «(...)die seit dem Ausbruch des Konflikts im Iran erheblich gestiegenen Kraftstoffpreise werden voraussichtlich zu einer Zunahme der Fallzahlen in der Polizeilichen Kriminalstatistik führen», hieß es vom LKA.

Der Tankstellen-Interessenverband (TIV) registriert unter seinen Mitgliedern bisher nur einen leichten Anstieg beim Kraftstoffdiebstahl, wie TIV-Sprecher Herbert Rabl, erklärt. «Allerdings sind punktuell stärkere Steigerungen denkbar, insbesondere an Tankstellen, die nicht videoüberwacht sind», sagt er.

Schwierigkeiten wegen der Preisersteigerungen gebe es aber auch an anderer Stelle: So würde sogenannte Flottenkarten – also Firmenkarten, mit denen Mitarbeiter Benzin bezahlen können – bisweilen nicht funktionieren, «weil dort Limits eingestellt sind, die durch die massiven Preiserhöhungen überschritten werden». 

Wie gehen Täter vor? 

Die Sprit-Klau-Maschen an Tankstellen seien immer ähnlich, sagt Rabl. «Die Diebe fahren mit falschen Nummernschildern, bisweilen auch mit Decken über dem Heck zur Verdeckung der Automarke und der Autonummer an die Tankstelle, tanken – meist vermummt mit Pudelmütze oder Ähnlichem und fahren ab, ohne zu zahlen.» Die häufigste Methode bleibe das «Wegfahren ohne zu bezahlen» an Tankstellen, der sogenannte Tankbetrug, berichtet auch die Polizei Ravensburg. 

Bei Kraftstoffdiebstahl auf Parkplätzen oder Baustellen wird nach Angaben der diversen Polizeibehörden, Benzin oftmals mit einem Schlauch abgelassen. Dafür würden Tankdeckel geknackt oder Tanks angebohrt.

Wie kann man sich vor Diebstahl schützen?

Mit Blick auf Tankstellen «nur durch Video-Überwachung, am besten aus mehreren Winkeln», sagt TIV-Sprecher Rabl. Diese Technikaufrüstung sei aber Sache der Mineralöl-Konzerne.

Fahrzeughalter sollten ebenfalls aufrüsten oder wenigstens schlau parken, rät die Polizei Konstanz. Am besten sollten Fahrzeuge in verschließbaren Einzelgaragen oder verschließbaren Gebäuden abgestellt werde. Auch Tankdeckel sollte mit Schloss versehen sein – und das Auto mit dem Tankdeckel an der Wand oder an einer Säule geparkt werden, um den Zugang zu erschweren. «Aufkleber mit dem Hinweis über spärlich befüllte Tanks können zudem die "Attraktivität" der Beute senken.»

Die Polizei Ravensburg empfiehlt: «Tankstellenbetreiber, Unternehmen und Autofahrer sollten verstärkt auf Videoüberwachung, gut beleuchtete Parkplätze und gesicherte Fahrzeugtanks setzen.» Die Polizei Pforzheim hat zu guter Letzt noch einen Appell an Autofahrer: «Auch wenn der Spritpreis wieder an der Zapfsäule schmerzt, ist der Weg über den legalen Tankstellenbesuch der einzig richtige!»