«Swicy» und Crossover: Neue Trends bei Grillmeisterschaft
Neue Cuts, süß-scharfe Soßen und smarte Grills: Die BBQ-Meisterschaft in Fulda will zeigen, wie experimentierfreudig Deutschlands Grillfans geworden sind.
Fulda (dpa/lhe) - Das Steak brutzelt auf dem Rost des Gasgrills, umrahmt von Zucchini und Paprika. Nebenan gart in einem trendigen Kamado-Grill mit Keramikbeschichtung Fleisch bei niedriger Temperatur, während das smarte Thermometer die Kerntemperatur überwacht. Und irgendwo wartet schon die selbst gemachte Soße: In diesem Jahr ist «Swicy» im Trend, eine Mischung aus süß (sweet) und würzig (spicy), wie Axel Gieseke, Sprecher der German Barbecue Association (GBA), erklärt.
Bei der Deutschen Grill- und BBQ-Meisterschaft zeigt sich an diesem Wochenende in Fulda, wohin sich die Grillkultur entwickelt. Tausende Grillfans aus ganz Deutschland werden dazu in Osthessen erwartet. Veranstalter ist die GBA, die damit ihr 30-jähriges Bestehen feiert. Sie ist nach eigenen Angaben Deutschlands größte Vereinigung von Grillfreunden und vergibt einmal im Jahr den Titel «Deutscher Grillmeister» bei den Amateuren und «Deutscher Grill- und Barbecue-König» bei den Profis.
Wie wär's mit einem bayerisch-koreanischen Mix?
Einer der wichtigsten Trends: Geschmack kennt beim Grillen keine Ländergrenzen. Crossover-Barbecue verbindet laut GBA unterschiedliche Küchentraditionen – etwa koreanische und bayerische Küche. Auch süß-scharfe Kombinationen, ungewöhnliche Marinaden, Karamellgeschmack und neue Soßen gehören zu den Entwicklungen, die die Grillwelt prägen. Dabei werden temperaturgesteuerte Grills nach Giesekes Einschätzung immer beliebter.
Doch die richtige Temperatur - laut dem Experten das A und O beim Grillen - lässt sich auch mit wenig Aufwand und Kosten feststellen. Gerade für Einsteiger kann eine Tabelle mit den empfohlenen Kerntemperaturen für verschiedene Fleischsorten hilfreich sein. Die könne man sich leicht aus dem Internet beschaffen.
Das Grillgut wird mit einem Thermometer überwacht. So kann vermieden werden, dass das Fleisch außen bereits zu trocken ist, während es innen noch nicht den gewünschten Gargrad erreicht hat.
Zu große Hitze sollten Grillfans vermeiden. Fleisch und Gemüse bräuchten zwar Röstaromen, sollten aber nicht verbrennen. Giesekes Tipp: Das Grillgut zunächst kräftig anrösten und anschließend an eine weniger heiße Stelle des Grills legen, damit es dort langsam fertig garen kann. «Man muss dem Fleisch Zeit geben», sagt er. Dabei gelte: besser ein dickes Steak als ein dünnes. «Lieber 300 Gramm statt 150 Gramm und das Fleisch dann gegebenenfalls miteinander teilen.»
Zu den weiteren Trends zählt Gieseke neue Fleischzuschnitte, sogenannte Cuts. Neben bekannten Teilen rücken demnach etwa «Bürgermeisterstück», Teres Major, Denver Cut oder Flank Steak stärker in den Fokus. Für Grillfans eröffnet das eine größere Auswahl - und die Möglichkeit, auch weniger bekannte Stücke auszuprobieren. Überhaupt spiele das Experimentieren für viele Grillfans eine wichtige Rolle.
Frauen an den Rost
Dass Grillen keine reine Männerdomäne ist, hat sich inzwischen herumgesprochen. So sind auch bei der Meisterschaft in Fulda an diesem Wochenende laut Gieseke «ganz viele Frauen» dabei. Darunter ist auch die Gruppe «Tanzgarde grillt», die erst vor wenigen Jahren mit einem geliehenen Grill in die Barbecue-Welt einstieg, später die baden-württembergische Landesmeisterschaft gewann und seitdem auch bei den deutschen Meisterschaften dabei ist.
Insgesamt sind laut Veranstalter 33 Teams für den Barbecue-Showdown in Osthessen angemeldet. Erwartet werden zwischen 12.000 und 15.000 Besucher. Tickets sind laut GBA noch erhältlich.
Für viele Grillfreunde geht es aber nicht nur um Geschmack, Technik und neue Trends: Sie machen sich auch Gedanken, wie sich das Barbecue nachhaltiger und ressourcenschonender gestalten lässt. Das Umweltbundesamt rät dazu, auch einmal vegetarisch zu grillen. Schließlich würden rund 95 Prozent der beim Barbecue anfallenden klimarelevanten Emissionen durch das Grillgut verursacht. Für klimafreundliches Grillen sollte man daher vor allem die Menge an Rindfleisch verringern und stattdessen auch mal Käse und Gemüse - möglichst saisonal und regional - auf den Rost legen.
Wer auf den Holzkohlengrill setzt, sollte nach Empfehlung der Behörde auf vertrauenswürdige Siegel wie FSC (Forest Stewardship Council) oder Naturland- beziehungsweise Bio-Siegel achten. Das stelle sicher, dass die verwendete Holzkohle aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung stamme.