Soziale Stabilität

Verbandschef: Aufrüstung nicht zulasten sozialer Sicherheit

Laut dem Chef der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen hängt gesellschaftliche Stabilität nicht nur von starken Streitkräften ab. Wovon noch?

Auch Leopard-Panzer gehören zu Deutschlands militärischer Stärke. (Archivbild) Foto: Sven Hoppe/dpa
Auch Leopard-Panzer gehören zu Deutschlands militärischer Stärke. (Archivbild)

Wiesbaden (dpa/lhe) - Wohlfahrtsverbände in Hessen warnen vor einer Beeinträchtigung der sozialen Sicherheit infolge der Betonung militärischer Stärke. «Verteidigungsfähigkeit und soziale Sicherheit dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden», betonte der Vorstandschef der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen, Markus Juch, in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur in Wiesbaden. 

Angesichts des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und der Furcht vor weiteren Aggressionen Moskaus rüstet Deutschland militärisch auf und stärkt seinen Wehrdienst. 

 «Deutschland braucht eine leistungsfähige Verteidigung»

Juch gestand zu: «Deutschland braucht eine leistungsfähige Verteidigung.» Doch genauso sei «eine starke soziale Infrastruktur» nötig. «Pflege, Kinder- und Jugendhilfe, Eingliederungshilfe, Beratungsstellen oder Einrichtungen für Menschen in schwierigen Lebenslagen leisten jeden Tag einen unverzichtbaren Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt», erklärte der Sozialmanager. 

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Der Vorstandschef der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen, Markus Juch, wendet sich gegen die Fragestellung «Verteidigung oder Sozialstaat?». Foto: Stefan Wildhirt/Caritasverband für die Diözese Fulda/dpa
Der Vorstandschef der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen, Markus Juch, wendet sich gegen die Fragestellung «Verteidigung oder Sozialstaat?».

Gerade Krisenzeiten zeigten, dass gesellschaftliche Stabilität nicht alleine von militärischer Sicherheit abhänge: «Sie entsteht auch dort, wo Menschen soziale Sicherheit und Unterstützung finden, Familien entlastet werden und Teilhabe gelingt.»

Wenn Investitionen in soziale Einrichtungen dauerhaft hinter andere politische Prioritäten zurückträten, schwäche das langfristig den Zusammenhalt der Gesellschaft. Deshalb sollte die Frage laut Juch nicht lauten: «Verteidigung oder Sozialstaat?» Sondern die Herausforderung sei, beides gleichermaßen zu stärken.

Der promovierte Chef der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen betonte: «Soziale Sicherheit und äußere Sicherheit sind keine Gegensätze - sie sind zwei Seiten derselben Medaille.»