Vom Frauenhaus in die eigene Wohnung: Modellprojekt
Wiesbaden (dpa/lhe) - Nach Gewalterfahrungen zunächst ins Frauenhaus - und dann? Hessen weitet ein Modellprojekt zur Vermittlung von Schutzsuchenden in Frauenhäusern in Anschlusswohnungen aus. Dafür werden interessierte Wohnungsunternehmen und Frauenhäuser unter Mitwirkung des Sozialministeriums zusammengebracht und «somit mögliche Vermittlungshemmnisse abgebaut», teilte das Ministerium für Wirtschaft und Wohnen in Wiesbaden am Montag mit.
«Die eigenen vier Wände sind die Startbasis für den Weg in ein neues Leben», erklärte Tarek Al-Wazir, Minister für Wirtschaft und Wohnen (Grüne). Laut seinem Ministerium wird etwa jede vierte Frau in Deutschland mindestens einmal Opfer körperlicher oder sexualisierter Gewalt von ihrem aktuellen oder früheren Partner. Frauenhäuser bieten Schutz, sind jedoch oft sehr ausgelastet. Viele Zimmer werden hier von Frauen bewohnt, die zwar wieder ausziehen möchten, aber keine geeigneten vier Wände auf dem angespannten Wohnungsmarkt finden.
Bei dem 2022 gestarteten Modellprojekt hat Hessen in Zusammenarbeit mit der mehrheitlich landeseigenen Wohnungsgesellschaft Nassauische Heimstätte/Wohnstadt Belegungsrechte für Sozialwohnungen erworben, um diese an Bewohnerinnen von Frauenhäusern zu vermitteln. Sozialminister Kai Klose (Grüne) erklärte zur Ausweitung des Projekts: «Für einen gewaltfreien Neuanfang in der eigenen Wohnung sind die Wohnungsunternehmen und privaten Vermieterinnen und Vermieter wertvolle Kooperationspartner, weil sie den Frauen nach dem Frauenhausaufenthalt eine Chance auf dem Wohnungsmarkt geben.» So würden auch «Frauenhausplätze für akut bedrohte Frauen wieder frei».