Krankenhäuser

Wie konnten weitere sechs Geburtskliniken verschwinden?

39 oder 45 - wie viele Entbindungsstationen gibt es in Hessen? Klar ist: Es sind nur halb so viele wie Anfang der 1990er Jahre. Doch auch die Zahl der Geburten sank seitdem. Was Fachleute sagen.

Der Weg zum Kreißsaal kann weit sein. (Symbolbild) Foto: Philipp Schulze/dpa
Der Weg zum Kreißsaal kann weit sein. (Symbolbild)

Wiesbaden (dpa/lhe) - Die Zahl der Krankenhäuser mit Entbindungsstationen in Hessen hat sich seit der Wiedervereinigung halbiert. Gab es im Jahr 1991 noch 88 Krankenhäuser, in denen Kinder entbunden wurden, so waren es 2024 noch 45. Das hat das Statistische Bundesamt kürzlich mitgeteilt. 2025 wurden mindestens drei weitere Entbindungsstationen in Hessen geschlossen, wie das Gesundheitsministerium berichtet.

In der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der AfD hatte das Ministerium zuletzt die Zahl der Geburtskliniken mit 39 angegeben - Stand Mitte Dezember 2025. Wurden tatsächlich sechs weitere Entbindungsstationen binnen eines Jahres geschlossen? Ja, bestätigte eine Sprecherin des Ministeriums der dpa. 

Drei Schließungen - oder sechs?

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Drei Krankenhäuser seien in der amtlichen Statistik noch mitgezählt worden, die inzwischen geschlossen worden seien:

  • Krankenhaus Sachsenhausen (Geburtshilfe Ende Juni 2024 geschlossen)
  • Helios St. Elisabeth-Klinik (Geburtshilfe Ende Juni 2024 geschlossen)
  • Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg (Geburtshilfe Ende September 2025 geschlossen)

In der amtlichen Statistik tauchten zudem drei Privatkliniken auf, bei denen es sich laut Ministerium «weder um Plankrankenhäuser noch um eigenständige Geburtshilfen» handelt. 

  • Main-Taunus-Privatklinik Bad Soden (Main-Taunus-Kliniken)
  • Privatkrankenanstalt Lich (Asklepios)
  • Privatkrankenanstalt Wiesbaden (Asklepios)

Aus Sicht des Ministeriums sollten sie nicht mitgezählt werden. «Es ist davon auszugehen, dass der gleiche Kreißsaal wie in der jeweiligen Hauptklinik genutzt wird und lediglich die Wochenstation in einem separaten Bereich für Privatpatientinnen untergebracht ist.»

Die Zentralisierung ist nicht nur schlecht, findet die Fachgesellschaft. (Symbolbild) Foto: Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa
Die Zentralisierung ist nicht nur schlecht, findet die Fachgesellschaft. (Symbolbild)

Für die Einordnung der Zahlen ist auch wichtig, dass die Zahl der Geburten 2024 bundesweit um 18,4 Prozent niedriger war als 1991. «In Hessen steht flächendeckend eine bedarfsgerechte stationäre Geburtshilfe zur Verfügung», heißt es in der Antwort des Ministeriums auf die AfD-Anfrage.

Aber die Wege vor allem auf dem Land sind teilweise weit: Wie der Krankenhausatlas des Statistischen Bundesamtes für Hessen zeigt, kann in kleinen Gemeinden nur jede vierte Frau ein Krankenhaus mit Geburtshilfe in 15 Minuten mit dem Auto erreichen. In Großstädten schafft es in diesem Zeitraum fast jede Frau zum Kreißsaal. 

Was Fachleute sagen

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe sieht zwei Gründe für den Abbau: Den ökonomischen Druck und die mangelnde Verfügbarkeit von Fachpersonal. Die Folge: «In ländlichen Regionen wird die Versorgung zunehmend schwierig.»

Die Zentralisierung der Geburtshilfe habe aber auch Vorteile, hieß es. «In kleinen Abteilungen ist die Gefahr für schwere Komplikationen oder auch das Risiko, dass aus einer kleinen eine große Komplikation wird, sehr viel höher», argumentiert die Fachgesellschaft.