Zeuge im Syrien-Prozess: «Arzt hat die Leute geschlagen»
Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Im Prozess gegen einen Arzt um Folter in syrischen Militärgefängnissen hat ein Zeuge am Donnerstag den Angeklagten belastet. «Er war im Team und hat die Leute geschlagen», sagte der 47 Jahre alte Zeuge, der zu den politischen Häftlingen in dem Gefängnis gehörte und heute in Deutschland lebt, vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt. An früheren Verhandlungstagen hatte er bereits von selbsterlebter Folter berichtet und auch die allgemeinen Verhältnisse geschildert.
Den Namen des jetzt Angeklagten habe er erst später von anderen Häftlingen aufgrund deren Beschreibungen erfahren, so der Zeuge. Der syrische Arzt sei Teil des Ärzteteams gewesen, das die Häftlinge in ihrer Sammelzelle in dem Militärkrankenhaus in Homs aufgesucht hätte, in dem auch ein Gefangenentrakt existierte. Die Ärzte hätten nicht nur Tabletten verteilt, sondern auch Verwundete geschlagen, getreten und erniedrigt. Einem Mann, der nach der Flucht von einer Demonstration wohl von Schüssen getroffen worden war, wurde auf die Beine getreten, wie der Zeuge weiter berichtete.
In dem Frankfurter Prozess muss sich ein 38 Jahre alter ehemaliger Militärarzt wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten. Er bestreitet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Auch die Aussagen des Zeugen am Donnerstag verfolgte er mit einem leichten Kopfschütteln. Der Orthopäde hatte jahrelang in Deutschland in einer Klinik praktiziert. Er wurde 2020 festgenommen, nachdem er von einem ehemaligen Folteropfer erkannt worden war. Seitdem sitzt der Mediziner in Untersuchungshaft.