Hemsbach

Frühlingsmarkt beim Hemsbacher Rathaus

Zum zweiten Mal wird der Bauernmarkt am Rathaus ergänzt durch weitere Gruppen. Unter anderem bietet der Obst-, Wein- und Gartenbauverein wieder eine Pflanzentauschbörse an. Da gibt es in diesem Jahr etwas ganz Besonderes.

Sind der Renner: Innerhalb einer knappen Stunde hat Thomas Pohl mehr als 120 Tomatenpflanzen verschenkt. Foto: Marco Schilling
Sind der Renner: Innerhalb einer knappen Stunde hat Thomas Pohl mehr als 120 Tomatenpflanzen verschenkt.

Das war ein echter Geheimtipp. Thomas Pohl hat dieses Mal keine Bienen, sondern Tomatenpflanzen dabei. Das hatte sich wohl bereits am Vorabend des Frühlingsmarktes herumgesprochen, den die Stadtgestalterei-Projektgruppe „Allianz Artenschutz und Landwirtschaft“ zusätzlich zum normalen Wochenmarkt am Donnerstagnachmittag am Rathaus veranstaltet. Bereits vor dem offiziellen Beginn wickelt Pohl eine Pflanze nach der anderen in Zeitungspapier ein und verteilt auch gleich noch Infoblätter über Sorten, Geschmacksrichtung, Wuchshöhe und den richtigen Standort. „Das ist eine neapolitanische Bauerntomate“, sagt er einer „Kundin“, die sich schon auf die Eiertomaten freut, die der Strauch mal tragen wird.

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Pflanzenbörse des OWG

Pohl kauft jedes Jahr Samen bei einem Pfälzer Spezialbetrieb. „In diesem Jahr sind wirklich alle aufgegangen“, sagt er. Und weil er so viele Tomatenpflanzen gar nicht braucht, verschenkt er seinen Überschuss gestern bei der Pflanzenbörse des Obst-, Wein- und Gartenbauvereins (OWG). Die hat damit noch mehr Zulauf als im Herbst, als die Projektgruppe das erste Mal dieses Plus zum Wochenmarkt angeboten hatte. Vorsitzende Andrea Müller und ihr Helferteam sind gewissermaßen eingerahmt von einer Vielzahl an Pflanzen, die Mitglieder, aber auch andere Bürger im eigenen Garten überhatten und die sich Besucher des Marktes für umme oder gegen eine kleine Spende für die Vereinskasse mitnehmen dürfen, darunter Purpurglöckchen und Zitronenmelisse, Funkien, Weißer Schneeball und Rote Spornblume.

In diesem Jahr mit dabei ist auch die Bürger-Drehscheibe. Elke Ehret und Brigitte Höhn haben passend zum Angebot des OWG Übertöpfe in allen Formen und Farbtönen sowie Weidenkörbchen dabei. „Das kommt alles aus Spenden“, sagt Ehret, deren Fahrzeug gerade ausreichte, um die Töpfe zum Rathausplatz zu bringen. Auch die gehen weg wie geschnitten Brot. Kein Wunder: Die Drehscheibe bittet lediglich um eine kleine Spende von, so Ehret, „vielleicht 50 Cent“, wenn ein Besucher einen Topf findet.

Wie im Urlaub

Gerhard Röhner, Sprecher der veranstaltenden Projektgruppe, ist zufrieden. Auch wenn sich die Sonne an diesem Nachmittag nicht blicken lässt, hat das Markttreiben für ihn etwas Mediterranes. „Das ist wie Urlaub“, sagt er zu Bürgermeister Jürgen Kirchner, der mal kurz vorbeischaut und mit dem er die Liebe zu Italien teilt. „Die Essensangebote fehlen“, scherzt der Rathauschef, erkennt aber an, dass sich das Wochenmarkt-Plus bei der Neuauflage langsam mausert und viele Leute anzieht.

Das Ehepaar Tine und Thomas Eck war auch im Herbst schon mit dabei und informiert über die Möglichkeit, über ihren Hof in Balzenbach frisches Rindfleisch zu beziehen. Ein Zusatzgeschäft zu dem Milchbetrieb, wie Landwirt Eck hinzufügt. Drei, vier Rinder, alles aus eigener Zucht, schlachtet der Hof im Jahr und verkauft das Fleisch in 7-Kilo-Paketen. Wer Interesse hat, sollte sich sputen, heute wird nämlich geschlachtet, nächste Woche kann das Fleisch dann abgeholt werden, sagt Tine Eck und fügt hinzu: „Es ist noch nicht alles verkauft.“

Das erste Mal dabei ist die Gartenprojektgruppe der Schiller-Gemeinschaftsschule. Sie verkauft Kräutersalz, und das durchaus auch in Mischungen, die es nicht oft im Handel gibt, etwa mit Vogelmiere, Gundermann oder Spitzwegerich. Mit den Einnahmen will die Gruppe, die auch das schuleigene Biotop pflegt, künftige Projekte finanzieren und sich zum Schuljahresende mal ein kleines Eis gönnen, wie deren Leiterin Petra Schulz-Lorenz sagt.

Biowein aus der Region

Gleich daneben hat Dr. Wolfgang Fiedler seinen selbst ausgebauten Wein aufgebaut. 1500 Flaschen Bio-Wein stellt er von seinen Weinbergen in Hemsbach, Laudenbach und Hohensachsen jährlich her und vertreibt ihn in seinem Laden in der Bachgasse in Hemsbach, übers Internet oder auf Wochenmärkten etwa in Laudenbach.

Daneben gibt es reichlich Information: Die Projektgruppe „Von der Schotterwüste zur Lebensoase“ hat einen großen Stand aufgebaut, wirbt mit Literatur und Tipps für eine ökologische Umgestaltung von geschotterten Vorgärten und hat auch den Entwurf für eine Vorgartensatzung mit im Gepäck, mit dem der Gemeinderat die Anlage von biologisch toten Schottergärten verbieten könnte. Gleich daneben stellte Angelika Kerner von der AVR Besonderheiten der Abfallentsorgung im Kreis vor. Wenig bekannt sei bislang, dass Haushalte ohne Mehrkosten eine größere Grüne Tonne ordern könnten, wenn das Volumen nicht ausreiche, sagt sie.

Und Thomas Pohl? Der hat in der Stunde unseres Rundganges tatsächlich alle Tomatenpflanzen verschenkt und baut gegen 15 Uhr schon seinen Tisch ab. Es waren exakt 121 Pflanzen.