Hirschberg

Im Kiga „Storchennest“ drohen im August kürzere Betreuungszeiten

Leutershausener Eltern wenden sich in einem offenen Brief an die Hirschberger Verwaltung, den Gemeinderat und die evangelische Kirche. Immer wieder fällt die Betreuung für ihre Kinder aus. Sie bitten um Hilfe.

Foto: Fritz Kopetzky

Die Erhöhung der Elternbeiträge für Kindergärten und Krippen um 8,5 Prozent ist happig. Üblicherweise sind es drei Prozent. Das wusste auch der Gemeinderat. Er stimmte dennoch zu, da er den Empfehlungen der Kirchen und der kommunalen Landesverbände in der Vergangenheit in der Regel gefolgt ist. Im Falle der Kindergärten ist die Kommune nicht der richtige Ansprechpartner, weil sie keine eigene Einrichtung besitzt. Bei den Kinderkrippen sollte es keine unterschiedlichen Beitragsstrukturen geben. Hier war ein Gemeinderatsbeschluss notwendig, der einstimmig erfolgte.

Offener Brief der Eltern

Die große Resonanz auf die Sitzung – über 20 Mamas und Papas sowie die evangelische Pfarrerin Dr. Tanja Schmidt kamen in den Bürgersaal – war nicht nur der Beitragserhöhung geschuldet. Tobias Seemann hatte sich im Namen betroffener Eltern des evangelischen Kindergartens „Storchennest“ in Leutershausen in einem offenen Brief, der den WN vorliegt, an die Verwaltung und die Gemeinderäte gewandt. Darin wurde in erster Linie die verlässliche Betreuung problematisiert. Für Seemann sei die angekündigte Erhöhung nicht weiter verwunderlich: „Wir hoffen, dass die Gebührenanhebung auch bei den Erzieherinnen ankommt. Leider sind Kürzungen der Betreuungszeiten wegen Personalmangels zum neuen Normal geworden. Dass stellt uns Eltern regelmäßig vor zeitliche Herausforderungen, die wir zusätzlich zu bewältigen haben“, schreibt der Vater. „Jeden Tag laufen wir am Eingang des Kindergartens an einer Ampel vorbei, die die aktuelle Personalsituation anzeigt. Ein Gelblicht führt zum erleichterten Durchschnaufen, ein Rotlicht zu hektischen Telefonaten mit Partner, Arbeitgeber oder Großeltern. Ein Grünlicht existiert nur der Vollständigkeit wegen“, heißt es in dem Schreiben. Daher fordern die Eltern den Aufschub der Beitragserhöhung, bis die vereinbarten Betreuungszeiten wieder langfristig gesichert sind. Zudem sollen langfristige und unbefristete Kürzungen der Betreuungszeiten vermieden werden. Bereits jetzt ist laut dem Schreiben eine Kürzung ab dem 28. August angekündigt.

Springermodell angeregt

Die letzte Kürzung lag zwischen dem 1. April und dem 11. Juni. Im Elternschreiben wird vorgeschlagen, kurzfristige Ausfälle durch ein Springermodell oder eine Krankheitsvertretung aufzufangen. Im Verein Postillion, der sich um die Krippen kümmert, sei dies schließlich auch möglich. Seemann wundert sich zudem darüber, dass trotz vakanter Stellen weder auf der Internetseite des Trägers evangelische Kirche noch auf der des Kindergartens eine Stellenausschreibung zu lesen sei. Bei Kürzungen der Betreuungszeiten fordern die Eltern zukünftig eine Kürzung der Beiträge. Bürgermeister Ralf Gänshirt zitierte zwar aus dem Brief, die Eltern durften sich in der Sitzung aber nicht äußern. Dies sah die Tagesordnung nicht vor. Der Rathauschef konnte den Unmut über die verlässliche Betreuung im Kindergarten nachvollziehen, der Gemeinderat sei aber nur marginal der richtige Ansprechpartner. „Wir arbeiten seit Jahren vertrauensvoll mit den Kirchen und den Freien Trägern zusammen“, fügte er hinzu. Mit ein Grund für die Personalmisere sei der Fachkräftemangel, und der sei hausgemacht.

Die Argumentation für die Erhöhung der Elternbeiträge um 8,5 Prozent konnte er nachvollziehen. Die Erhöhung werde mit einem Mix aus der allgemeinen Kostensteigerung, den selbst auferlegten Qualitätsstandards und der deutlichen Aufwertung des Berufs der pädagogischen Fachkräfte durch höhere Löhne begründet. Der Bürgermeister verwies darauf, dass landesweit angestrebt werde, rund 20 Prozent der Betriebsausgaben durch Elternbeiträge zu decken. Im Schnitt liegt der Wert in Hirschberg bei rund 15 Prozent. Allein deshalb müsse die Kommune reagieren.

Schon heute ging der Rathauschef davon aus, dass im nächsten Jahr erneut eine Anhebung der Elternbeiträge drohe: „Es werden wieder über drei Prozent sein.“

Rutsche gesperrt

In seiner Stellungnahme ging der Bürgermeister als Hausherr des evangelischen Kindergartens, der acht Millionen Euro kostete und im vergangenen Sommer in Betrieb genommen wurde, zudem auf die baulichen Mängel ein. So ist die Innenrutsche gesperrt, weil sie „zu schnell und der Auslauf zu kurz“ sei. Im August soll eine neue Beschichtung aufgetragen werden. Zudem sind zwei Markisen an den Gruppenräumen anzubringen und auf dem Außengelände müsse aus Sicherheitsgründen nachgearbeitet werden. Unter anderem wurde das Wasserspiel gesperrt, weil durch das herausspritzende Wasser im daneben liegenden Spielplatz der Sand weggeschwemmt wurde. Dadurch sei der Erdboden hervorgetreten; eine Kante auf dem Boden werde daher vom Bauhof entfernt.

Sozialstaffelung gefordert

Für GLH-Gemeinderätin Manju Ludwig sind Gebührenerhöhungen nie ein schönes Thema. Aber die Träger hätten dem Ganzen zugestimmt, daher bleibe der Kommune keine Wahl. Wer eine hochwertige Betreuung haben will, müsse dafür zahlen. „Die Gemeinde orientiert sich seit Jahren an den 20 Prozent bei den Elternbeiträgen. Dies wird aber nicht erreicht und dies kann sich die Kommune nicht auf Dauer leisten“, meinte sie.

Die Sorgen und Nöte der Eltern bei der verlässlichen Betreuung konnte Ludwig als Mutter sehr gut nachvollziehen. Das Problem müssten die Einrichtungen jedoch selbst angehen. Wenn die Betreuung ausfalle, müsse man über das Zurückerstatten der Beiträge nachdenken. Angesichts der steigenden Kosten und der Inflation regte Ludwig ein sozial gestaffeltes Gebührenmodell an.

Bürgermeister Gänshirt schüttelte den Kopf, er wolle und werde das Fass nicht aufmachen, da es schon mehrfach im Gemeinderat gescheitert sei. „Zudem gilt es zu berücksichtigen, dass schon erhebliche SEes gibt zudem Zuschüsse. Einen gewissen Anteil müssten andere auch tragen“, hielt er ihr entgegen.

FW-Gemeinderat Christoph Kiefer überraschte die 8,5-prozentige Erhöhung nicht. Als unbefriedigend erachtete er die Personalsituation. Dies müsse dringend gelöst werden. Über eine „Poollösung“, wie sie in anderen Einrichtungen angewandt werde, sollte nachgedacht werden. CDU-Gemeinderat Graf Ferdinand von Wiser stimmte auch zu. Er könne den Ärger und den Frust der Eltern gut verstehen, wenn der Arbeitsalltag wegen Personalmangel geändert werden müsste. „Wir sind dafür aber nicht verantwortlich. Die Gebührenerhöhung dient dazu, dass alles im Rahmen bleibt. Sie ist alternativlos. Wenn wir nicht um 8,5 Prozent erhöhen, holt uns das Ganze im nächsten Jahr ein.“

Auch SPD-Fraktionssprecher Dr. Thomas Scholz konnte die Eltern verstehen. Die Mängel im Kindergarten müssten angegangen werde. Scholz sah die Gemeine bei der Pesonalsituation nicht in der Verantwortung. „Falls die Ausfälle aber länger anhalten, sollte über geringere Gebühren nachgedacht werden“, betonte er und machte sich ebenfalls stark für eine Sozialstaffelung.

FDP-Gemeinderat Tobias Rell signalisierte auch Zustimmung. Ihm stellten sich sozusagen die Nackenhaare, denn Bund und Land wälze alles auf die Kommune ab. „Wir fühlen uns im Stich gelassen. An den ausgefallenen Betreuungszeiten und dem fehlenden Personal können wir leider nur wenig ändern“, meinte er und stimmte wie die Vorredner zu.