Weinheim

Kurzarbeit bei Viscofan in Weinheim

Die erste Phase mit Kurzarbeit liegt bereits hinter den Beschäftigten von Viscofan. "Das verschafft uns Zeit, neue Aufträge zu gewinnen", sagt Geschäftsführer Andrej Filip.

Seit Jahresbeginn habe sich die Auftragslage jeden Monat verbessert, betont Andrej Filip, Geschäftsführer der Viscofan DE GmbH in Weinheim. Foto: Thomas Rittelmann
Seit Jahresbeginn habe sich die Auftragslage jeden Monat verbessert, betont Andrej Filip, Geschäftsführer der Viscofan DE GmbH in Weinheim.

Der Weinheimer Wursthüllenhersteller Viscofan (früher Naturin) kämpft weiter mit einem schwierigen Marktumfeld. Was sich bereits im zweiten Halbjahr 2023 abgezeichnet hatte, führt nun dazu, dass das Unternehmen auch auf das Instrument der Kurzarbeit setzt, um die Wende zu schaffen.

Wie Andrej Filip, der im Januar die Nachfolge von Wilfried Schobel als Geschäftsführer der Viscofan DE GmbH angetreten hat, auf Anfrage bestätigt, seien Ende Februar, Anfang März alle Mitarbeiter für 14 Tage von Kurzarbeit betroffen gewesen. Einzige Ausnahme sei die Vertriebsabteilung gewesen, deren Aufgabe es ist, neue Aufträge an Land zu ziehen. Ende April, Anfang Mai habe man darüber hinaus für weitere zehn Tage Kurzarbeit angemeldet. Und eventuell werde man im Juni dann noch einmal für eine Woche die Produktion herunterfahren. Die Zeit wolle man nutzen, um Reparaturen und Modernisierungen durchzuführen.

Der Weinheimer Wursthüllenhersteller Viscofan hat für Ende April, Anfang Mai weitere zehn Tage Kurzarbeit angemeldet. Foto: Thomas Rittelmann
Der Weinheimer Wursthüllenhersteller Viscofan hat für Ende April, Anfang Mai weitere zehn Tage Kurzarbeit angemeldet.

Dem 46-jährigen Manager ist natürlich bewusst, dass das keine guten Nachrichten für den Standort Weinheim sind, wo knapp 500 Mitarbeiter beschäftigt sind, die rund 200 Millionen Euro Jahresumsatz erwirtschaften.

Aber der gebürtige Tscheche ist davon überzeugt, dass es relativ schnell wieder aufwärts geht. „Ich sehe, dass wir schon jetzt unsere Produktivität gesteigert haben“, sagt er. Aber auch beim Service für die Kunden habe man bereits Fortschritte realisiert, ohne Abstriche an der hohen Qualität der Produkte zu machen.

Produktion nicht ausgelastet

Seit Jahresbeginn habe sich die Auftragslage jeden Monat verbessert, betont der Geschäftsführer. Aber zur Wahrheit gehöre eben leider auch, dass die Produktion in Weinheim derzeit nicht aufgelastet sei. Deshalb habe man sich in enger Abstimmung und in einem offenen Dialog mit dem Betriebsrat dazu entschlossen, vorübergehend auf das Instrument der Kurzarbeit zu setzen. „Das verschafft uns Zeit, neue Aufträge zu gewinnen“, macht Filip deutlich. Er hoffe, dass man in der zweiten Jahreshälfte dann keine Kurzarbeit mehr brauchen werde. Derzeit seien auch keine betriebsbedingten Kündigungen geplant. Man setze vielmehr auf die „natürliche Fluktuation“, um die Zahl der Beschäftigten im Laufe des Jahres leicht zu reduzieren.

„Wir wissen alle, dass wir durch eine schwierige Zeit gehen. Aber ich bin stolz darauf, wie wir uns als Team dieser Herausforderung stellen“, lobt Filip die Beschäftigten in allen Abteilungen. Das werde übrigens auch in der Konzernzentrale in Spanien so gesehen, fügt er hinzu.

Erst kürzlich hatte der Konzern seinen Jahresabschluss für 2023 veröffentlicht. Demnach steigerte Viscofan weltweit seinen Nettoumsatz um 2,1 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro; der Nettogewinn verbesserte sich um 1,1 Prozent auf 141 Millionen Euro. Allerdings machte der Vorstandsvorsitzende der Viscofan-Gruppe, José Domingo de Ampuero y Osma, in dem Bericht auch deutlich: „Das Geschäftsjahr 2023 war durch den ersten Rückgang des Darmmarktes seit 24 Jahren gekennzeichnet.“ Diese „Ausnahmesituation“ gehe mit einem Umfeld hoher Kosten bei der Produktion einher.

Marktanteile steigern

Was die Energiekosten und die Kosten für Rohmaterialien angeht, zeichnet sich laut Filip seit Jahresbeginn eine leichte Entspannung ab: „Das hilft uns natürlich. Aber entscheidend ist, dass wir unsere Auftragslage verbessern.“ Dabei will die Viscofan DE GmbH vor allem in Westeuropa ihre Marktanteile steigern. „Das Potenzial ist enorm“, betont der Geschäftsführer.

Natürlich habe er aber großes Verständnis dafür, dass die aktuelle Lage manchen Mitarbeitern Sorgen bereitet. Was ihn dennoch optimistisch stimmt: Er arbeite jetzt seit mehr als 21 Jahren für die Viscofan-Gruppe – unter anderem in Serbien, Spanien, Mexiko und in den USA. Ähnliche Situationen habe es immer wieder einmal gegeben.

Aber aus diesen Phasen sei das Unternehmen stets gestärkt hervorgegangen. Das werde auch diesmal wieder gelingen, ist er überzeugt und fügt hinzu: „Wir sind in Weinheim eine stabile Firma, und wir bleiben stabil.“