Weinheim

Tierische Stadtführung

Der erste musikalische Rundgang zum Thema „Tierische Sprichwörter“ durch das Gerberbachviertel bringt 500-Euro-Spende fürs Tierheim.

Tierische Redewendungen waren Thema einer Stadtführung. Nicht nur um Hund und Katz oder Hecht und Schwein drehen sich erstaunlich viele Sprüche. Auch Pferde beschäftigen den Volksmund. Foto: Jürgen Drawitsch
Tierische Redewendungen waren Thema einer Stadtführung. Nicht nur um Hund und Katz oder Hecht und Schwein drehen sich erstaunlich viele Sprüche. Auch Pferde beschäftigen den Volksmund.

Dass der Kuckuck und der Esel einmal einen Streit hatten, sangen die Teilnehmer der ersten musikalischen Stadtführung mit tierischen Sprichwörtern am Ende des zweistündigen Rundgangs am Hutplatz. Vom Streit zwischen Weinheims Denkmalamt und Thomas Noor, dem 2021 verstorbenen Restaurator der Ulner Kapelle, hatten sie zuvor beim Rundgang durch das Gerberbachviertel erfahren. Stadtführer Franz Piva öffnete an der Außenwand der Kapelle zwei kleine grüne Läden, hinter denen sich das Emblem einer bekannten Firma befindet. Diese bildliche Reminiszenz an die Bierbrauer aus dem Mossautal, die der zur Eventlocation umgestalteten Kapelle den Ausschanktresen gestiftet hatten, war den Wächtern der Bauhistorie einst ein Dorn im Auge.

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Franz Piva (links) lüftete bei seiner Stadtführung auch das Geheimnis um ein verstecktes Werbeschild an der Außenwand der Ulner Kapelle. Musikalische Unterstützung erhielt er von Bürgermeister Dr. Torsten Fetzner an der Gitarre. Foto: Jürgen Drawitsch
Franz Piva (links) lüftete bei seiner Stadtführung auch das Geheimnis um ein verstecktes Werbeschild an der Außenwand der Ulner Kapelle. Musikalische Unterstützung erhielt er von Bürgermeister Dr. Torsten Fetzner an der Gitarre.

Nein, Piva hatte mit dieser Geschichte seiner Gruppe keinen Bären aufgebunden. Dieses aus Russland stammende Sprichwort erläuterte er im Hof des Kerwehauses, wo mancher schon „einen Affen hatte“. Auch dort glänzte er mit profunden Kenntnissen, als er rund um die Kanalisation im lauschigen Gerberbachviertel ein weiteres Geheimnis lüftete.

Sprudelnde Informationen

Schon beim Start dieser besonderen historischen Führung durch das alte Weinheim sprudelte es am Treffpunkt Marktplatzbrunnen aus Weinheims bekanntem Stadtführer nur so heraus. Mit Blick auf die Fachwerkfassade der alten Löwenapotheke passte natürlich, dass man schon vor mancher Apotheke die Pferde kotzen sah; ein Spruch mit doppelter Absurdität, weil Pferde sich nicht übergeben und schon gar nicht vor einem Haus, das Medizin gegen Übelkeit anbietet.

Sieben Standorte

Wie schon im Advent, als er historisches Wissen über Weinheim mit Bräuchen rund ums Weihnachtsfest anreicherte, sicherte sich Piva auch bei der tierischen Stadtführung die musikalische Unterstützung von Torsten Fetzner. Der längst als singender Bürgermeister bekannte Musiker hatte acht Stücke zum Liederheft „Musikalische Stadtführung mit tierischen Sprichwörtern“ zusammengefasst und begleitete an sieben Standorten die singfreudige Gruppe zur Gitarre. Gleich bei der Apotheke trabten im Lied „Hoch auf dem gelben Wagen“ die Rosse passend, weil man natürlich sprichwörtlich dem geschenkten Gaul nicht ins Maul schaut.

„Es zieht wie Hechtsuppe“

Während man bei sommerlichen Temperaturen für schattige Abschnitte in den Altstadtgassen dankbar war, wehte oben auf der Windeck die blau-weiße Fahne Weinheims vor strahlendblauem Himmel in der Abendsonne. Derweil erklärte Piva in der Judengasse, dass der Spruch „Es zieht wie Hechtsuppe“ wohl vom jiddischen Ausdruck „hech supha“ abgeleitet ist, der „wie ein starker Wind“ bedeutet.

Ehe am Büdinger Hof für ein Familienmitglied des geschichtsträchtigen Hauses, das mit dem Gerberhandwerk in Weinheim in enger Verbindung steht, ein Geburtstagsständchen gesungen wurde, klärte Piva über den Sinn einer Klappe an der Wand eines Hauses auf. Da es sich weder um eine Baby- noch um eine Katzenklappe handele, könne es sich seiner Theorie nach um einen Zugang zum Keller für Schweine gehandelt haben.

Während Piva und Fetzner bei ihren musikalischen Führungen im Advent Geld für die Weihnachtsfeier der Obdachlosen gesammelt hatten, wurde diesmal um Spenden für das Weinheimer Tierheim gebeten. Dort können sich nun die Hundemischlinge Milko, Cody und Mara oder die Katzen Minka, Coffee und Soraja über Fressgutscheine im Wert von 500 Euro freuen.

Wer allerdings erfahren möchte, wo es in Weinheim ein Familienwappen mit Raben gibt, wie viele Häuser es in der kleinsten Straße Weinheims gibt oder welche Auswirkungen die Blüten der Japanischen Schnurbäume am Marktplatz auf Insekten haben, der sollte sich bei der Tourist-Info am Marktplatz für eine weitere Stadtführung mit tierischen Sprichwörtern anmelden. dra

Weinheim hat viele spannende Seiten. Die Tourist-Info hat unterschiedliche Stadt- und Themenführungen im Angebot, bei denen man viel Wissenswertes über Weinheim und seine Geschichte erfahren kann. Weitere Infos gibt es im Internet unter www.weinheim.de oder unter der Rufnummer 06201/82160.