Weinheim

Von Cong Cong bis Isabell Ritter: Warum man diese Kunst einfach lieben muss

Im Kunsthaus Klüber stellen derzeit vier Künstler aus, die den Betrachtern mit ihren Werken ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Hannes Mussners Männern mit Helm haftet etwas Kriegerisches an. Ganz im Gegenteil zur digitalen Kunst von Cong Cong, der die großformatigen Bilder an der Wand geschaffen hat. Foto: Philipp Reimer Fotografie
Hannes Mussners Männern mit Helm haftet etwas Kriegerisches an. Ganz im Gegenteil zur digitalen Kunst von Cong Cong, der die großformatigen Bilder an der Wand geschaffen hat.

Der Besucher, der zurzeit die Galerie Klüber in der Hauptstraße betritt, hält vor so viel künstlerischer Vielfalt erst einmal den Atem an. Es sind vor allem die großformatigen Ölbilder mit den Menschengruppen, die spontan ins Auge fallen. Die 1991 in China geborene Fancheng Xu hat die natürlichen Farben, Formen und Schatten der einzelnen Personen akribisch genau ausgearbeitet. Es sind Straßenszenen, die sie auf die großen Leinwände gebracht hat: vorbei schlendernde Passanten, plaudernde oder sich umarmende Menschen. Besonders faszinierend ist das Bild, das einen weitläufigen, grauen Platz zeigt, über den in Weiß und Schwarz gekleidete Personen alleine, zu zweit oder in Gruppen spazieren.

Die Künstlerin Fancheng Xu bringt Straßenszenen auf großformatige Leinwände. Foto: Philipp Reimer Fotografie
Die Künstlerin Fancheng Xu bringt Straßenszenen auf großformatige Leinwände.

Die Blickwinkel, die die 32-Jährige inklusive Schattenbildung darstellt, wirken wie mit der Kamera eingefangen. Fancheng gibt ihren Bildern Namen wie “Die Beschaffenheit der Wünsche” oder “Der umarmende Mensch”. In Peking hat sie die Hochschule für Bildende Künste absolviert, worauf sie 2017 ein zweites Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe angehängt hat.

Werke von Hannes Mussner, Fancheng Xu und Cong Cong (von links) sind derzeit in der Galerie Klüber zu sehen. Foto: Philipp Reimer Fotografie
Werke von Hannes Mussner, Fancheng Xu und Cong Cong (von links) sind derzeit in der Galerie Klüber zu sehen.

Einer ihrer Kommilitonen ist ihr gleichaltriger Landsmann Cong Cong. Seine abstrakten Grafiken entstehen nicht mit Pinsel, Stiften oder Farbtinkturen, sondern mit Computerprogrammen. "Ist das noch Kunst?", könnte man fragen. Die Antwort ist: “Ja”. Denn auch eine spezielle Software verlangt zum Erstellen von Feldern, Linien und Farbmischungen die gleiche Kreativität, die der Künstler beim analogen Malen benötigt. Also sind auch digital erstellte Bilder Kunstwerke. Man kann sich vorstellen, dass ein junger Künstler wie Cong Cong sein digitales Wirken sogar als aufstrebende künstlerische Disziplin betrachtet. Dazu gehört auch sein farbkräftiges, abstraktes Bild in freundlichem Grün und Türkis, das sich von Pinselstrichen auf einer Leinwand kaum unterscheidet.

Der dritte Künstler der Gemeinschaftsausstellung ist der 1989 in Bozen geborene Hannes Mussner, der mit einer Ausbildung zum Holzbildhauer begann und zur Zeit Bildhauerei und freie Kunst in Karlsruhe in der Klasse von Stephan Balkenhol studiert. Seine aus Lindenholz gefertigten Skulpturen bezaubern zum einen durch ihre haptische Wirkung, zum anderen durch ihre Motive. Sei es das lebensgroße Kleinkind oder die Gruppe der Männer mit Helm, denen etwas Kriegerisches anhaftet.

Alte Hochkulturen als Inspiration

Mussners Figuren üben eine starke Präsenz auf Räume aus. Faszinierend sind Maserung und sichtbare Risse oder Schnittstellen, an denen die Skulpturen aus einzelnen Holzfragmenten zusammengefügt wurden. Auf seine “Jungen mit Schwertern” angesprochen, meinte er einmal, dass er sich bei deren Erschaffung gefragt habe: "Wie wird dieser Junge in seinem Leben das Schwert benutzen? Als Waffe oder um sich zu schützen?” - Mussners zentrales Thema ist der Mensch und das Menschenbild in unserer Zeit. Er beschäftigt sich dabei mit seinem Umfeld, findet Inspirationsquellen in den Skulpturen alter Hochkulturen und „primitiver“ Völker und zieht Schlüsse aus den Gedanken der europäischen Kunst. Auch er ist zur Zeit Meisterschüler von Professor Stephan Balkenhol.

Kunst, die gute Laune macht

Die Skulpteurin Isabell Ritter ist die vierte Künstlerin, deren Werke derzeit in der Galerie Klüber zu sehen sind. Die 1978 in Pirmasens geborene Dozentin an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg kreiert Obst und Gemüse aus Bronze. Verblüffend echt wirkt zum Beispiel die, wie achtlos entsorgte, Bananenschale mit braunen Flecken. Sie erscheint so plastisch, dass man das Gefühl hat, darauf auszurutschen. Versucht man sie jedoch aufzuheben, stellt man ihr unerwartete hohes Gewicht fest. Die Bananenschale ist nämlich eine massive Bronzeskulptur aus Ritters Obst- und Gemüse-Zyklus. Verblüffend echt wirkt auch die Orange mit der spiralenförmigen Schale, so als wäre jemand beim Schälen seiner Apfelsine gestört worden. Isabell Ritter gestaltet Obst für die Ewigkeit. Was bei ihr nach einem Apfel mit ein paar Gramm aussieht, wiegt so schwer wie ein ganzer Liter Apfelmost, macht jedoch genauso gute Laune. Man kann es an den Besuchern beobachten, die, sobald sie Ritters reichhaltiges Obstsortiment als Schwergewicht erkennen, in Lachen ausbrechen.