DFB-Pokal

Erstaunliche Trendwende: BVB entdeckt vermisste Tugenden

Mehr Leidenschaft, mehr Teamgeist, mehr Stehvermögen. Im neuen Jahr überzeugt der BVB mit lange vermissten Tugenden. Das schürt den Glauben an eine erfolgreiche Saison.

Dortmunds Emre Can (o) bejubelt sein Tor zum 0:1. Foto: Bernd Thissen/dpa
Dortmunds Emre Can (o) bejubelt sein Tor zum 0:1.

Bochum (dpa) - Weniger Zauber, mehr Herz - bei Borussia Dortmund ist die leidige Diskussion um fehlende Mentalität vorerst verstummt. Symbolisch für den neuen Teamgeist standen alle Fußball-Profis nach dem Schlusspfiff Arm in Arm vor der Fan-Tribüne und ließen sich für das hart erkämpfte 2:1 (1:0) im Pokal-Achtelfinale beim VfL Bochum feiern.

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Anders als zum Ende der ersten Saisonphase, als der auf Bundesliga-Rang sechs abgerutschte BVB bereits abgeschlagen schien, ist der Glaube an eine erfolgreiche Saison zurück. «Wir sind zum richtigen Zeitpunkt in Fahrt gekommen», kommentierte Sebastian Kehl. Kämpferisch fügte der Dortmunder Sportdirektor hinzu: «Wir sind noch in allen Wettbewerben, mit uns ist zu rechnen.»

Der Frust beim Blick auf die Tabelle während der langen Winterpause hat sich in positive Energie verwandelt. Begünstigt durch die Rückkehr zahlreicher zuvor angeschlagener Profis legt der BVB seither mehr Wert auf Kampf als auf Kunst. Bei den Siegen über Augsburg (4:3), Mainz (2:1), Leverkusen (2:0) und in Bochum zahlte sich dieser Paradigmenwechsel aus. Nur beim 5:1 über Freiburg spielte das Team phasenweise groß auf.

«Sieg mit viel Herz und Kampf»

«Super, überragend. Es war nicht immer so, dass wir den Kampf vorher nicht angenommen haben. Aber jetzt machen wir es mit einer Konstanz, die wir auch brauchen», schwärmte Torhüter Gregor Kobel. «Man sieht, wir stehen als Team auf dem Feld. Es war kein Sieg mit Zauber, aber dafür ein Sieg mit viel Herz und Kampf.»

Selbst Störfaktoren wie ein leidenschaftlich kämpfender Gegner, eine hitzige Atmosphäre, ein holpriger Rasen und eine fragwürdige Elfmeterentscheidung des Schiedsrichters bringen den BVB - anders als in der Vergangenheit - derzeit nicht vom Kurs ab. «Wir haben uns heute gegen alle Widerstände gewehrt und den Kampf angenommen», befand Trainer Edin Terzic in der Hoffnung, dass sein Team im kommenden Bundesliga-Spiel am Samstag (15.30 Uhr/Sky) bei Werder Bremen und am kommenden Mittwoch im Champions-League-Achtelfinale gegen den FC Chelsea (21.00 Uhr) ähnliche Tugenden abruft.

Für den größten Aufreger der Partie sorgte ein Handspiel von BVB-Jungprofi Jamie Bynoe-Gittens an der eigenen Strafraumgrenze. Minutenlang sichtete Referee Tobias Stieler die Videoaufnahmen, entschied schließlich gegen den BVB und ermöglichte damit dem Bochumer Kevin Stöger (64.) den Ausgleich. Der Arm des Dortmunder Angreifers, der aus wenigen Metern angeschossen wurde, sei eben nicht «ganz eng» am Körper gewesen, «sondern leicht abgewinkelt», erklärte Stieler. Allerdings räumte der Referee ein, dass Videoschiedsrichter Tobias Welz «Bauchschmerzen mit der Entscheidung» gehabt habe. «Es ist natürlich ganz klar: Das ist nicht die Mutter aller Handelfmeter», sagte Stieler und äußerte Verständnis dafür, «wenn jemand eine andere Auffassung zu dieser Szene hat».

Kurioser Treffer

Ein sehenswerter Spielzug der Borussia, den der eingewechselte Kapitän Marco Reus (70.) nach Vorlage von Jude Bellingham zum entscheidenden 2:1 nutzte, ebnete den Weg zum Sieg. Das zwischenzeitliche 1:0 für die Gäste hatte Emre Can mit einem kuriosen Treffer aus vom ZDF gemessenen 50,3 Metern erzielt, bei dem der zu weit aus seinem Tor geeilte Bochumer Schlussmann Manuel Riemann keine gute Figur abgab.

Bei aller Freude über sein Traumtor war der als Sohn türkischer Eltern in Frankfurt am Main geborene Mittelfeldspieler jedoch schon kurz nach dem Schlusspfiff mit seinen Gedanken ganz woanders. Nach seinem Treffer küsste er den Trauerflor, den alle Profis zum Gedenken an die Opfer des verheerenden Erdbebens in der Türkei und in Syrien trugen. «Es war für mich heute nicht einfach», sagte Can. «Ich habe viel von Freunden gehört, bei denen die Familien betroffen sind. Ich bete, dass der Zustand sich verbessert.»