Vatikan: Papst kann Krankenhaus verlassen
Nach einer Krebsoperation soll Papst Leo XIV. schon an diesem Samstag aus der Gemelli-Klinik in den Vatikan zurückkehren. Wie es um seine Genesung steht und was die Ärzte noch prüfen müssen.
Rom (dpa) - Papst Leo XIV. kann wenige Tage nach seiner Krebsoperation die Gemelli-Klinik schon wieder verlassen. Das Oberhaupt der katholischen Kirche werde heute in den Vatikan zurückkehren und am Sonntag das Angelus-Gebet sprechen, teilte der Vatikan mit. Leo war nach Angaben der Ärzte bei einer Operation am Dienstag der untere Lappen seines rechten Lungenflügels entfernt worden, in dem sich ein bösartiger Tumor befand.
Leos Genesung macht offenbar gute Fortschritte. Am Vortag hatte er sogar schon mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin telefoniert und ihn zu einem Waffenstillstand in der Frontstadt Oleschky im Süden der Ukraine aufgefordert.
Nun teilte der Pressedienst des Vatikans mit, die Entscheidung zur Entlassung des Papstes beruhe auf neuen von seinen Ärzten vorgelegten Untersuchungsergebnissen. «Er wird das Krankenhaus am frühen Nachmittag verlassen und in den Vatikan zurückkehren. Morgen wird er das Angelus-Gebet vom Fenster der päpstlichen Wohnung aus sprechen», stand in der Mitteilung.
Schon zuvor waren die Mitteilungen zur Genesung des 71-Jährigen sehr positiv gewesen. Leo habe sich am Freitag einer Blutuntersuchung und einer Röntgenaufnahme des Brustkorbs unterzogen, hieß es in einer vom Vatikan verbreiteten Mitteilung. Dabei sei «eine anhaltende Verbesserung seines Gesundheitszustands» festgestellt worden. Im Gemelli-Krankenhaus zelebrierte das Oberhaupt der katholischen Kirche zusammen mit einigen Angestellten sogar wieder eine Messe.
Behandelt und operiert wurde Leo in der Klinik im Nordwesten Roms, in der es einen eigenen Trakt für den Papst gibt. Der Vatikan veröffentlichte drei Tage nach der OP erstmals Bilder aus dem Krankenhaus. Darauf ist zu sehen, wie der Pontifex in einer Kapelle der Klinik im Stehen eine Messe feiert. Der gebürtige US-Amerikaner habe sich beim gesamten Personal der Klinik für deren Arbeit bedankt, hieß es.
Klinikaufenthalt war zuvor bis Dienstag geplant
Leo bekommt inzwischen Physiotherapie, was ihm nach der Entfernung des unteren Lappens seines rechten Lungenflügels beim Atmen helfen soll. Ansonsten kann er dem Bulletin zufolge «seine normalen täglichen Aktivitäten völlig selbstständig ausführen».
Weitere Angaben machten die Ärzte bisher nicht. Damit bleibt unbekannt, ob der Papst nach dem 90-minütigen Eingriff nun krebsfrei ist. Bei dem entfernten Knoten handelte es sich um ein sogenanntes Lungenadenokarzinom. Experten zufolge ist dies die häufigste Form von Lungenkrebs.
Experten hielten bereits kurz nach der Operation einen positiven weiteren Verlauf für realistisch. Im besten Fall stehe nach der OP nur Nachsorge an, sagte Jürgen Behr vom Lehrstuhl für Klinische Pneumologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Für Patienten sei der Verlust eines Lungenlappens nicht dramatisch. Er gehe mit etwa 10 bis 20 Prozent Leistungsverlust der Lunge einher, was im Alltag oft kaum auffalle.
Auch Torsten Bauer, Chefarzt der Pneumologie am Helios Klinikum Emil von Behring in Berlin, meinte, wenn die Lungenfunktion von Papst Leo vor der Operation normal gewesen sei, werde er durch den Verlust des Lungenlappens nicht beeinträchtigt sein.
Unklar blieb weiterhin unter anderem, wie groß der Tumor war, ob es weitere Knoten im Lungenlappen gab und ob Lymphknoten befallen sind - all diese Aspekte sind den Experten zufolge entscheidend für die weiteren Aussichten.
Welche weitere Behandlung nach der Entlassung erforderlich ist, wird vermutlich erst nach weiteren Befunden klar. Dabei geht es insbesondere um die Frage, ob sich in der Lunge oder anderen Organen Metastasen gebildet haben. Offen ist auch, ob Leo im November wie geplant eine fast zweiwöchige Reise nach Südamerika antreten kann.