Silvesternachtsbrand

Schweiz: Polizei schützt Barbetreiber vor wütenden Familien

Tränen, Wut und schwere Vorwürfe: Vor der neuen Befragung der Betreiber der Le Constellation-Bar eskaliert die Stimmung zwischen Angehörigen und Beschuldigten. Warum Polizeischutz nötig war.

Angehörige von Opfern beschimpfen die Barbesitzer der als Mörder. Foto: Alessandro Della Valle/KEYSTONE/dpa
Angehörige von Opfern beschimpfen die Barbesitzer der als Mörder.

Crans-Montana/Sitten (dpa) - Angehörige von Opfern der Brandkatastrophe von Crans-Montana haben das Betreiberpaar der Bar, in der das verheerende Feuer ausgebrochen war, heftig beschimpft und bedrängt. Jessica Moretti kam nur mit Hilfe der Polizei in das Gebäude in Sitten im Kanton Wallis, in dem die Vernehmungen stattfinden. Sie war mit ihrem Mann Jacques vor Ort.

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«Mörder», riefen einige Anwesende, und «ihr seid Monster». Unter anderem war die Familie von Trystan (17) dort, einem der 41 Todesopfer der Tragödie. Sie trugen T-Shirts mit dem Foto von Trystan. «Ich bin hier, um Jessica Moretti zu zeigen, dass sie Familien zerstört hat», sagte Trystans Bruder Tobyas (14) dem Portal «20 Minuten». «Dass sie uns in die Augen schaut und sieht, wie es uns geht.» Gegen die Morettis wird wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung sowie fahrlässiger Brandstiftung ermittelt. Sie sind gegen Kaution auf freiem Fuß.

Familien und Anwälte bei Befragung der Beschuldigten dabei 

Bei dem Brand in der voll besetzten Bar Le Constellation war durch funkensprühende Partyfontänen Schaumstoff an der Decke in Brand geraten. Viele Menschen schafften es über die enge Treppe nicht rechtzeitig aus der Kellerbar. Rund 80 Besucherinnen und Besucher wurden teils schwer verletzt, viele von ihnen waren unter 18 Jahren. Einige dürften Monate im Krankenhaus bleiben.

Die Staatsanwaltschaft hatte die Befragung der Beschuldigten eigens auf das Gelände Campus Energypolis verlegt, um möglichst vielen Opferanwälten und Angehörigen die Möglichkeit zu geben, dabei zu sein.