26.000 Euro Kosten: Schriesheimer Mathaisemarkt ohne „Perseria“
16 Jahre lang gehörte die „Perseria“ zum kulinarischen Programm im Ausstellerzelt des Bundes der Selbstständigen. Warum der Gastronom Reza Pazoki dem Mathaisemarkt jetzt eine Absage erteilt hat und welche Verbesserungsvorschläge er für den BdS hat.
Schriesheim. „Der BdS ist nicht schuld, es liegt einfach an den hohen Kosten.“ Das sagt Reza Pazoki und meint die Absage seines Stands im Gewerbezelt; darüber spricht er jetzt mit dieser Zeitung, kurz bevor der Mathaisemarkt an diesem Wochenende in die diesjährige Endrunde geht. 16 Jahre lang gehörte die „Perseria“ zum kulinarischen Programm im Ausstellerzelt des Bundes der Selbstständigen. Anfangs noch zusammen mit dem damaligen Weingut Bartsch, später in Eigenregie, sorgten Köche, Servicekräfte und die beiden Chefs, Sana und Reza Pazoki, für Currys, Pizzen, Salate und vieles mehr. Nicht zuletzt deshalb haben die Wirtsleute die sprichwörtliche „Träne im Knopfloch“, dass sie diesmal nicht dabei sind. Nach der Welde-Bar sei man der älteste Gastro-Stand, gibt der gelernte Koch zu bedenken. Aber: „Es hat sich viel geändert in diesen Jahren, das waren andere Zeiten.“
Das Zelt werde leerer und das, obwohl es diesmal zehn Meter kleiner ausfalle als sonst. Doch auch in früheren Jahren, sagt er, habe man mit dem Stand keinen Gewinn gemacht: „Wir haben anfangs teilgenommen, um Fuß zu fassen und uns vor Ort einen Namen zu machen.“ Das klappte, es kamen Catering-Aufträge herein, und die Besucher lernten das Restaurant kennen. Doch von Anfang an waren Pazokis auf Freunde und Verwandte angewiesen, die halfen, sodass am Ende alles „Null auf Null“ aufging.
„Mit der Schubkarre“
Mancher Gast habe unterstellt, dass die Wirte „das Geld mit der Schubkarre raustragen“. Doch nun zählt er die Kosten auf, macht einmal ohne Umschweife Kassensturz und bemerkt: „Viele wissen nicht, was wir für Kosten haben.“
Jahrelang mieteten die Veranstalter auch noch Kühlwagen, Bänke, Kühlschrank und Mobiliar, bis sie es nach und nach anschafften. Die Miete lag bei 1.500 Euro. „Das ist alles ohne Mehrwertsteuer, da kommen noch 19 Prozent drauf“, seufzt der Gastronom und fügt hinzu: „Und bis dahin haben wir noch keinen Euro verdient.“
Macht alles in allem 13.000 bis 14.000 Euro. Auf die noch etwa 9.000 Euro für Getränke und die „Rohstoffe“ für die Gerichte kommen, Servietten und vieles mehr: „Tausend Sachen.“
Obendrauf kämen zudem Personalkosten, die der Betrieb bisher dank der vielen Helfer klein halten konnte: „Ohne sie hätten wir es nicht geschafft.“ Pro Schicht wurde mit sieben bis acht Personen kalkuliert; gearbeitet wurde immer von 10 bis 24 Uhr. Um 23 Uhr gingen die letzten Gäste, danach wurde aufgeräumt, geputzt, geplant für den kommenden Tag. Ausruhen: Fehlanzeige. Da kreisten bei den Gastgebern noch die Gedanken bis tief in die Nacht. Unterm Strich rechnet Pazoki bei acht „aktiven“ Mathaisemarkttagen im Zelt mit Kosten von etwa 26.000 Euro, und es werde zunehmend schwer, die wieder „reinzuholen“.
Die Teuerungen der vergangenen Jahre sorgten für Kopfzerbrechen, dazu Mindestlöhne für alle Servicekräfte: „Und ich kann die Preise nicht erhöhen.“ Sieben, acht Euro für eine Pizza, das war der Standard, aber: „Da lege ich drauf.“ Er wolle dem BdS deshalb keine Vorwürfe machen, sieht, wie gering dessen Spielraum ist, und bedauert diesen Umstand. Vorsitzender Rolf Edelmann, der das Zelt seit Jahren „managt“, könne auch nicht anders rechnen: „Der BdS muss teures Heizöl kaufen und das teure Zelt mieten.“ Und Edelmann engagiere sich sehr für den Auftritt der Gewerbetreibenden. Nicht zuletzt wegen des jahrelangen, guten Einvernehmens bedauert er die Absage dieses Jahr.
Was würde er anders machen, wenn er könnte? Zwei Dinge, überlegt Pazoki. Bei einem rechnet er zwar mit der Skepsis des BdS, spricht es aber trotzdem an: „Gewerbebetriebe und Gastro sollten ihre Plätze im Zelt tauschen.“ Denn so könne hinten zeitig geschlossen werden, während die Wirte länger offen lassen könnten. Außerdem ließe sich so die Lärmbelastung für die Anwohner verringern.
Vorbild Maimarkt
Der zweite Vorschlag: Ihm schwebt ein Aufbau ähnlich dem beim Mannheimer Maimarkt vor: viele kleinere Stände, die sich um eine gemeinsame Fläche mit Tischen und Bänken gruppieren. Die Stände könnten von allen Schriesheimer Winzern und Gastronomen betrieben werden, die Stadt könnte das Projekt durch einen Zuschuss fördern. So wäre die Beteiligung erschwinglich, alle dürften sich präsentieren: „Und es geht drum, das Gewerbezelt nicht sterben zu lassen.“ Denn es gehöre zur Kultur der Stadt.