400 Menschen bei Kundgebung vom Demokratischen Netzwerk Weschnitztal in Mörlenbach
Gegen „einfältigen Populismus“ und für Zukunftsperspektiven war das Motto der Kundgebung „Denkmol!“ vom Demokratisches Netzwerk Weschnitztal auf dem Mörlenbacher Rathausplatz.
Mörlenbach. Die Glocken der katholischen und der evangelischen Kirche in Mörlenbach läuteten zum Zeichen der Solidarität, als sich am Sonntag, 16. Februar, rund 400 Demonstranten zu einer Kundgebung für Demokratie und Vielfalt auf dem Mörlenbacher Rathausplatz versammelt hatten. Aufgerufen zu dieser „Stunde der Demokratie“ hatte die Initiative „Denkmol – Demokratisches Netzwerk Weschnitztal“. Die Veranstalter hatten ein buntes Programm zusammengestellt, das Redebeiträge, Musik sowie einen „Science Slam“ beinhaltete, eine prägnant formulierte, wissenschaftliche Darstellung.
Mitinitiatorin Marina Schaab berichtete in ihrer Auftaktrede, dass man vielen Unterstellungen und Anschuldigungen begegne, wenn man für Vielfalt und Demokratie auf die Straße gehe. „Als Schlafschafe, Heuchler und linksextrem werden wir bisweilen bezeichnet“, betonte Schaab, die klarstellte, dass der Verein jede Form von Gewalt sowie deren politische Instrumentalisierung verurteile und auch nicht die Regierungsparteien protegierte.
Andere Themen
Sie kritisierte, dass im derzeitigen Wahlkampf viele wichtige Themen wie Klima- und Umweltschutz, die Sicherung der Rente, bezahlbarer Wohnraum, die Verkehrswende oder der Fachkräftemangel, für dessen Bewältigung eine moderne Zuwanderungspolitik notwendig sei, kaum eine Rolle spielten. „Stattdessen ist im Wahlkampf einfältiger Populismus vorherrschend, der gesamte Diskurs ist komplett nach rechts außen verrutscht, und viele große Parteien, einschließlich eines großen Teils der Medienlandschaft, machen in vorauseilendem Gehorsam mit.“
Fehlende Perspektiven durch die Politik beklagte Rednerin Sina Heßner: „Die Kinder in der Schule lernen mehr über Krisen, Kriege und Konflikte als über Zukunftsperspektiven und echte Lösungen.“
Die Politik verspreche kurzfristige Reparaturprogramme, dagegen fehlten jedoch langfristige Konzepte, so Heßner. Kurz vor dem Geburtstag des Schengener Abkommens stellten sich deutsche Politiker in die Reihen solcher Länder, die die Ideale der europäischen Gemeinschaft mit Füßen treten. „Wir treffen eine Wahl, von der knapp 85 Millionen Menschen – und auch Menschen über die Grenzen Deutschlands hinaus – betroffen sein werden.“
Neben Wortbeiträgen gab es viel Musik. So spielte die Denkmol-Band, die sich an diesem Tag aus den Musikern Sina Heßner, Marina, Michael und Frieda Schaab, Kim Janske, Ivan Schäfer sowie Jenny Marquard zusammensetzte. Schäfer begeisterte auf der Gitarre außerdem mit einem Solo-Auftritt.
Gegen antidemokratische Parteien
Zu hören waren an diesem Nachmittag außerdem die Band „Santa Muerte“ und Musiker von „Idiots in the Crowd“. Zwischen den Musikstücken wurden kürzere Wortbeiträge verlesen, so zum Beispiel von den Schülern Mathilda Hoppe, Emma Oberle und Nina Axt. Die Juristin Nina Lanzer begeisterte mit einer unterhaltsam gestalteten Erläuterung zum Thema Verfassung.
Die Abschlussrede hielt Peter Blatt. Der Fürther Grünen-Gemeindevertreter hob hervor, dass die Demokratie zwar Fehler und Schwächen habe, aber dass es keine andere Staatsform gebe, die in gleicher Weise die Rechte der Menschen festschreibe.
„Das größte Risiko einer Demokratie liegt immer in der Möglichkeit, dass sie sich selbst freiwillig durch die Wahl antidemokratischer Parteien abschafft“, erklärte Blatt. Wer solche Parteien unterstütze und wähle, bereite den Boden für eine „autokratische, von Willkür und Unsicherheit geprägte Staatsform“ vor. Es sei eine Illusion, zu glauben, dass man in einem autoritären Regime sicher leben könne, wenn man sich anpasse. „Wer durch seine Wahlentscheidung die Demokratie schwächt, wer antidemokratisch oder gar nicht wählt, beteiligt sich direkt am Abbau der Demokratie“, betonte Blatt. Er schloss mit mahnenden Worten: „Wer das tut, darf sich nicht wundern, wenn er eines Tages in einem Land aufwacht, in dem seine persönlichen Rechte keine Rolle mehr spielen, sondern die Mächtigen ohne Recht und Gesetz entscheiden, was sie wollen.“
von Philipp Schaab