Bei der Fastnacht in Unter-Schönmattenwag hält der Bürgermeister seine Versprechen
Welche Stammgäste und Neuzugänge beim viereinhalbstündigem Fastnachts-Programm im Wald-Michelbacher Ortsteil Schimmeldewog auf der Bühne stehen.
Wald-Michelbach. Brechend voll war das Haus des Gastes, als der CV Kapital zur letzten Prunksitzung der Fastnachtssaison am Rosenmontag einlud. Passend zum Motto „Zeitreise in die Vergangenheit“ hatten die Narren aus dem Wald-Michelbacher Ortsteil Unter-Schönmattenwag – auch bekannt als Schimmeldewog – eine Zeitmaschine vorbereitet, an der Sitzungspräsident Sebastian Siefert im Lauf des viereinhalbstündigen Programms mehrfach drehte. Dass sie nicht so ganz fehlerfrei funktionierte, schien dabei niemanden zu stören. Denn die Aktiven rund um Siefert und seine Mitorganisatorin Katharina Zink, die schließlich auch selbst zum Mikrofon griff und die Schunkelrunde gesanglich aufpeppte, hatten einen Abend zusammengestellt, an dem Stammgäste und Neueinsteiger gleichermaßen auf der Bühne standen und kaum ein Akteur ohne Zugabe von der Bühne gehen durfte.
Von Garde bis Showtanz
So sind zum Beispiel die Hirschhorner Ritter nicht mehr aus dem CVK-Programm wegzudenken. Mit der Mini-Garde müssen sich die Narren aus dem Neckartal wohl keine Sorgen um den Nachwuchs machen. Die über 20-köpfige Gruppe verzückte die Zuschauer und verdiente sich die erste Rakete des Abends gleichermaßen. Gardetanz der Extraklasse präsentierte auch der vierköpfige Solistenblock aus Hirschhorn – erst jede einzeln und schließlich zusammen sprangen sie scheinbar mühelos ins Spagat und schwangen die Beine bis auf Kopfhöhe durch die Luft.
Aber auch die Garde der Gastgeber stand ihnen in nichts nach. Die Minis hatten sich von Dschingis Khan inspirieren lassen und zeigten aller Aufregung zum Trotz reichlich Kampfgeist. Die junge und die große Garde, sonst immer zwei Gruppen, standen in diesem Jahr gemeinsam auf der Bühne und entführten in die 1920er- und 1930er-Jahre – damals nämlich wurde die Gardetradition beim CVK begründet. Zu instrumentalen Versionen bekannter Pop-Hits zeigten sie in ihrer blauen beziehungsweise schwarzen Kluft, was sie draufhaben.
Überzeugen konnte die Rosenmontagssitzung auch mit den hochkarätigen Showtänzen, die das Publikum begeisterten. Mit der Formation „Dance-Fusion“ von der SVG Nieder-Liebersbach ging es ins Jahr 2008, in dem die amerikanische Autorin Suzanne Collins den ersten Band des Phänomens „Die Tribute von Panem“ veröffentlichte. In praktischer Kampfkluft und wie die Titelheldin mit einem Pfeil bewaffnet bewegte sich die Formation zu Power-Beats. Ihre SVG-Kollegen von der Gruppe „Elements“ hatten sich dagegen vom mexikanischen „Día de los Muertos“, also dem Tag der Toten, inspirieren lassen und kombinierten Totenschädel-Make-up mit farbenfrohen Kostümen. Aus Hirschhorn war die Gruppe „Rhythmix“ gekommen – mit der Legende des Wolpertingers im Gepäck. Denn das bayerische Fabeltier, das als Mischwesen aus mehreren Arten beschrieben wird, sei im Neckartal gesichtet worden. Die Wolpertinger schlugen dem Fänger jedoch choreografisch ein Schnippchen.
Böse Bütten und derbe Witze
Stammgast in Schimmeldewog ist Tanja Kunkel alias Apollonia von den Freunden des Karnevals Löhrbach. Sie hatte mehrere kuriose Anekdoten von ihrer jüngsten Kreuzfahrt im Gepäck: von den übereinandergestapelten, an Käfighaltung erinnernden Kabinen über den „Steh-Wart“ und den „Deck-Offizier“ bis hin zum Bullauge, das sie glatt mit einer Waschmaschine verwechselte. Ihren Geschmack scheint die Luxus-Kreuzfahrt aber nicht ganz getroffen zu haben. So wollten der Guten die Chips, die im Bordkasino verwendet wurden, nicht so richtig schmecken, und das vermeintliche Schnäppchen des Flatrate-Getränkepakets sei durch die Happy Hour zerstört worden. Und auch die Sitzplatzwahl direkt am Büfett hatte sich als die falsche entpuppt, als ein Teller voll Pfannkuchen mit einer Ladung Fleischspieße zusammenstieß und sie ins Kreuzfeuer zog.
Auch die Kerwejugend aus Unter-Schönmattenwag steuerte wieder einen Beitrag bei und begab sich mit einem „Best of“ aus vergangenen Kerwereden auf eine Zeitreise, die auch bildlich dargestellt wurde. So lebten die Geschichten von dem mit dem Auto verkauften Haustürschlüssel, von der fast verhängnisvollen Bratwurst an Karfreitag, dem viermal an einem Tag geblitzten Autofahrer und dem nicht jugendschutzkonformen, nach der Prunksitzung übrig gebliebenen Getränkerest bei der Kinderfaschingsparty wieder auf.
Ein Höhepunkt des Abends dürfte es wohl gewesen sein, als Bürgermeister Dr. Sascha Weber und CCA-Ehrenpräsident Norbert Gölz ihr Versprechen, das sie im vergangenen Jahr während der feucht fröhlichen After-Party gegeben hatten, einlösten und selbst in die Bütt stiegen. Der Rathauschef und der ehemalige Polizist nahmen sich selbst und das Beamtendasein gehörig auf die Schippe. Schließlich sei „Politiker“ der älteste Beruf der Welt. Zwar habe Gott die Welt aus dem Chaos erschaffen, aber wer sei denn für jenes Chaos verantwortlich? Die beiden hatten aber noch weitaus derbere Witze im Gepäck, die das Publikum mehr als einmal „Uiuiui“ und „Auauau“ singen ließen.
Männerballett kehrt zurück
Das Männerballett, das bisher im CVK-Programm fehlte, feierte seine Rückkehr und lieferte sich ein generationsübergreifendes Tanzbattle. Während die Alten zu „Hit The Road Jack“ das Tanzbein und den Gehstock schwangen, zeigten die Jungen, dass sie in Sachen Ausstrahlung Ikonen wie Britney Spears in nichts nachstehen. Premiere feierte auch die Truppe der Freiwilligen Feuerwehr Schimmeldewog. Diese hatte ihre Einsatzkleidung gegen Neon-Aerobic-Kleidung getauscht und sorgte mit einem gekonnten Hüftschwung für Begeisterung.
Nach einem kurzen Intermezzo, bei dem die Putzkolonne glatt einen Abend zu früh auftauchte und mit dem Wischer in der Hand rockte, ging es schließlich mit „Ratz Fatz“ ins antike Ägypten, wenngleich die musikalische Untermalung um einiges moderner war. So trafen sich eine energetische Choreografie und opulenter Goldschmuck. Die Tänzerinnen der Formation „Next Edition“ griffen dagegen als Amazonen zum Speer. Sie erzählten in ihrer Choreografie von einem Freiheitskampf gegen böse Mächte, aus dem sie siegreich hervorgingen. Mit dem großen Finale und einem Dank an alle Helfer läutete Siefert dann die After-Party mit DJ M.T.S. ein.