Birkenau: 200 Darts-Spieler beim Abschlussturnier der Freien Dart Liga
Abschlussturniere in der FOX Lounge am Festplatz in Birkenau. Beim offenen Wettbewerb können alle mitmachen.
Birkenau. Das Spielprinzip ist an sich ganz einfach: Ein Spieler positioniert sich knapp zweieinhalb Meter von einer runden Scheibe entfernt und versucht diese, mit einem kleinen, maximal 16,8 Zentimeter langen und höchstens 21 Gramm schweren Pfeil zu treffen. Das ist an sich nicht sonderlich schwierig, aber schnell wird die Einfachheit zur Kunst, wenn es darum geht, mit einer möglichst geringen Anzahl an Würfen die größtmögliche Punktzahl zu erzielen. Die runde Scheibe, das Dartboard, ist nämlich in 20 gleich große Segmente unterteilt, die in etwa die Form eines dünnen, gestreckten Tortenstücks haben.
Je nachdem, in welchem Segment der Pfeil, der Dart, landet, kann der Spieler zwischen 1 und 20 Punkten erzielen – jedenfalls grundsätzlich. Hinzu kommen nämlich noch zwei auf der Scheibe angebrachte, aus Drähten bestehende Ringe, einen äußeren großen und einen kleineren in Richtung Mittelpunkt. Ein Treffer dort zählt doppelt (im äußeren Ring) oder gar dreifach im kleineren. Wer also zum Beispiel das Segment 20 im inneren Ring trifft, erhält dafür (20 mal drei) 60 Punkte. Damit ist nicht, wie oft irrtümlich angenommen, die unmittelbare Scheibenmitte (das Bull’s Eye) die punkteträchtigste Stelle – hier gibt es 50 Punkte – sondern in der Tat das „Triple 20“.
Was das alles mit Birkenau zu tun hat? Die Sonnenuhrengemeinde wurde für das Abschlussturnier der Freien Dart Liga (FDL) auserkoren. Am Samstag, 15. Februar, ab 14 Uhr, wird die FOX Lounge am Platz La Rochefoucauld Austragungsort dieser Wettbewerbe sein. Dabei kam die Lokalität mit ihrem Inhaber Miles Moulder eigentlich wie die Jungfrau zum Kind zu der Ehre, die insgesamt drei Turniere an diesem Samstag auszutragen. „Die ursprünglich ausgewählte Spielstätte hat zum Jahreswechsel den Betrieb eingestellt und so fiel die Wahl auf Birkenau“, berichtet Moulder im Gespräch mit unserer Redaktion.
Mehrere eigene Mannschaften
Dass die FDL-Organisatoren mit der FOX Lounge eine gute Wahl getroffen haben, zeigt sich allein daran, dass dort auf zwei Etagen verteilt acht E-Dart-Automaten und zwei Steel-Dart-Anlagen stehen. Das Lokal verfügt übrigens über eine ganze Reihe „eigener“ Mannschaften, von denen zwei – ein B- und ein Bezirksligateam – unter dem Dach des Deutschen Sportautomatenbunds (DSAB) und fünf in der FDL organisiert sind (dreimal C- sowie je einmal B- und A-Klasse). Die Steel-Dart-Mannschaft belegte in der Saison 2024 in der Rhein-Hessen-Liga den ersten Platz. Das gelang auch Philipp Wolk aus Nieder-Liebersbach, einem Nachwuchstalent der FOX Lounge, in der Einzelrangliste.
Zu jeder Mannschaft gehören mindestens vier Spieler – einige mehr wären besser, um Auswechslungen vornehmen zu können –, an deren Spitze der Kapitän steht, der nicht nur die Spielpläne ausarbeitet, sondern auch für die Mannschaftsaufstellung verantwortlich ist, wie Marcus Wohlgemuth erklärt, der selbst Kapitän eines Teams mit dem Namen „Raccoons“ ist.
Erwartet werden am 15. Februar etwa 150 bis 200 Spieler aus Nordbaden und Südhessen, die meisten davon aus dem Rhein-Neckar-Kreis und dem Kreis Bergstraße. Gespielt wird ab 14 Uhr zunächst in einem gemeinsamen Einzelturnier mit Spielern aus der FDL-C- und -B-Klasse, für das sich alle Spieler – und nur die – qualifiziert haben, die in der zu Ende gehenden Runde in einer der beiden Klassen aktiv waren. Hier lautet der Modus „301“, bei dem die Spieler von dieser Zahl ausgehend auf null kommen müssen.
Hier kommt es zunächst darauf an, möglichst hohe Werte zu erzielen (zum Beispiel die Triple 20), was bei drei Würfen, über die die Aktiven abwechselnd verfügen, gleich mal 180 Punkte bedeuten kann – für den Hobbyspieler ein schwieriges Unterfangen, auch wenn es in der FOX Lounge durchaus Spieler gibt, denen das Kunststück 20- bis 40-mal im Monat gelingt.
Offenes Turnier und Preisvergabe
Die erzielten Ergebnisse werden dann so lange von den 301 Ausgangspunkten subtrahiert, bis irgendwann die Null erreicht und damit der Sieger des Durchgangs ermittelt ist.
Übrigens: Wirft ein Spieler in einer Runde mehr Punkte als die ihm verbliebenen, sind seine Würfe dieser Runde ungültig. Dieses nennt man „überwerfen“.
Um 17 Uhr schließt sich ein offenes Turnier an, an dem jeder, vom Kind bis zum Greis, ob in einem Verband organisiert oder nicht, ob Hobby- oder Bundesligaspieler, mitspielen darf. Hier wird nach dem Modus „501“ gespielt, für den sinngemäß die gleichen Regeln gelten wie beim „301“. Die Siegerehrung und Preisverleihung an die erfolgreichen Mannschaften der Verbandsrunde ist für die Zeit von 18 bis 19 Uhr vorgesehen. Danach heißt es dann DYP, draw your partner, bei dem die Spielpartner per Los zugewiesen werden. Hier besteht der Sinn darin, Zweierteams mit unterschiedlicher Spielstärke zu bilden und vielleicht auch mal einem Hobbyspieler mit wenig Erfahrung eine Siegchance zu geben.
Kommt ein WM-Teilnehmer?
Gut möglich, dass am 15. Februar auch Spitzenspieler Sascha Stein mal wieder vorbeischaut. Der Nieder-Liebersbacher war 2014 berechtigt, an der Bull’s Super League Germany teilzunehmen. Er erreichte das Finale, doch verlor dieses mit 8:10 gegen Max Hopp. Der Sieger des Turniers qualifizierte sich für die PDC-Weltmeisterschaft 2015 in London. PDC, die Professional Darts Corporation, ist neben der World Darts Federation (WDF) einer der Welt-Dartsverbände, wobei die PDC als der prestigeträchtigere von beiden gilt. Da Hopp sich schon vorher für diese WM qualifiziert hatte, rückte Stein als Finalist nach.
Dort traf er in der Vorrunde auf den Finnen Kim Viljanen, den er mit 4:1 schlug und damit in die erste Hauptrunde einzog. Dort spielte er gegen Stuart Kellett, den er mit 3:1 schlagen konnte. In der zweiten Runde (Last 32) wartete dann aber die damals amtierende Nummer 1 der PDC, Michael van Gerwen. Stein gewann überraschend den ersten Satz, doch er verlor am Ende mit 1:4.
Nach wie vor im Aufwind
Darts als Freizeitbeschäftigung ist nach wie vor im Aufwind, wie auch Miles Moulder und Marcus Wohlgemuth bestätigen. So sei die FOX Lounge bei ihrer Eröffnung 2021 gar nicht als Darts-Lokal konzipiert gewesen. „Ich bin da mehr oder weniger reingerutscht“, sagte der 31-jährige Inhaber. Und: „Ich habe den Eindruck, das Interesse an Darts wächst ungebrochen weiter, vor allem an der Bergstraße und im Odenwald“ – eine Beobachtung, die Wohlgemuth mit nur einer Zahl bestätigt: „Wir haben allein in Birkenau 60 Spieler.“ Am 15. Februar sind übrigens auch Gäste willkommen, die Freude daran haben, den Spielern zuzuschauen, und die vielleicht irgendwann auch selbst mal zum Pfeil greifen. Darts, ein Phänomen zwischen Freizeitgestaltung und Präzisionssport, macht allen Spaß, die sich jemals an der runden Scheibe probiert haben. Bleibt eigentlich nur noch: „Good Dart“!