Chanson-Abend in der Nibelungenhalle
Beim Chanson-Abend mit Sänger Charly Djivanides und Pianistin Oxana herrschte eine Atmosphäre wie im französischen Bistro. Der Abend fand im Rahmen des Jubiläumsjahres des Freudeskreises Bédarrides statt.
In diesem Jahr feiert der Freundeskreis Bédarrides sein 40-jähriges Bestehen. Im Rahmen dessen fand am vergangenen Wochenende ein Chanson-Abend in der Nibelungenhalle statt.
Der Abend war ausverkauft. Über 200 Gäste wollten Sänger Charly Djivanides und Pianistin Oxana Schmiedel auf der Bühne sehen. Djivanides ist in der Region Neckar-Odenwald als singender Gastronom und Inhaber des französischen Bistros „Chez Charles“ in Birkenau bekannt. Außerdem hat er unter anderem den Jazzkeller „Club 55“ in Eberbach ins Leben gerufen und singt im Rokokotheater in Schwetzingen. Seine dunkle Stimme mit dem warmen Timbre harmonierte an diesem Abend wunderbar mit den französischen Liedern.
Ergänzt wurde das Programm durch ein Buffet mit französischen Spezialitäten wie Oliven, Schafs-käse, Salami und Wein. „So frisch gibt es das sonst nur in Bédarrides“, sagte Grasellenbachs Bürgermeister Markus Röth mit einem Lächeln.
Melodien zum Mitsummen
Mit „C’est si bon“, einem Chanson von Yves Montand, begrüßte der singende Gastronom die Gäste. „Ich bin Charly und ich bin ein bisschen aufgeregt“, gab er zu. Bereits mit „Et maintenant“ von Gilbert Bécaud überzeugte er aber das Publikum. In seinem weißen Hemd mit blauen Punkten leuchtete er auf der Bühne, wie einst „Monsieur 100 000 Volt“, Gilbert Bécaud, höchstpersönlich, denn der trug bei seinen Konzerten immer einen Anzug mit gepunkteter Krawatte.
Djivanides Reibeisenstimme und Schmiedels temperamentvolles Klavierspiel wirkten perfekt bei Bécauds Liedern „L’important c’est la rose“, aber auch bei „Revons“ und „Nathalie“. Das Liebeslied, über die russische Fremdenführerin Nathalie im kalten Moskau hatte Bécaud schon zu seinen Lebzeiten auch auf Deutsch gesungen. Zumindest den Refrain konnten alle im Saal mitsummen.
Immer wieder fragte Charly, ob denn auch Franzosen unter den Gästen seien. Ein Ehepaar aus Paris meldete sich. Neben Liedern von Bécaud, der nach dem Zweiten Weltkrieg als Pianist andere Chansonniers auf deren Welttourneen begleitete, sang Djivanides auch Lieder von Charles Aznavour, sowie „La Mer“ von Yves Montand, im Original von Charles Trenet. Als „Atmosphäre wie in einem französischen Bistro und das in der Nibelungenhalle“, beschrieb die Schriftführerin vom Freundeskreis Bédarrides, Irmgard Maurer, den Abend.
Widmung für die Eltern
Chansonnier Charly erklärte später dem Publikum: „Ich komme von der Mittelmeerinsel Korsika, mein Vater ist Grieche und meine Mutter ist Italienerin. Für sie singe ich ,Tivoli res‘“. Das Chanson spiegelt wunderbar die Atmosphäre der Mittelmeerinsel Korsika wieder, die zwischen Sardinien und der französischen Küste liegt. Seinem griechischen Vater widmete er „Le Métèque“ von Georges Moustaki, dessen aufrüttelnde, politische Lieder in den 1970er-Jahren viele Jugendliche begeistert haben. Viele Besucher sangen mit und Charly tanzte Sirtaki, den griechischen Männertanz.
„Ne me quitte pas“, auf Deutsch „verlass mich nicht“, im Original von Jacques Brel, begeisterte die Zuhörer in der Nibelungenhalle so sehr, dass sie „Bravo“ riefen. Genauso überzeugte sie „Formidable“ von Charles Aznavour und „La belle vie“ von Sascha Distel. Zum Abschluss sang er mit „La vie en rose“, das durch Édith Piaf berühmt wurde. „Das Leben durch die rosarote Brille“, wie das Stück auf Deutsch heißt, beschreibt episodenhaft das schwierige Leben der Chansonnette. Viele Chansonsänger lebten in bitterer Armut: Sie hatten lediglich einen Anzug oder ein Kleid für den Auftritt und schliefen zur Not unter der Brücke. Mitsingen konnte und durfte das Publikum auch bei „Sur le pont d’Avignon“, einem französischen Volkslied aus dem 15. Jahrhundert.
Das Publikum belohnte die Künstler mit viel Applaus. Erst nach mehreren Zugaben durften sie die Bühne verlassen. Die Kommunikation der beiden Musiker begeisterte das Publikum ebenfalls – diese ging bei Schmiedel über das reine Begleiten am Klavier hinaus und Djivanides hatte ebenfalls sichtlich Spaß.
Der Vorsitzende des Freundeskreises Bédarrides, Edgar Schmidt, dankte den Musikern für den gelungenen Auftritt. Beide erhielten ein kleines Dankespräsent mit französischem Thema. Die Pianistin nahm einen Topf blauem Lavendel – der Duftpflanze der Provence – mit nach Hause und der Sänger freute sich über Spezialitäten aus der Provence.
40 Jahre Verschwisterung
Seit nun mehr 40 Jahren sind Grasellenbach und Bédarrides in der Provence nun verschwistert. „Wir haben damals eine französische Partnergemeinde gesucht, um private Kontakte zu knüpfen“, erklärte Vorsitzender Schmidt. Über ein Fußballspiel und einen privaten Kontakt in Wald-Michelbach kam die Idee zu einer Partnerschaft mit Bédarrides im Department Vacluse in der Region Provence-Alpes-Côtes d’Azur. Beide europäischen Gemeinden haben als kleine, europäische Orte mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Da hilft ein direktes Kennenlernen der französischen Nachbarn ebenso wie die Gespräche über Naturschutz, Landwirtschaft und Migration.
Schnell seien die Franzosen bereit gewesen, Austauschschüler der Eugen-Bachmann-Schule und der Ulfenbachtalschule aufzunehmen –und in Grasellenbach war es umgekehrt genauso. „Man besuchte sich gegenseitig als Freunde“, sagte Schmidt. Zum Beispiel die Freiwillige Feuerwehr Grasellenbach sei zu Gast bei ihren französischen Kollegen gewesen. Jugendcamps, unterstützt vom Deutsch-Französischen Jugendwerk, wurden außerdem organisiert.
Der Vorsitzende des Freundeskreises und der Bürgermeister hofften, mit dem gelungenen Abend einige neue Interessenten für den Freundeskreis gewonnen zu haben. Denn, „wir sind auf der Suche nach neuen Mitgliedern, die Lust haben, den kulturellen Austausch aufrechtzuerhalten“, erklärte Schmidt. gg