Chef hat selbst mitgeholfen: Warum HTI in Fürth 2000 Bäume pflanzt
Das Unternehmen HTI Eisen-Rieg KG aus Groß-Zimmern hat 2000 Laubbäume gespendet, damit in Fürth ein Trinkwasserwald entstehen kann.
In der Gemeinde Fürth entsteht ein Trinkwasserwald. 2000 neue Laubbäume werden in einem Waldstück oberhalb der Wegscheide gepflanzt und sollen dort zukünftig die Trinkwassergewinnung weiter steigern. Denn im Vergleich zu Nadelwaldmonokulturen führen Laubmischwälder dem Grund- beziehungsweise Trinkwasser deutlich mehr Wasser zu. Im Bundesmittel sind das dauerhaft 800.000 Liter pro Jahr und Hektar.
Initiiert wurde dieses Projekt vom Fachgroßhandel HIT Eisen-Rieg KG mit Sitz in Groß-Zimmern. "Uns liegt der Klimaschutz am Herzen und wir versuchen mit unterschiedlichen Nachhaltigkeitsprojekten sukzessive in den nächsten fünf Jahren eine klimaneutrale Bilanz zu erreichen“, verdeutlichte es Stefan Ritter, Geschäftsführer der HTI Eisen-Rieg KG. Ein Bienenstock auf dem Firmengelände steht schon seit längerem, eine Photovoltaikanlage ist in Planung und der Trinkwasserwald ist ein weiterer Baustein zu diesem Vorhaben. „Wir liefern unter anderem Rohrsysteme und was dazu gehört für die private und öffentliche Wasserversorgung, weshalb wir uns mit dem Trinkwasserwald auf besondere Weise identifizieren können“, erklärte Ritter, der sich zur Umsetzung dieser Klimaschutzmaßnahme an den Verein Trinkwasserwald e.V. wendete, der bereits viele solcher Aktionen mit Firmen durchgeführt hat.
Vorteil von Mischwäldern zu Monokulturen
- Die Grundwasserbildung erfolgt aus Nebel, Regen, Schnee und Hagel. Im Vergleich zum freien Feld, bietet der Waldboden eine Sickerfläche, in die Niederschläge langsamer eindringen.
- Nadelbäume haben dabei einen geringeren Grundwassereintrag, da diese auch im Winter ihre Nadeln behalten, auf denen das Wasser haften bleibt und in die Atmosphäre verdunstet, anstatt zu Boden zu fallen und als Grundwasser zu versickern.
- Da Laubmischwäldern im Winter kein Laub tragen, kann mehr Regen auf den Waldboden fallen und ins Grundwasser versickern. Im Sommer verhindert zudem der schattige Laubwald die Entstehung der schwammartigen Grasflächen. So bildet sich durch Laubwälder mehr neues Grundwasser als im Nadelwald
- Darum sind Mischwälder sowohl gut für die Trinkwassergewinnung als auch für die Risikostreuung, falls eine oder mehrere Baumarten ausfallen oder in ihrer Vitalität beeinträchtigt werden. Sie können durch positive Interaktionen zwischen Baumarten auch die Resistenz und Resilienz der Ökosysteme hinsichtlich der Bereitstellung vielfältiger Ökosystemleistungen erhöhen
Geschäftsführer legt selbst mit Hand an
Dabei legte der Geschäftsführer bei der Pflanzung der Bäume selbst mit Hand an und konnte auch einige seiner Mitarbeiter nebst Familien hierfür begeistern. Unterstützt wurden die rund 25 Personen dabei vor Ort durch das Team von Trinkwasserwald e.V. unter der Regie von Dr. Katharina Meyer-Schulz, der Leitung des forstfachlichen Bereichs des Vereins. Auch die gemeindlichen Waldarbeiter Dirk Goldberg und Jürgen Strasser sowie die zuständige Försterin Anabel Hess waren mit von der Partie und hatten bereits die ersten Vorarbeiten geleistet: Mit einem Verbissschutz, damit die neuen Bäumchen vor Rehen und anderen Wildtieren geschützt sind, hatten sie das Areal eingezäunt und Markierungen, in welchem Abstand die Jungpflanzen gesetzt werden sollen, vorgenommen.
Nach einer kurzen Pflanzeinweisung legten die Frauen, Männer und Kinder in Kleingruppen los. Dabei galt es die Abstände zu beachten, in der vorgegebenen Reihe zu setzen und ein gewisses Maß an Flexibilität war gefragt. Denn manchmal musste man aufgrund von Steinen oder Wurzeln den Standort nochmal leicht versetzen, um die nötige Stabilität für den Setzling zu gewährleisten.
Was aktuell noch aussieht, wie ein Ast, der aus dem Boden ragt, wird schon in wenigen Jahren ein Baum mit einem Blätterdach sein.
Dass die Arbeit nicht nur anstrengend war, sondern auch viel Spaß machte, konnte man den Teams ansehen. Zudem wurde mit der Führung „Erlebniswelt Wald“, die parallel zum Bäume pflanzen stattfand, noch allerhand Wissen vermittelt und das ökologische Bewusstsein der Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit realem Bezug gestärkt. Beim Erleben des Waldes wurden die komplexen Zusammenhänge und Kreisläufe der Natur verdeutlicht.
Umweltschutzverein Trinkwasserwald gab den Anstoß
Während des Pflanzaktionstages der HIT Eisen-Rieg KG konnten nicht alle der 2000 gespendeten Laubbäume gesetzt werden. Die weiteren Pflanzungen übernehmen die Waldarbeiter der Gemeinde Fürth gemeinsam mit Försterin Anabel Hess. Letztere freute sich besonders, dass der Verein Trinkwasserwald e.V. mit diesem Projekt auf sie zukam. „Ich war schon einmal bei einer solchen Pflanzaktion in Weilrod mit dabei“, war Hess der 1995 gegründete gemeinnützige Umweltschutzverein bestens bekannt. Der Trinkwasserwald in ihrem neuen Einsatzgebiet in Fürth ist durch die Pflanzung weiterer Baumarten ein guter Beitrag zur Naturverjüngung. Denn die Eichen, Hainbuchen und Ebereschen bilden mit den bereits vorhandenen Fichten und Douglasien einen Mischwald, der ideale Voraussetzung bietet, für eine Risikostreuung sorgt und bewirtschaftbar bleibt. Durch das Pflanzen unterschiedlicher Baumarten kann die natürliche Reproduktion unterstützt werden. Die Resilienz von Mischwäldern ist meist höher als die von Monokulturen. So sieht die Schaffung klimarobuster Wälder im Bundesforst die stabile, strukturreiche und standortgerechte Entwicklung von Mischwäldern vor.
Was steckt hinter Trinkwasserwald e.V.?
- Trinkwasserwald e.V. ist ein 1995 gegründeter gemeinnütziger Umweltschutzverein, der deutschlandweit unter anderem den standortgerechten Waldbau, vielfach auch in gemeinsamen Projekten mit Partnern, fördert, um so langfristig mehr hochwertiges Trinkwasser und Artenvielfalt zu sichern.
- Neben dem konkreten Engagement für Natur und Umweltschutz und dem Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen, setzt er sich ebenso für die Erhaltung der eigenen Menschlichkeit ein.
- Der Verein möchte den Menschen die Gelegenheit geben, ihre eigene, innere Natur wiederzufinden und zu erwecken. Darum bietet er an, mit seinen Pflanzaktionen und Umweltbildungsprojekten, ein erlebbares Bewusstsein zu schaffen und zu fördern.
Auch der Fürther Bürgermeister Volker Oehlenschläger machte sich vor Ort ein Bild von dem Projekt. „Wir haben 296 Versickerungsmulden geschaffen, um die Trinkwasserbildung im Wald optimal auszuschöpfen“, freute er sich, dass mit dem Trinkwasserwald hierzu nun eine perfekte Ergänzung entsteht. Bisher wurden durch den Trinkwasserwald e.V. und Aktivitäten seiner Vereinsmitglieder circa 6000 Hektar „Trinkwasserwäldern“ gepflanzt und damit rund vier Milliarden Liter Grund- beziehungsweise Trinkwasser von hoher Qualität zusätzlich generiert. „Diese Menge an Grundwasser sichert den Trinkwasserbedarf von über 5 Millionen Menschen lebenslang und generationsübergreifend“ erläuterte Dr. Katharina Meyer-Schulz, Leitung des forstfachlichen Bereichs des Vereins Trinkwasserwald e.V.
Teambuilding Maßnahme
„Unternehmen können das Wasser, welches sie zum Beispiel für die Herstellung von Produkten verbrauchen, durch gezielte Pflanzmaßnahmen kompensieren“, animierte Dr. Meyer-Schulz weitere Unternehmen sich aktiv für den Umweltschutz, beispielsweise durch einen Social Day, eine Teambuildingmaßnahme, eine CSR-Aktion oder ein langfristiges Corporate-Volunteering-Projekt, zu engagieren. „Wir freuen uns über viele weitere Mitstreiter bei der Trinkwasserwald-Schaffung“, stehe der Verein für Anfragen zur Verfügung.
Mit der Pflanzung der 2000 neuen Laubbäume ist das Projekt für den Verein Trinkwasserwald e.V. und den Fachgroßhandel HIT Eisen-Rieg KG nicht abgeschlossen. Durch den regelmäßigen Austausch mit Försterin Anabel Hess, werden sie über die Entwicklung auf dem Laufenden gehalten. Nach einem Jahr und nach fünf Jahren wird vor Ort der Fortschritt nochmal begutachtet.