Starkregen

Netto, „Burg Waldau“ und Autohaus: Das Hochwasser in Grasellenbach ist vorbei, der Ärger bleibt

Warum ein halbes Jahr nach dem Starkregen in Grasellenbach die Sanierungsarbeiten im Hotel-Restaurant „Burg Waldau“ ruhen und wie es im Autohaus Unger & Guthier vorangeht. Beim Netto-Gebäude ist eine Neueröffnung nun doch in Sicht.

Die Sanierungsarbeiten im Hotel-Restaurant „Burg Waldau“ liegen auf Eis. Pächter Lothar Seitz kämpft mit finanziellen Einbußen, da er beispielsweise die sonst gut gebuchten Seminarräume nicht nutzen kann. „Unterm Strich hängen auch Arbeitsplätze davon ab“, sagt er. Foto: Philipp Reimer Fotografie
Die Sanierungsarbeiten im Hotel-Restaurant „Burg Waldau“ liegen auf Eis. Pächter Lothar Seitz kämpft mit finanziellen Einbußen, da er beispielsweise die sonst gut gebuchten Seminarräume nicht nutzen kann. „Unterm Strich hängen auch Arbeitsplätze davon ab“, sagt er.

Grasellenbach. Überflutete Straßen, vollgelaufene Keller und teilweise hohe Sachschäden: Etwas mehr als ein halbes Jahr ist es her, dass am 7. August 2024 Regenmassen die Gemeinde Grasellenbach fluteten. Besonders der Ortsteil Wahlen war davon betroffen. Die Gemeindeverwaltung hat aber bereits seit einem heftigen Unwetter im Januar 1995 einiges gegen Überschwemmungen unternommen. Diese Maßnahmen haben im vergangenen Jahr in Wahlen nicht ausgereicht - und einige Schäden sind bis heute nicht beseitigt.

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Davon kann auch Lothar Seitz, Pächter des Hotel-Restaurants „Burg Waldau“, ein Lied singen. Im Gebäude stand das gesamte Untergeschoss unter Wasser. Bis heute ist es nicht nutzbar, obwohl erste Sanierungsarbeiten stattfanden. Doch die Baustelle ruht. Wieso?

Warten auf die Versicherung

„Mir sind die Hände gebunden“, sagt Seitz im Gespräch mit unserer Redaktion. Er weiß nicht, wann es weitergeht, da es keine Rückmeldung von der Versicherung gibt. „Das ärgert mich.“ Nach dem Unwetter sei zwar ein Versicherungsvertreter vor Ort gewesen, und dieser habe auch die Freigabe für die Demontage der Fußböden und des Estrichs sowie den Einsatz von Trocknungsgeräten gegeben. Doch die beauftragte Firma hat bisher keine Zusage für die Weiterführung der Arbeiten erhalten.

Alle Bemühungen von Seitz, die Versicherung zu kontaktieren, blieben erfolglos. „Ich hänge in der Luft und weiß nicht, wie und wann es weitergeht.“ So lange hat er mit finanziellen Einbußen zu kämpfen. Diese stuft er bisher in den hohen fünfstelligen Bereich ein. Denn der komplette Seminarbereich, der Fahrradkeller und die Toiletten für das Restaurant sind seit dem Unwetter nicht nutzbar.

Besonders der Wegfall der sonst zahlreichen Seminare schmerzt. „Ich bin auf die Räume angewiesen und kann nicht in die Zukunft planen, muss alle Anfragen absagen. Unterm Strich hängen auch Arbeitsplätze davon ab“, sagt Seitz. Sein großer Wunsch ist es, dass die Versicherung endlich in die Gänge kommt. Denn auch der Sachschaden ist enorm: Er liegt im sechsstelligen Bereich.

Sanierung läuft auf Hochtouren

Etwas positiver sieht es im Autohaus Unger & Guthier in Wahlen aus. Wie Geschäftsführerin Andrea Polzer berichtet, laufen die Sanierungsarbeiten gerade auf Hochtouren – auch wenn diese erst im Januar mit dem Einsatz von Trocknungsgeräten starteten. Vom Hochwasser betroffen waren die Werkstatt, der Spielwarenladen und das Ersatzteillager. „Glücklicherweise konnten wir wie gewohnt weiterarbeiten, obwohl die Böden teilweise erneuert werden müssen“, erklärt Polzer.

Den Sachschaden gibt sie im mittleren fünfstelligen Bereich an. Polzer hofft, dass die Sanierungsarbeiten bis Anfang oder Mitte Mai über die Bühne gehen. Derzeit wird am Spielwarenladen gearbeitet, der seinen Betrieb vorübergehend unten im Verkaufsraum weiterführt.

Dankbar für die vielen Helfer

Ob sich Polzer an ein ähnliches Hochwasser erinnert? „Unsere Werkstatt war 1995 schon einmal überflutet, woraufhin die Gemeinde neue Kanäle gebaut hat. Aber das hat für die Regenmassen, die im vergangenen August herunterkamen, nicht gereicht.“

Da auch die Burg Waldau im Jahr 1995 vom Hochwasser betroffen war, wurde damals ein Rückstauventil eingebaut. „Das hat bei bisherigen Unwettern immer gehalten. Diesmal leider nicht“, sagt Lothar Seitz. Deswegen hat er sich über weitere Verbesserungsmaßnahmen Gedanken gemacht. „Das sind Investitionen, die notwendig sind.“ So soll etwa in Zukunft das Dachflächenwasser nicht mehr unterhalb des Hauses, sondern nebenan vorbeilaufen.

Dankbar schätzt sich Seitz für die vielen Helfer, die im August sofort zur Stelle waren. „Sie haben dafür gesorgt, den Schaden zu begrenzen.“ Das lobt auch Andrea Polzer. Der Einsatz der Feuerwehr und die Hilfe von Nachbarn, Freunden und anderen Freiwilligen: „Das war echt sensationell.“

Netto-Markt: Eine Neueröffnung ist nun doch in Sicht

Seit dem Unwetter im August 2024 musste der Netto-Markt in Wahlen aufgrund von Gebäudeschäden schließen und baute Ende November 2024 auf dem Parkplatz eine Zeltinterimsfiliale auf. Nicht nur Kunden, Gemeindeverwaltung und Netto selbst fragen sich, wann wieder in den Normalbetrieb gewechselt werden kann.

Eine WNOZ-Anfrage an den Gebäudeeigentümer gibt nun Klarheit:

Die Immobilien-Invest-Firma mit Hauptsitz in Hamburg teilt nun mit, dass – laut aktuellem Stand – die Wiedereröffnung im zweiten Quartal dieses Jahres erfolgen soll. Bis dahin müsse laut einer Unternehmenssprecherin die gesamte technische Gebäudeeinrichtung noch überprüft und in Betrieb gesetzt werden. „Weiterhin sind umfassende Malerarbeiten vorzunehmen.“ Und die meisten Schäden des Hochwassers seien behoben: „Die Trocknungsarbeiten am Gebäude waren sehr umfangreich, sind aber zwischenzeitlich vollständig abgeschlossen.“ Über die Schadenshöhe kann die Firma „derzeit keine valide Auskunft geben“.

Seit dem Unwetter am 7. August 2024 ist das Gebäude des Netto-Marktes in Wahlen aufgrund von Wasserschaden geschlossen. Auf dem Parkplatz wurde aber eine Interimsfiliale in einem Zelt eröffnet. Foto: Philipp Reimer Fotografie
Seit dem Unwetter am 7. August 2024 ist das Gebäude des Netto-Marktes in Wahlen aufgrund von Wasserschaden geschlossen. Auf dem Parkplatz wurde aber eine Interimsfiliale in einem Zelt eröffnet.

Laut Presseabteilung von Netto Marken-Discount gibt es noch keinen festen Termin für einen Normalbetrieb. „Wir arbeiten hinsichtlich der Instandhaltungsmaßnahmen eng mit den Eigentümern zusammen, um eine baldige Wiedereröffnung zu ermöglichen. Ein konkretes Zeitfenster für den Umzug steht aktuell noch nicht fest.“

Auch die Gemeindeverwaltung weiß dazu sowie zum Stand der Sanierungsarbeiten im Gebäude nichts Neues. Die Gemeinde habe laut Bürgermeister Markus Röth gemeinsam mit Netto Kontakt zum Gebäudeeigentümer, einer Immobilien-Invest-Firma mit Hauptsitz in Hamburg, aufgenommen. Im November fand mit deren Vertretern ein Ortstermin statt. „Man wollte sich hinsichtlich der Lösungsansätze ,sodann‘ bei der Gemeinde melden. Bisher haben wir noch keine Rückmeldung erhalten.“

Was tun bei einer Sturzflut?

Wie verhalte ich mich während einer Sturzflut? Die WNOZ hat sich beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe informiert. Die Informationen gibt es hier.