DB Regio Bus übernimmt Linienbündel Odenwald Mitte
Das ÖPNV-Angebot wird deutlich ausgebaut. Grund ist der Wechsel des Anbieters: Die DB Regio Bus Mitte GmbH hatte bei einer europaweiten Ausschreibung den Zuschlag erhalten.
Dem ein oder anderen werden sie vielleicht schon aufgefallen sein: rote Linienbusse mit DB-Logo, die mitunter etwas orientierungslos durch die Gegend zu fahren scheinen. Doch keine Sorge, hier sind keine Passagiere auf Irrwegen, hier werden nur schon einmal fleißig die Routen geübt. Denn mit Beginn des Winterfahrplans kommt im Linienbündel Odenwald Mitte des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar (VRN) ein neues Busunternehmen ins Spiel: Nach europaweiter Ausschreibung hat der VRN gemeinsam mit dem Kreis Bergstraße dieses Linienbündel für die kommenden zehn Jahre an die DB Regio Bus Mitte GmbH vergeben.
Die Verkehrsgesellschaft Gersprenztal (VGG), die das Linienbündel in den vergangenen zehn Jahren betrieben hat, ging bei der Ausschreibung leer aus. „Wir sind gegen ein Unternehmen angetreten, dessen Mutterkonzern jedes Jahr Verluste im ein- bis zweistelligen Millionenbereich ausgleicht. Da wirst du als privater Anbieter einfach plattgemacht“, beschreibt Rainer Sauter, Geschäftsführer der VGG, die Situation für die Busbetriebe, deren Zukunft er durch die Vergabe an DB Regio Bus gefährdet sieht. Deshalb werde man sich gegen die Vergabe auch juristisch wehren.
Änderung bei den Buslinien
Beim Pressetermin am Freitag war dieser Streit kein Thema. Vielmehr betonten Dr. Michael Winnes, Geschäftsführer des VRN, und Guido Verhoefen, Geschäftsführer der DB Regio Bus Mitte GmbH, dass der ÖPNV im Gebiet zwischen Heppenheim, Rimbach, Fürth und Grasellenbach nun deutlich attraktiver werde. Um nahezu 50 Prozent steigt das Fahrplanvolumen ab dem 15. Dezember.
Die Bedienzeiträume werden deutlich ausgeweitet, was nachts nicht nur Jugendliche freuen dürfte, sondern auch das berühmte „Taxi Mama“: Freitags und samstags fahren die Busse zwischen Heppenheim und Fürth sogar bis etwa 2 Uhr nachts. Pendler, die mit dem Bus zum Bahnhof Heppenheim und wieder zurückfahren, haben ebenfalls Grund zur Freude: War früher der Zug oft schon weg, wenn der Bus ankam, soll das künftig nicht mehr passieren, erklärt Verkehrsplaner Dennis Ulas.
Die Schulbuslinien 697 und 698 behalten ihre Nummern, sonst müssen sich Kunden auch auf neue Namen einstellen.
Linie 660 (Grasellenbach–Heppenheim): Die bisherige Linie 667 wird zur 660; das Fahrplanangebot wird ausgeweitet. Die Busse fahren montags bis freitags im „sauberen“ 30-Minuten-Takt sowie im 60-Minuten-Takt an den Wochenenden im Abschnitt Heppenheim–Fürth. Zur Hauptverkehrszeit gilt der 30-Minuten-Takt von montags bis freitags auf der gesamten Linie, also auch zwischen Fürth und Grasellenbach, wo die Busse bislang nur stündlich fahren. An den Wochenenden wird zwischen Fürth und Grasellenbach stündlich ein Bus verkehren und nicht wie bisher nur alle zwei Stunden.
Linie 661 (Rimbach–Heppenheim): Ganz neu ist die Linie 661, die Heppenheim und Rimbach ohne Umsteigen miteinander verbindet. Diese Direktverbindung haben sich zahlreiche Pendler seit vielen Jahren gewünscht. Die Linie 661 verkehrt von Montag bis Freitag zur Hauptverkehrszeit. In Ergänzung mit der Linie 660 resultiert daraus ein 30/15-Minuten-Takt im Abschnitt zwischen Lörzenbach und Heppenheim.
Linie 662 (Hambach–Ober-Laudenbach): Die bisherigen Linien 687 und 691 werden in die neue Linie 662 mit erstmals tagesdurchgängigem Angebot für Hambach und Ober-Laudenbach überführt. Diese Busse fahren montags bis freitags alle Stunde, samstags alle zwei Stunden.
Linie 663 (Mörlenbach–Zotzenbach): Eine regelmäßige Busbedienung gibt es nun auch in Zotzenbach. Die Buslinie 663 verbindet Mörlenbach und Zotzenbach miteinander, inklusive Feinerschließung Rimbach und der Verkürzung der Reisezeit zwischen Zotzenbach und Heppenheim mit Umstieg in Lörzenbach zwischen den Linien 663 und 660 außerhalb der Betriebszeiten der Linie 661.
Busse bleiben blau
Auch wenn derzeit noch einige rote DB-Busse auf den Linien zu sehen sein werden, müssen sich die Pendler hinsichtlich der Busfarbe nicht umgewöhnen: Die Fahrzeuge bleiben auch künftig gewohnt himmelblau, die Farbe ist das VRN-Markenzeichen. 29 Busse werden künftig im Einsatz sein. Viele von ihnen werden nagelneu sein. Noch werden sie in Ankara gebaut und laufen einer nach dem anderen vom Band. In Salzgitter wird dann die Software aufgespielt. Die Fahrzeuge sind auf dem neuesten Stand der Technik, verfügen unter anderem über USB-Anschlüsse zum Laden von Handys sowie kostenfreies WLAN.
Noch elf Fahrer gesucht
Insgesamt bis zu 44 Busfahrer werden demnächst die Passagiere von A nach B befördern. Im Einsatz sind Fahrer von A bis Z – „von Äthiopien bis Zypern“, hieß es bei der Präsentation, die am Graben begann und mit einer gemeinsamen Busfahrt zum Betriebshof in der Heppenheimer Benzstraße endete. Zwar würden noch Fahrer gesucht, dennoch könne man planmäßig starten. Die noch fehlenden Fahrer würden auf lange Sicht als Puffer für Krankheits- und Urlaubszeiten gebraucht.
Dr. Michael Winnes, Guido Verhoefen und Landrat Christian Engelhardt freuten sich bei der Vorstellung des neuen Angebots, dass der ÖPNV im Kreis Bergstraße nun deutlich attraktiver werde und die Bürger eigentlich keine Ausrede mehr hätten, nicht mit dem Bus zu fahren. Wie Verhoefen versprach, habe DB Regio bereits seit vielen Jahren einige Linienbündel in Rheinland-Pfalz in Betrieb, dort laufe alles wie am Schnürchen. Man wisse also, was man tut.
Nicole Blume und Martin Fabri
Die Niederlassungsleitung hat Nicole Blume inne, Betriebsleiter in der Benzstraße ist Martin Fabri. Dort auf dem Betriebshof befinden sich Container mit Aufenthaltsräumen und Toiletten für die Fahrer. Sollte es Nachbesserungsbedarf geben oder Pendler Anregungen oder Kritik haben, hat man bei VRN und DB Regio stets ein offenes Ohr, so der Tenor. Auch die Finanzierung ist in trockenen Tüchern: Am Donnerstag sicherte das Land Hessen mit der Unterzeichnung der Finanzierungsvereinbarung für die nächsten drei Jahre das regionale Bahn- und Busangebot in Hessen.
Die Fahrplanauskunft mit Pünktlichkeitsanzeige sowie Möglichkeit zum Ticketkauf gibt es in der myVRN-App und über www.vrn.de