DB Regio räumt Probleme ein

Bus-Chaos im Odenwald: "Der Start ist in die Hose gegangen" 

Zahlreiche Beschwerden über ÖPNV: DB Regio Bus räumt Probleme nach der Übernahme des Linienbündels Odenwald-Mitte ein und will diese nun beseitigen - einige Busfahrer wurden bereits freigestellt.

Die erste Bilanz nach zwei Monaten Busbetrieb im Linienbündel Odenwald-Mitte durch die DB Regio Bus fiel angesichts vieler Probleme und Beschwerden ernüchternd aus. Die Verantwortlichen haben schon Korrekturen vorgenommen und wollen weitere Verbesserungen folgen lassen (von links): Dietmar Maier (VRN), Nicole Blume (DB Regio), DB-Regio-Geschäftsführer Guido Verhoefen sowie Inge Mitterschaider und Gudula Göck vom Kreis Bergstraße. Foto: Thomas Rittelmann
Die erste Bilanz nach zwei Monaten Busbetrieb im Linienbündel Odenwald-Mitte durch die DB Regio Bus fiel angesichts vieler Probleme und Beschwerden ernüchternd aus. Die Verantwortlichen haben schon Korrekturen vorgenommen und wollen weitere Verbesserungen folgen lassen (von links): Dietmar Maier (VRN), Nicole Blume (DB Regio), DB-Regio-Geschäftsführer Guido Verhoefen sowie Inge Mitterschaider und Gudula Göck vom Kreis Bergstraße.

Heppenheim/Odenwald. Nicole Blume, Niederlassungsleiterin von DB Regio Bus in Heppenheim, räumt es gleich zu Beginn des Pressegesprächs ein: Die Übernahme des Linienbündels Odenwald-Mitte „lief nicht so, wie wir uns und die Fahrgäste sich das vorgestellt haben. Das war jetzt nicht die beste Lösung.“ Dietmar Maier, Fachbereichsleiter beim Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN), findet noch deutlichere Worte: „Wir waren sehr überrascht und vor den Kopf gestoßen, dass der Start so in die Hosen ging.“ Nun freue man sich, dass so rasch reagiert und nachgebessert werde.

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Viele Beschwerden

Eigentlich sollte alles besser werden mit dem neuen Winterfahrplan. Nach europaweiter Ausschreibung hatte die DB Regio Bus den Zuschlag für das Linienbündel Odenwald-Mitte bekommen. Doch was als großer Wurf mit deutlich attraktiverem Angebot geplant war, startete Mitte Dezember zunächst vor allem im Schulbusverkehr ziemlich chaotisch. Ob im Überwald, im Weschnitztal oder bis nach Heppenheim, die Beschwerden häuften sich. Busse kamen zu früh, zu spät oder gar nicht, Kinder wurden vergessen oder mussten an falschen Orten aussteigen. Es war immer wieder die Rede von hilflosen Fahrern, die nicht wussten, wo sie hinmüssen. Insbesondere die Jüngsten unter den Grundschulkindern entwickelten zum Teil sogar regelrechte Ängste und wollten gar nicht mehr Bus fahren.

Wir haben hier und hier berichtet.

Höchste Zeit also, so fanden die Verantwortlichen von DB Regio, VRN und dem Kreis Bergstraße, Stellung zu beziehen – und sich zu entschuldigen. „Wir arbeiten dauerhaft an uns“, verspricht Blume. Warum lief so vieles schief? Das lag wohl zum einen daran, dass lange nicht genügend Fahrer zur Verfügung standen, darüber hinaus gab es Probleme mit der Lieferung des Fuhrparks. Gestartet sei man mit acht Fahrern zu wenig, inzwischen helfen Fahrer aus Speyer und Alzey aus, so konnte das kompensiert werden. Zum 1. Februar konnten fünf neue Fahrer eingestellt werden, zum 15. des Monats weitere drei. Zum 1. März kommen noch einmal acht Fahrer neu hinzu. Damit habe man dann 53 statt der benötigten 44. Die Aushelfsfahrer aus Speyer und Alzey sollen dann die Neuen fit machen für ihre Strecken, „damit spätestens nach den Osterferien wirklich jeder Fahrer jede Strecke kennt“.

Fast zeitgleich mit dem neuen Fahrplan kam die Änderung, dass auf der B460 durch Heppenheim nun rund um die Uhr Tempo 30 gilt statt nur zwischen 22 und 6 Uhr. Eine Maßnahme, „die uns sehr weh tut. Das war nicht einkalkuliert“, zeigt Blume ein weiteres Problem auf. Behoben sei dagegen das kurzzeitige Durcheinander bei den Fahrplänen. Das sei durch kurzfristige Änderungen und Nachbesserungen entstanden, die nicht jeder Fahrer sofort erfasst habe.

Was wird getan, um den Status quo zu verbessern? Seit der vergangenen Woche habe man morgens und nachmittags immer einen Fahrer auf dem Betriebshof, der sofort einspringen kann, wenn es irgendwo Probleme gibt. Auch die Leitstelle habe man verstärkt, damit immer genügend Ansprechpartner vor Ort sind. Jens Kukuk und Mario Günther seien erfahrene Betriebsmanager aus Speyer und Alzey, hätten dort ein gut funktionierendes Team, sodass sie jetzt in Heppenheim unterstützend tätig sein können.

Regelmäßige Statusmeetings

Derzeit gibt es jeden zweiten Tag Statusmeetings, um schnell reagieren zu können, einmal wöchentlich seien die Zuständigen des Kreises dabei. Blume und Mitterschaider werden Mitte März alle Schulen besuchen, bei denen es hinsichtlich der Schülerbeförderung in den vergangenen Wochen Probleme gab und das Gespräch suchen. „Wir versuchen Probleme zu lokalisieren und Maßnahmen in die Wege zu leiten. Und wir entschuldigen uns für alles, was passiert ist“, so Blume.

Der VRN setzt auch auf Scouts, die unterwegs regelmäßig die Qualität des Angebots prüfen und Beschwerden auf den Grund gehen. Eine Qualitätsampel beurteilt die einzelnen Anbieter und listet sie in einem Ranking auf. Wer sich dort dauerhaft hinten befindet, der muss finanzielle Einbußen und Strafzahlungen in Kauf nehmen. „Das hilft uns, die Qualität auf hohem Niveau zu halten“, so Maier. Die Ampel des Linienbündels Odenwald-Mitte steht derzeit auf Gelb.

Neu ist, dass die Busfahrer mit einheitlicher Unternehmensbekleidung ausgestattet werden sollen. Das sei vertrauenserweckender, als wenn ein Fahrer mit Hoodie und Kapuze auf dem Kopf am Steuer sitze. Immer wieder gibt es Beschwerden, dass Fahrer am Steuer telefonieren: Hier sagen die Verantwortlichen ganz deutlich: Das ist verboten, ein absolutes No Go und das gehe mit Strafzahlungen einher.

Auch von Verständigungsschwierigkeiten mit nicht ausreichend Deutsch sprechenden Fahrern wird immer wieder berichtet. Ein Problem, das bekannt sei. DB Regio stellt Fahrer für Sprachkurse frei und wird nun, da es ausreichend Fahrer gibt, auch verstärkt darauf drängen. In den Abläufen, so DB-Regio-Geschäftsführer Guido Verhoefen, greife man auf einfaches Deutsch zurück, das funktioniere recht gut. Es brauche auch ein bisschen ein aufeinander Zugehen. Dafür seien die, die nicht so gut deutsch sprechen, oft überdurchschnittlich freundlich.

Viele Fahrer wieder freigestellt

Doch egal, ob deutsche Fahrer oder solche mit ausländischen Wurzeln, es soll durchgegriffen werden bei DB Regio, das wurde deutlich: Man habe in den ersten Wochen eine außerordentlich hohe Fluktuation gehabt. „Wir haben noch nie so viele Fahrer in der Probezeit wieder freigestellt“, so Verhoefen. Die Gründe: „Es gab viele, die ihr Handwerk nicht beherrschten oder die die Streckenkunde nicht lernen wollten. Wir haben uns von einigen an der Nase herumführen lassen.“

Wichtig: Verbessern können DB Regio und VRM nur etwas, von dem sie auch wissen. In den Bussen sind QR-Codes angebracht, die direkt zur Beschwerdestelle des VRN führen. Uhrzeit, Ort und Liniennummer sollen mit angegeben werden.