Nahverkehr

Nach Fahrplanwechsel Odenwald-Mitte: Schulkinder werden stehen gelassen 

Busse unpünktlich, Anschlüsse werden nicht erreicht: Nach dem Fahrplanwechsel am 15. Dezember erreichen die OZ immer wieder Beschwerden von Lesern.

Dieser Busfahrer wendete in Lörzenbach, nachdem er falsch abgebogen war. Foto: privat
Dieser Busfahrer wendete in Lörzenbach, nachdem er falsch abgebogen war.

Vor genau vier Wochen stand ein Fahrplanwechsel an, gleichzeitig mit der Neuvergabe des „Linienbündels“ Odenwald-Mitte, das seither von der DB Regio Bus bedient wird. Dieser Übergang wird von den Nutzern als nicht immer problemlos empfunden – jedenfalls erreichen die OZ seither Beschwerden über Verspätungen oder Fahrpläne, die das Erreichen von Anschlusszügen erschweren. Zu den „Nebenwirkungen“ gehören auch eifrig mit Fotos dokumentierte Fälle von Busfahrern, die falsch abbiegen, in Wendehammern oder an Kreuzungen drehen oder von Passagieren im wahrsten Sinne des Wortes „auf den rechten Weg zurückgebracht“ werden müssen.

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Was die Fahrpläne angeht, so hat sich Leserin Anett Schmidt die Mühe gemacht, ihre tägliche Reise mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Detail aufzuschreiben. Täglich muss sie von Rimbach nach Heppenheim und zurück fahren, eine Strecke, die die medizinische Fachangestellte seit Jahren nutzt. Sie ist zu den unterschiedlichsten Tageszeiten unterwegs und hat die Erfahrung gemacht: „Von Rimbach morgens um sechs Uhr nach Heppenheim zu gelangen, ist unkompliziert.“

„Man sieht die Rücklichter“

Die Tour beginnt am Bahnhof Rimbach, von wo man entweder mit dem Bus oder mit der Bahn weiterkommt und dann entweder in „Lörzenbach Brücke“ oder in Fürth umsteigen muss. Zurück geht es wieder mit der Buslinie 660 (vor dem Wechsel hatte sie die Nummer 667) – allerdings nicht ganz so reibungslos, wie die Pendlerin in einem Beschwerdeschreiben an das Verkehrsunternehmen mitteilt, das der OZ vorliegt. Sie sei „sehr angenervt“ von den neuen Abfahrtszeiten, heißt es darin.

Der Grund: Die Busse fahren vier beziehungsweise neun Minuten später ab: „Der Bus, der bisher um 18.08 abfuhr, fährt jetzt 18.12 Uhr, wenn er denn pünktlich ist. Planmäßige Ankunft in Fürth wäre dann 18.33 Uhr. Immer Pünktlichkeit vorausgesetzt, schafft man knapp den Zug der RB 69 nach Weinheim, Abfahrt 18.35 Uhr.“

Das Problem der Pünktlichkeit scheint aber hier im Weg zu sein, denn Schmidt kritisiert: „Da aber die Busse nie pünktlich sind, sieht man eventuell noch die Rücklichter und wartet dann gezwungenermaßen auf den nächsten Zug, der um 19.05 Uhr fährt.“ Heißt, die Fahrzeit verlängert sich drastisch. Es wird später aber nicht besser, teilt sie mit: „Das Problem verschärft sich mit dem Bus 19.12 Uhr ab Heppenheim, der um 19.33 Uhr in Fürth sein sollte, es aber natürlich auch nicht schafft. Der Zug fährt um 19.35 Uhr ab, der nächste Zug fährt aber erst um 20.35 Uhr.“ Heißt: Der Fahrgast steht in diesem Fall eine Stunde lang in Fürth: „Es gibt da auch keine andere Möglichkeit, wegzukommen.“

Fehlende Ortskenntnis

Die Busse in Heppenheim sind ihrer Erfahrung nach regelmäßig zwei bis vier Minuten zu spät. Warum das so ist, dafür gibt es viele Erklärungen im Weschnitztal, die alle mit der gelegentlich fehlenden Ortskenntnis der Busfahrer zu tun haben könnten.

Kurz nach Weihnachten strandete ein Bus in der Forststraße in Lörzenbach; der Fahrer war auf dem Weg von Lörzenbach nach Fahrenbach eine Straße zu früh abgebogen und versuchte, im Wendehammer zu drehen. Anwohner hielten die ungewohnte Situation im Bild fest. Ein Erlenbacher Schülervater lotste an einem anderen Tag einen ortsunkundigen Busfahrer, damit die Kinder rechtzeitig zur Schule kamen (die OZ berichtete).

Schulkinder stehen gelassen

Andere Eltern beschweren sich in sozialen Netzwerken, wie eine Frau, die berichtet, dass der Bus die Schulkinder im Fürther Ortsteil Seidenbach bereits zum zweiten Mal in dieser Woche stehen gelassen habe: „Wie kann ein Unternehmen so unfähig sein, und wie kann man das den Kindern antun?“ Schon Ende des Vorjahres seien Busse nicht, viel zu früh, viel zu spät gefahren oder hätten nur manche Kinder mitgenommen. Harte Worte, doch erklärt sie, dass mehrfache Beschwerden kaum etwas genutzt hätten; man könne sich nicht darauf verlassen, dass ständig Eltern einspringen würden. Auch sie spricht davon, dass Eltern oder Zweitklässler den Fahrern die Wege zeigen mussten. Im weiteren Verlauf geht es noch um andere Vorfälle im Weschnitztal.

In Lörzenbach in der Jahn-/Herbergerstraße hatte gestern Vormittag ein Fahrer zu kämpfen; auch er bog falsch ab und korrigierte an einer Stelle, wo die Straße etwas breiter ist – eine OZ-Leserin hielt den Moment mit ihrem Handy fest (siehe Bild). Ob der Busfahrer über den Fahrer des dort geparkten weißen Kleinbusses schimpfte, der sein Manöver deutlich erschwerte, bleibt Gegenstand von Spekulationen.

Situation soll geprüft werden

Zurück zum Ungemach der Pendler. Anita Faltermann, Pressereferentin des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar, erklärt, dass das Unternehmen die Rückmeldungen seiner Fahrgäste sehr ernst nehme: „Wir bedauern, dass es im Zuge der Fahrplanänderungen auf der Linie 660 zu Unannehmlichkeiten für die Kundin gekommen ist.“

Vor dem Wechsel habe man „die Echtzeit-Fahrzeiten des vorherigen Linienbündel-Betreibers eingehend geprüft und die neuen Abfahrtszeiten entsprechend an die realen Fahrzeiten angepasst“. Die regelmäßigen Verspätungen, von denen berichtet wird, haben die Verantwortlichen überrascht, denn auf der Strecke zwischen Heppenheim Bahnhof und Lehrstraße wurde sogar mehr Fahrzeit als früher eingeplant.

Das allerdings nützt im Fall der Frau wenig, weil sie ja erst an der Lehrstraße zusteigt. Trotzdem verspricht Faltermann: „Wir werden die Situation daher nun gemeinsam mit dem Verkehrsunternehmen intensiv prüfen und uns Fahrtzeitauswertungen geben lassen, um etwaige Probleme frühzeitig zu erkennen und zu beheben.“

Neue Verbindung ohne Umsteigen

Im Falle weiterer Probleme soll „in enger Abstimmung mit dem Aufgabenträger“ geprüft werden, inwiefern Anpassungen möglich sind. Aber, schränkt sie ein: „Eine Vorverlegung der Abfahrtszeit ab Heppenheim Bahnhof wäre allerdings nur geringfügig möglich, da hier Zuganschlüsse gewährleistet werden müssen. Zum Schluss zieht die Pressesprecherin aber noch ein Ass aus dem Ärmel, nämlich einen Hinweis auf die neue umstiegsfreie Direktverbindung zwischen Heppenheim und Rimbach.

Mit der Linie 661 kann man sie während der Hauptverkehrszeit im Stundentakt nutzen. Tatsächlich kann man ab Heppenheim Bahnhof um 18.23 Uhr beziehungsweise Lehrstraße (18.27 Uhr) in den Bus steigen, der 27 Minuten später um 18.50 Uhr am Rimbacher Bahnhof ankommt.

Ob das eine Alternative für Schmidt ist? Wahrscheinlich schon, denn sie ist überzeugte ÖPNV-Nutzerin: Seit Einführung des VRN-Tickets nutze sie es; am Schluss habe es 102 Euro gekostet, jetzt fährt die 62-Jährige mit dem Deutschland-Ticket. Sie erklärt: „Ein Umsteigen auf ein Auto kommt für mich nicht infrage. Zum einen, weil ich keins habe und zum anderen, weil die Parkplatzsituation in Heppenheim auch nicht die Beste ist. Ich nutze den Nahverkehr im Grunde gerne, auch wenn es oft an allen Ecken klemmt.“