Nahverkehr

Schulbus-Chaos im Odenwald: Beschwerden über DB Regio reißen nicht ab

Auch zwei Monate nach der Übernahme des Linienbündels Odenwald-Mitte durch die DB Regio Bus gibt es vor allem beim Schülertransport noch Probleme.

Seit dem 15. Dezember bedient die DB Region Bus den öffentlichen Personennahverkehr im Gebiet Odenwald-Mitte. Auch nach zwei Monaten gibt es vor allem beim Schülertransport bei den Grundschulen noch viele Beschwerden. Foto: Philipp Reimer Fotografie
Seit dem 15. Dezember bedient die DB Region Bus den öffentlichen Personennahverkehr im Gebiet Odenwald-Mitte. Auch nach zwei Monaten gibt es vor allem beim Schülertransport bei den Grundschulen noch viele Beschwerden.

Odenwald. Gerade vonseiten des Kreises Bergstraße waren einige Erwartungen damit verbunden, dass am 15. Dezember die DB Regio Bus das Buslinienbündel Odenwald-Mitte nach europaweiter Ausschreibung übernahm. Eine Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs durch die Erweiterung des Linienangebots im Weschnitztal und im Überwald wurde vom Landratsamt angekündigt.

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Der Wechsel auf das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn war jedoch mit viel Kritik durch die örtlichen Busunternehmen verbunden, die in den vergangenen zehn Jahren im Zusammenschluss der Verkehrsgesellschaft Gersprenztal (VGG) den Busverkehr bedienten. Diese reichte von Wettbewerbsverzerrung, da die DB Regio Bus ihre Defizite von der Deutschen Bahn, also durch Steuergelder, gedeckt bekomme und dadurch marktgerechte Angebote unterbieten könne, bis hin zum Vorwurf des unseriösen Angebots. Dementsprechend kündigte die VGG an, rechtliche Schritte gegen die Auftragsvergabe vorzunehmen.

Holpriger Auftakt

Ungeachtet dieser Vorwürfe verlief der Start im Dezember äußerst holprig. Zahlreiche Beschwerden liefen auch in unserer Redaktion ein. Vor allem beim Schülertransport gab es viele Probleme, die von ausgefallenen Bussen bis hin zu an Haltestellen stehengelassenen Schülern reichten. Ortsunkundige Busfahrer sorgten immer wieder für Komplikationen, wenn sie in falsche Ortsstraßen abbogen, in denen es keine Wendemöglichkeit gab, oder sie mussten sich sogar von Fahrgästen den Weg zeigen lassen.

Der Kreis und die DB Regio Bus gelobten auf Anfrage unserer Redaktion Besserung und nahmen auch unabhängig von der Kritik Korrekturen oder beispielsweise eine Fahrplanergänzung für Wohngebiete in Zotzenbach und Rimbach vor. So darf man nun gespannt sein, wie die erste Bilanz aussieht, die der Kreis und die DB Regio Bus bei einem Pressetermin am kommenden Dienstag in Heppenheim ziehen wollen. Dass sich die Situation gerade beim Schülertransport in den vergangenen Wochen verbessert hat, zeigt eine Umfrage unserer Redaktion an den Schulen im Odenwald, doch vor allem bei den Grundschulen gibt es weiterhin Probleme.

„Seit Einführung der DB Regio haben die Sekretärin und ich viele Stunden damit verbracht, zu spät kommenden oder gar nicht erschienenen Bussen hinterherzutelefonieren und Beschwerden von Eltern und Kindern entgegenzunehmen oder Eltern über die späte Ankunft der Kinder zu informieren“, berichtet Kathrin Lammer, Leiterin der Ulfenbachtalschule in Wahlen. Die Beschwerden seien allesamt berechtigt, unterstreicht sie und nennt als weitere Beispiele zu späte Abfahrten der Busse. Zudem sei der Umgangston von Busfahrern teilweise unangebracht. „Besonders schwierig gestaltete sich der Transport zu den Weihnachtsferien sowie zu den Halbjahreszeugnissen, da Busse trotz frühzeitiger Kontaktaufnahme unsererseits gegenüber DB Regio durch den frühzeitigen Schulschluss viel zu spät eingeplant waren“, fügt sie an.

An der Umsetzung hapert es

Positiv äußert sie sich zu den zuständigen Mitarbeitern im Landratsamt: „Sie nehmen unsere Anliegen auf, stehen mit uns in engem Austausch und bemühen sich sehr darum, dass der Transport der Schüler reibungslos klappt. Nur die Umsetzung der DB Regio lässt noch sehr zu wünschen übrig.“ Deshalb bedauert sie es sehr, dass der Zuschlag des Schülertransportes für diesen Linienbereich nicht wieder auf die ortsansässigen Firmen gefallen sei. „Hier waren wir vollauf zufrieden und Anliegen konnten auf dem kurzen Dienstweg geklärt werden. Gerade bei unseren sechs- bis zehnjährigen Grundschulkindern muss ein sicherer und zuverlässiger Transport zu jedem Zeitpunkt gewährleistet sein. Nach Rückmeldung der Eltern und der Schüler haben leider nun viele Kinder Angst, trotz gedrücktem Haltewunsch-Knopf nicht an der Haltestelle aussteigen zu können, sondern irgendwo auf der Strecke einfach aus dem Bus herausgeworfen zu werden. Dies ist leider schon mehrfach passiert. Trotz Einweisung kennen die Busfahrer einfach nur unzureichend die vorgegebene Fahrstrecke. Aktuell schicke ich deshalb die Busaufsicht in den Bus, um die Fahrer nochmals auf die anzufahrenden Haltestellen hinzuweisen“, erklärt die Schulleiterin.

An der Müller-Guttenbrunn-Schule in Fürth ist der Schülertransport immer ein Thema, wie Rektorin Kathrin Weber feststellt. „Gerade für die Erstklässler ist es natürlich ein großer Schritt, nach dem Kindergarten den Schulweg dann alleine mit dem Bus zurückzulegen. Da dauert es oft, bis sich alles eingespielt hat. In der letzten Zeit bekommen wir aber vermehrt Beschwerden von Eltern und Kindern. Die Busse sind zu spät, fahren die angegebenen Haltestellen nicht zuverlässig an und lassen die Kinder dann in anderen Ortsteilen aussteigen. Wir geben diese Probleme regelmäßig an den Kreis weiter, melden die uns bekannten Probleme dort und sind im engen Austausch“, erklärt sie.

Schnell reagiert

An den weiterführenden Schulen hat sich die Lage indes verbessert. Dies berichtet Alexander Hauptmann, Leiter der Heinrich-Böll-Schule in Fürth. Nachdem die Anfangsprobleme dem Schulträger gemeldet worden seien, sei hier recht schnell und erfolgreich reagiert worden. „Aktuell haben wir noch Verspätungen, insbesondere bei einer Verbindung, aber auch dieses Problem wird bereits bearbeitet. Bei dieser Verbindung scheint die reguläre Abfahrtszeit zwar ausreichend zu sein, aber der Bus kommt sehr regelmäßig 15 bis 20 Minuten später an. Wir werden diese Verbindung im Blick behalten und hoffen, dass hier noch nachhaltig reagiert wird“, merkt er dazu an.

Bekannte Probleme

Von den bekannten Problemen wie mit Busfahrern, die kaum oder gar kein Deutsch sprechen, mit Handys hantieren oder an Haltestellen vorbeifahren, obwohl der „Halteknopf“ gedrückt wurde, kann der Elternbeirat der Martin-Luther-Schule in Rimbach berichten. Direkte Beschwerden von Eltern oder Schülern habe es jedoch keine gegeben.

„Im Einzugsgebiet des Überwald-Gymnasiums gab es seit dem Wechsel des Betreibers der Schulbuslinien lediglich zwei kleinere Auffälligkeiten, die die Anbindung nach Kocherbach und nach Hirschhorn betrafen. Diese sind behoben, die zuständige Abteilung im Landratsamt hat dies zügig veranlasst“, teilt der Wald-Michelbacher Schulleiter Ekkehard Müller mit. Großflächige Auffälligkeiten wie zum Beispiel im Weschnitztal seien ihm keine bekannt. So äußerte sich auch Christian Mang, Leiter der Eugen-Bachmann-Schule in Wald-Michelbach.