Fondsbroker öffnen die Merkel-Mühle Hirschberg am Sonntag für Besucher
Die Fondsbroker AG hat die ehemalige Mühle zur Firmenzentrale umgebaut. Beim "Tag des offenen Denkmals" kann das Schmuckstück besichtigt werden.
Es ist so weit: Nach einer intensiven und liebevollen Grundsanierung bekommt die Talstraße in Hirschberg ein neues Bau-Juwel. Am Wochenende nimmt die Fondsbroker AG die ehemalige „Merkel-Mühle“ als neue Firmenzentrale in Besitz. Das Timing könnte nicht besser sein. Nach zwei internen Veranstaltungen für die beteiligten Firmen und Kunden hat die Öffentlichkeit am Sonntag, 8. September, also dem „Tag des offenen Denkmals“, von 15 bis 18 Uhr Gelegenheit, dieses Schmuckstück am Apfelbach in Augenschein zu nehmen.
Mühe hat sich gelohnt
Die Chefs des Anlageberatungsunternehmens sind sicher, dass an diesem Tag dann ein stetes Kommen und Gehen sein wird. „Schon in den letzten Wochen bin ich immer wieder gefragt worden, wann das Projekt fertig ist“, berichtet Vorstandsvorsitzender Thomas P. Sättele von einer „spürbaren Neugier nicht nur der Anwohner, sondern auch der Menschen vom gesamten Ort“.
Bestens verstehen kann dies sein Vorstandskollege Frank Gutschalk. „Wegen der Baustelle war ja eine Zeit lang auch die Straße zur Hälfte gesperrt, und von der Ampel aus konnte man gut sehen, dass in der Breitgasse 36 quasi bis zur letzten Sekunde schwer gewerkelt wurde“, ist auch er froh, dass diese Einschränkungen nun der Vergangenheit angehören. Dass sich die Mühen gelohnt haben, ist bereits von außen zu erkennen. Die historischen Gebäude präsentieren sich in neuem Glanz und lassen erahnen, mit welcher Sorgfalt die Restaurierungen erfolgt sind. Nachdrücklich bestätigt sich dieser Eindruck im Inneren der ehemaligen Mühle.
Wie schon vor Jahren bei der Sanierung der 500 Meter oberhalb gelegenen Apfelbachmühle haben die Bauherren wieder bis aufs kleinste Detail geachtet. Alle Maschinen wurden in ihre Einzelteile zerlegt, gesäubert und neu zusammengebaut. „Bis auf den letzten Nagel alles neu in Schuss gebracht“, freut sich Sättele, dass die Fondsbroker AG auch jetzt wieder ein beispielhaft renoviertes Domizil bekommt. „Wie bei Baubeginn von den Architekten erwartet, musste in der Tat fast jeder Stein einzeln in die Hand genommen werden“, blickt er auf jede Menge Arbeit für die Bauherrenfamilie zurück. Da es bei solchen Projekten nichts „von der Stange“ gebe, sei diese gezwungen gewesen, die alten Materialien wiederzuverwenden.
Ohne Eigenleistung nicht zu stemmen
So lässt sich auch nur erahnen, was die Besitzer ihre Vorliebe für altes Gemäuer gekostet hat. Eine Summe für die Firmengebäude allein zu ermitteln sei schwierig, weil ja ein Teil des Ensembles künftig privat genutzt werde, sagt der Fondsbroker-Gründer. Und widerspricht auch nicht Schätzungen von einer mindestens siebenstelligen Summe. Der „ressourcenschonende Rückbau“ sei eine äußerst aufwendige Angelegenheit, wie Sättele feststellt. Deshalb habe man auch selbst mit angepackt. Ohne Eigenleistung sei ein solches Projekt heutzutage selbst für florierende Unternehmen kaum zu stemmen.
Dass die Fondsbroker AG nun als Mieter hier einzieht, soll ein „Bekenntnis zum Ort“ sein, verrät Frank Gutschalk. Die Treue eines Unternehmens zu seinem Heimat-Standort sei heutzutage ja keine Selbstverständlichkeit mehr, ergänzt Jonas Dallinger. „Bei uns ist es das Teil der Firmenstrategie. Bei der Beratung zählt vor allem der Faktor Mensch, darauf gründet auch unser Erfolg“, beschreibt das für Personal zuständige Vorstandsmitglied den Unterschied der Fondsbroker AG zu Finanzdienstleitern, die immer mehr auf automatisierte Abläufe setzen.
Leidenschaft für die Erhaltung
Und warum tut man sich so etwas an? Thomas P. Sättele und Frank Gutschalk als Mitglieder der beiden Familien, denen das Anwesen gehört, erzählen: „Die einen nennen es Leidenschaft für die Erhaltung alter Bausubstanz, andere halten uns schon für ein wenig verrückt, dass wir schon wieder eine alte Mühle als unseren Firmensitz ausgewählt haben.“ Allerdings hätte diese Verrücktheit auch dazu beigetragen, dass das Projekt seinen Segen von allen beteiligten Behörden bekommen habe. „Wir haben schon mit der Apfelbachmühle gezeigt, dass wir das können. Die bei diesem Musterexemplar gesammelte Erfahrung hat uns geholfen, auch diese Herausforderung gut zu meistern“, sagt Sättele. Zumal die Bausubstanz in der „Unteren Apfelbachmühle“ besser gewesen sei als beim ersten Projekt talaufwärts.
Mit dieser geballten Expertise ist also tatsächlich gelungen, was eigentlich unmöglich erschien: Aus einem Baudenkmal ein modernes Effizienzhaus zu machen, das den Anforderungen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) genügt. Denn nur dann fließen auch entsprechende Fördermittel. „Die Lösung für diesen Widerspruch zu finden war das Spannendste an der Geschichte“, sagt der Fondsbroker-Chef.
Ein Vorhaben musste allerdings bereits vor Baubeginn aufgegeben werden. Eigentlich war geplant, zur Energiegewinnung auch die Wasserkraft des Apfelbaches zu nutzen. Die Prüfung habe dann aber ergeben, dass weder die Wassermenge noch die Fallhöhe für einen wirtschaftlichen Betrieb ausreicht. „Das hätten wir gerne gemacht“, bedauert auch Frank Gutschalk den Wegfall dieses besonders umweltfreundlichen Energieträgers.
Um künftig auf keine fossilen Brennstoffe mehr angewiesen zu sein, wurde nicht nur eine Wärmepumpe eingebaut, sondern auch eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach installiert. Bei diesem können die Fondsbroker allerdings das volle Potenzial der nach Süden gerichteten Dachflächen ausschöpfen. Da die Mühle als Denkmal optisch nicht negativ beeinflusst werden durfte, sind die Paneele eh nur auf der straßenabgewandten Seite angebracht.
Immerhin: Im neuen Firmensitz der Fondsbroker AG sorgen neun neue Dachgauben auf beiden Seiten dafür, dass ausreichend Tageslicht auf die neuen Arbeitsplätze fällt, die jetzt endlich von den Vermögensexperten bezogen werden können. Endlich auch, weil der bisherige Firmensitz an der oberen Apfelbachmühle aus allen Nähten platzt. 15 Mitarbeiter sind bei dem 2005 nach Großsachsen umgezogenen, unabhängigen Finanzdienstleister beschäftigt.
Da die Branche und der Markt für kompetente Finanzberatung auf Honorarberatungsbasis wachsen, ist zusätzlicher Raum für die Expansion der erfolgreichen Anlageberatung notwendig.
Was die Besucher beim „Tag des offenen Denkmals“ sicher besonders interessieren wird: Die gesamte Mühlentechnik ist erhalten geblieben. Sie wurde gesäubert und mit Leinöl bestrichen. Durch das Öffnen des Eingangsbereiches und durch optimierte Beleuchtung ist die Technik zusätzlich hervorragend in Szene gesetzt. Auch die Kunden könnten sich dann darauf freuen. Und natürlich auf schmucke Beratungsbüros sowie insgesamt elf Parkplätze direkt davor.