Fastnacht

Die SV-Fastnacht in Fürth probt den Johannismarkt-Ernstfall

Das Theater an der Goethestraße wird zum Marktplatz - inklusive wiederholter Bürgermeisterwahl und Rathaussturm.

Überraschung: Eine Abordnung der KKM Fürth sorgte bei der SV-Fastnacht für eine originale Frühschoppen-Simulation. Foto: Gian-Luca Heiser
Überraschung: Eine Abordnung der KKM Fürth sorgte bei der SV-Fastnacht für eine originale Frühschoppen-Simulation.

Von Jula Reichard

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Als sich am Samstagabend der Vorhang lüftete und der SV Fürth um 20.11 Uhr zu seiner Fasnachtssitzung anpfiff, wurde den Besuchern zunächst die Szenerie eingeordnet: Man befinde sich nicht etwa in der Goethestraße 6, wo das Vereinsheim des Fürther Sportvereins beheimatet ist, sondern mitten auf dem Marktplatz im Herzen der Weschnitztalgemeinde.

Schon im Vorjahr diente der Fürther Ortskern als Schauplatz für allerhand Kuriositäten aus dem Gemeindealltag, als der kurzweilige Abend aus Vorträgen, Zaubershow, Tanz und Gesang im Rathaus spielte und für viele Lachsalven sorgte. Und ein Jahr später knüpften die Fasnachter des SV auch inhaltlich an die Sitzung im Vorjahr an: Die Neuauszählung der Stimmen der Bürgermeisterwahl wurde vom LaTWeRjE-Team (Landesamt zur Testung von Wahlergebnissen auf deren Richtigkeit in jeder Ebene) beaufsichtigt.

Neue Währung: Hühner

Das überraschende Ergebnis: Nicht mehr Volker Oehlenschläger hat nunmehr das Sagen im Rathaus, sondern Daniel „Kosi“ Kosikow von der „Da werden eins vermampft“-Partei. Schon gleich hier wird deutlich: Die Fastnacht des SV Fürth lebt auch von ihren vielen „Insidern“, die allerdings – den Bezug zum Ursprung vorausgesetzt – dann für umso heftigere Lacher sorgen.

Der Nachtwächter in Aktion. Foto: Gian-Luca Heiser
Der Nachtwächter in Aktion.

Und wie so eine Bürgermeisterneuwahl beim Vorgänger ankam, das zeigen die Nachrichten, die mittels großem Fernsehbildschirmen auch direkt im Saal ausgestrahlt wurden: Eine Sondersendung berichtet live vom großen Rathaussturm, den „Volker Oe aus Krö“ zusammen mit einer Truppe motivierter „Oehlen-Schlägern“ anzettelte. Zu kurios um wahr zu sein, möchte man denken, erinnert sich dann aber wieder an die Bilder vom Capitol-Sturm in den USA. Seitenhiebe auf aktuelle Weltgeschehen und politische Irrungen und Wirrungen sind beim SV so sicher wie Tusch und Narrhallamarsch.

Ein weiterer Zeitsprung: Fürths neuer Bürgermeister Kosi ist nun seit einem Jahr im Amt und als eine seiner ersten Amtshandlung führte er eine neue Währung ein: ein Ei ist ein Euro wert, Geld anlegen geht fortan in Nuggets und wer genügend Hähnchen vom Grill sein Eigen nennen kann, der hat seine Schäfchen im Trockenen – ähnlich verwirrend waren auch die mathematischen Ausführungen zum neuen Wechselkurs.

Musik und Tanz

Weitere Fragezeichen taten sich am Samstagabend auf: Wer wird der neue Festwirt vom Johannismarkt? Es ist schließlich das wichtigste Fest im Jahr und der Frühschoppen montagmorgens der höchste Feiertag im Fürther Kalender. Ob das der Wirt Spitzbolle (gespielt von Eckhard Schütz) übernehmen wird? Da das schließlich keine Entscheidung ist, die man übers Knie bricht, machten es ihm die Gemeindemitarbeiter etwas einfacher und simulierten den Abend über all das, was es für einen gelungenen Johannismarkt und den legendären Frühschoppen braucht.

Inklusive dem Austausch zwischen einem potenziellen (Kruschdel-)Standbetreiber (Tobias Möke) und dem Marktmeister (Jan Fischer) sowie den (Auf-)Kehrern der Fest-Hinterlassenschaften (Yannik und Markus Schilling, Wolfgang Arnold).

Die Tanzschule Dance Passion und die Fürther KJG zeigten jeweils energiegeladene Medleys, die auf jeden Fall Lust machten, selbst das Tanzbein auf der Bühne zu schwingen, was das Publikum auch prompt nach der Sitzung in die Tat umsetzte. Auch Gesang und Musik gehören zu einem richtigen Fest dazu, wofür die beiden Brüder Markus und Christian Bauer sowie Alexander Wilck die Bühne betraten und das Programm der Fastnacht musikalisch abwechslungsreich hielten.

Im ausverkauften SV-Heim herrschte prächtige Stimmung. Foto: Gian-Luca Heiser
Im ausverkauften SV-Heim herrschte prächtige Stimmung.

In dieser Hinsicht begeisterte allerdings eine weitere Überraschung das Publikum: Wie beim original Frühschoppen im Johannismarktzelt kam auch eine Blaskapelle zum Einsatz. Die Schwungtüren im Fürther SV-Heim gingen auf und eine Abotdnung der Katholischen Kirchenmusikkapelle (KKM) trat, unter ungläubigem Staunen und tosendem Applaus, in Aktion.

Wolfgang Arnold, der unter anderem durch das Programm führte, merkte allerdings kurz an, dass die weinroten, KKM-typischen Shirts so gar nicht zu den „Grienen“ vom SV Fürth passen. Prompt zogen die Musikanten ihre Shirts aus, worunter sie grüne SV-Shirts trugen – ein Gag, den man unmöglich liegen lassen konnte, und der mit viel Beifall begleitet wurde.

Doch auch bei den Fastnachtern ist nicht immer alles eitel Sonnenschein: Es ist die Zeit des Protests und was auf die Gesellschaft da draußen zutrifft, spiegelte sich auch in der Goethestraße am vergangenen Samstag wieder. So traten Protestbauern (Markus Schilling) und Bahn-Schaffner (Wolfgang Arnold) auf und für ihre Bedürfnisse ein, und ließen dabei keine Seitenhiebe auf das aktuelle Geschehen aus. Gleiches galt für den Fürther Nachtwächter (Sebastian Welcker). Bei Christian Hirschs Vortrag zu den Fürther Ortsteilen bekamen diese ihr Fett weg. So sei Fahrenbach der Ballermann von Fürth, Linnenbach bilde den ZAKB – und so ging es munter weiter. Bis später am Abend dann alle Freunde der Slapstick-Kunst bei der Zaubershow der Unehrlich Brothers (Patrick Moll und Wolfgang Arnold) auf ihre Kosten kamen.

Kurz vor Mitternacht endete das Bühnenprogramm der SV-Fastnacht dann mit der Verkündung des neuen Johannismarkt-Festwirts, den Tombola-Gewinnern und einer Zugabe der KKM, welche das Publikum perfekt für den Tanz- und Bar-Betrieb im Anschluss anheizte.

Für die Bühnentechnik und die Videosequenzen waren zuständig: Julian Wagner, Daniel Eck und Janis Respondek