Die vielen Geflüchteten sind eine Herausforderung
Zu ihrer Kreis-Delegiertenversammlung trafen sich die Rotkreuz-Vertreter in der Melibokushalle in Zwingenberg.
Die Kriege in der Ukraine und in Nahost und die dadurch, aber auch schon vorher erfolgten Fluchtbewegungen standen im Mittelpunkt der aktuellen Zusammenkunft der Bergsträßer DRK-Delegierten, die sich in der Zwingenberger Melibokushalle getroffen haben. Von den insgesamt 85 stimmberechtigten Delegierten und neun Vorstandsmitgliedern konnte Kreisvorsitzender Arno Gutsche 61 Stimmberechtigte sowie das Vorstandsgremium willkommen heißen.
Besonders begrüßt wurden von ihm DRK-Präsident Norbert Södler vom DRK-Landesverband Hessen, der aus dem Vogelsberg angereist war, sowie die Landtagsabgeordnete Birgit Heitland, die als Vorsitzende des DRK Zwingenberg an diesem Abend auch Gastgeberin war.
Södler nutzte sein Grußwort, um für die sowohl im Haupt- als auch im Ehrenamt geleistete Arbeit Dank zu sagen. Hingewiesen wurde von ihm aber auch auf den Mitgliederschwund. In den vergangenen 30 Jahren habe das DRK mit aktuell rund 2,8 Millionen Mitgliedern bundesweit über zwei Millionen Mitglieder verloren, warb Södler für die Haustürwerbung mit eigenen Mitgliedern.
Aktuellen Krisenherde
Im Hinblick auf die aktuellen Krisenherde machte er deutlich, dass es wichtig sei, auf die Neutralität zu achten und nicht in Dienstbekleidung zu Demonstrationen zu gehen. So stehe das DRK auch mit dem russischen und israelischen Roten Kreuz sowie dem palästinensischen Halbmond in Verbindung. „Wir helfen Opfern und Tätern“, so Södler.
Auch Birgit Heitland verwies auf das humanitäre Völkerrecht und die „manchmal schwere Kost“, mit der man konfrontiert werde. Als Landtagsabgeordnete sicherte sie dem Kreisverband die Unterstützung des Landes auch weiterhin zu, damit das DRK seine Aufgaben erfüllen könne. Als Gastgeberin der Delegiertenversammlung wünschte sie der Zusammenkunft einen guten Verlauf und machte auf die speziell für diese Versammlung in Zwingenberg produzierten und vom Ortsverein zur Verfügung gestellten „Bergsträßer Kracher“ aufmerksam.
Kreisbeigeordneter Matthias Schimpf verwies in seinem Grußwort auf die seit vielen Jahren funktionierende Partnerschaft zwischen dem Kreis Bergstraße und dem DRK in schwierigen Zeiten und dankte besonders für die gute Zusammenarbeit mit dem Kreis seit 2015. Seit Februar 2022 habe der Kreis rund 4000 Personen aufgenommen, wovon circa 2800 Menschen aus der Ukraine gekommen seien. Etwa die Hälfte davon konnte in privaten Unterkünften untergebracht werden, weswegen es auch möglich war, keine Sporthalle umnutzen zu müssen. Einzige Ausnahme sei die Werner-von-Siemens-Halle in Lorsch gewesen, die innerhalb kürzester Zeit in Betrieb genommen werden konnte.
Nachdem die ukrainischen Geflüchteten in die „Luise“ in Lindenfels umgezogen waren, konnte die Zeltstadt in Bensheim aber nicht wie geplant abgebaut werden. Sie musste weiterhin als Unterkunft dienen, da die Fluchtbewegungen aus der Ukraine zwar abgenommen, aber die aus den Drittstaaten (nicht EU) zugenommen hatte.
Auch in 2023 sei die Situation nicht entspannter geworden, machte Schimpf auf die Dimensionen aufmerksam, die es zu bewältigen gelte. „Humanität ist unteilbar“, so der Kreisbeigeordnete, aber die Möglichkeiten vor Ort seien auch begrenzt.
Größenordnung einer Kleinstadt
Die aufgenommenen Flüchtlinge belegten inzwischen die Größenordnung einer Kleinstadt, müssten aber angemessen betreut und versorgt werden. Dabei leiste das DRK eine wichtige Arbeit, sagte Schimpf besonders den rund 950 Ehrenamtlichen in den 24 Ortsverbänden im Kreis seinen Dank. Denn auch ohne die speziellen Herausforderungen sei das DRK auf vielfältige Weise vor Ort aktiv: „Ohne dieses Engagement wäre unsere Gesellschaft deutlich ärmer“, so der Kreisbeigeordnete.
Den Dankesworten und dem gezollten Respekt schloss sich auch Zwingenbergs Erste Stadträtin Karin Rettig in Vertretung des Bürgermeisters an und zog den sprichwörtlichen Hut vor diesem Engagement. In Zwingenberg stehe eine „sehr gute Mannschaft“ zur Verfügung.
Als neuer Vorsitzender des Kreisverbandes Darmstadt-Mitte im zweiten Jahr überbrachte Martin Hostalek die Grüße des Kreisverbandes und wollte seine „Ohren spitzen“, wie es an der Bergstraße laufe, denn jeder Kreisverband sei anders. Das konnte er dann dem ausführlichen Bericht des Kreisvorsitzenden und den weiteren Tagesordnungspunkten entnehmen. Ehrungen standen nicht an, da es im vergangenen Jahr keine Wettbewerbe gegeben hat. Bestätigt wurde von der Versammlung die inzwischen vom Jugendrotkreuz gewählte Kreisleitung mit Claudia Pfeifer und ihrer Stellvertreterin Tamara Engelbrecht. Außerdem werden beide das Jugendrotkreuz auch im Kreisvorstand vertreten.
Der Mitgliedsbeitrag für Neumitglieder wurde von der Versammlung auf mindestens drei Euro im Monat beziehungsweise 36 Euro im Jahr festgesetzt. Zudem will der Kreisverband mithilfe einer Haustürwerbung durch eine beauftragte Firma den Mitgliederbestand erhöhen. Ortsverbände wie beispielsweise Zwingenberg, die ihre eigene Werbeaktion durchführen, können sich davon ausschließen. Ein weiterer Bericht folgt.
Von Jeanette Spielmann